Börse Italiens Sparplan stützt den Dax

Das Sparvorhaben des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti macht Anlegern Mut. Zudem schüren Angela Merkel und Nicolas Sarkozy die Hoffnung auf einen baldigen Durchbruch in der Euro-Schuldenkrise. Der Dax schließt erneut im Plus
Börse in Frankfurt: Der Dax setzt seine Erholung fort und schließt knapp über 6100 Zählern

Börse in Frankfurt: Der Dax setzt seine Erholung fort und schließt knapp über 6100 Zählern

Foto: Ralph Orlowski/ Getty Images

Frankfurt am Main - Der Dax  schloss um 0,4 Prozent bei 6106 Punkten, nachdem er zeitweise schon 1,5 Prozent im Plus gelegen hatte. Gewinnmitnahmen im späten Handel ließen die Gewinne bröckeln.

Dennoch bleibt die Grundstimmung positiv: Montis Sparpaket packe die Probleme an der Wurzel an, erklärten Börsianer die Zufriedenheit der Anleger mit dem früheren EU-Kommissar. Vor allem am Rentenmarkt sorgte Montis Kurs für Erleichterung: Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatspapiere - ein Signal für das wachsende Vertrauen der Anleger in die römische Regierung - gab auf 6,03 von 6,75 Prozent noch am Freitag nach. Der Mailänder Leitindex stieg um 2,9 Prozent - und damit sehr viel stärker als Dax und EuroStoxx.

Monti will die Staatsfinanzen unter anderem mit einer Reihe von Steuererhöhungen in den Griff bekommen, aber zugleich auch Anreize für die lahmende Wirtschaft schaffen.

Treffen von Merkel und Sarkozy: Euro-Rettungsfonds soll früher kommen

Mit Erleichterung quittierten die Anleger die Ergebnisse der Beratungen von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel im Vorfeld des EU-Gipfels im späteren Wochenverlauf. "Sie haben Einigkeit demonstriert und eine gewissen Entschlossenheit zur Gemeinsamkeit", fasste Helaba-Analyst Ulrich Wortberg zusammen. Merkel und Sarkozy wollen die EU-Verträge ändern und dabei zur Not auch auf die Zustimmung von Nicht-Euro-Ländern verzichten.

Zudem soll der Euro-Rettungsschirm ESM schon früher als bislang geplant an den Start gehen. Euro-Bonds und eine gemeinsame Haftung für Schulden schlossen beide Politiker aus. "Viele Anleger sind einfach erleichtert, dass sie einen Plan haben", erklärte ein Aktienhändler.

Dass die EZB in der vorigen Woche ihre Anleihe-Käufe am Sekundärmarkt zur Vorwoche deutlich herunterfahren konnte, wurde von Händlern positiv aufgenommen. "Dass die Renditen auch ohne diese zusätzliche EZB-Hilfe so stark gefallen sind, ist einfach ein gutes Zeichen", erklärte ein Börsianer.

Derweil fielen die US-Konjunkturdaten eher etwas schlechter als erwartet aus. Der Dow Jones  notierte zum Xetra-Schluss in Deutschland 1,1 Prozent im Plus.

Finanzwerte aus Italien und Frankreich gefragt - Allianz legt zu

Dessen ungeachtet setzten viele Anleger nach den herben Kursverlusten der vergangenen Wochen auf Finanzwerte aus Italien und Frankreich: Unicredit und Intesa Sanpaolo gewannen 5,4 beziehungsweise 3,8 Prozent; BNP Paribas und Societe Generale 6,6 und knapp fünf Prozent. Der europäische Branchenindex legte 2,7 Prozent zu.

Im Dax  zählten die Papiere der Allianz  und Münchener Rück mit einem Plus von 2,4 beziehungsweise 1,6 Prozent zu den größten Gewinnern. Deutsche Bank kamen dagegen mit einem Plus von 0,5 Prozent nur unwesentlich weiter vom Fleck als der Dax.

SAP plant Milliardenübernahme - Aktie gibt nach

Das Nachsehen hatte die Commerzbank  . Nach einem Bericht des SPIEGEL über eine mögliche Verstaatlichung fielen die Aktien um 4,1 Prozent auf 1,43 Euro. Mit einem Rückkauf von Hybridanleihen will die Bank einen Teil der bis zu fünf Milliarden Euro großen Eigenkapital-Lücke schließen, um den erneuten Gang zum Staat zu vermeiden. DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr schließt auch eine kleine Kapitalerhöhung nicht aus, wenn die übrigen Maßnahmen nicht reichen.

Federn lassen musste auch die Aktie von SAP (Kurswerte anzeigen) : Die Anleger zeigten sich von der milliardenschweren Übernahme des US-Spezialisten für Mietsoftware SuccessFactors wenig begeistert, die Aktien verbilligten sich um 2,5 Prozent. Analysten kritisierten den Kaufpreis von rund 2,5 Milliarden Euro als zu hoch. SuccessFactors legten in 51 Prozent zu.

Zahlen von Tui Travel bewegen Tui

Tui  legten nach schwankendem Kursverlauf zuletzt um 0,98 Prozent zu. Die Zeitung "Die Welt" hatte berichtet, dass die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur einen neuen Anlauf nimmt, den Hamburger Konkurrenten Hapag-Lloyd zu kaufen. Börsianer verwiesen allerdings auf einen Medienbericht, wonach Neptune dies bereits bestritten haben soll. Außerdem habe die "Wirtschaftswoche" berichtet, dass die Tui-Tochter L'Tur den Umsatz auf mehr als 400 Millionen Euro gesteigert hat. Tui Travel  meldete sich mit Zahlen zu Wort. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr schaffte die wichtigste Tochter des Reisekonzerns Tui den Sprung in die Gewinnzone.

Euro stabil, Ölpeise höher

Die Ölpreise sind am Montag mit der Sorge vor einer Verschärfung der Lage in den Ölregionen am Persischen Golf weiter gestiegen. Am Wochenende meldete der Iran den Abschuss eines unbemannten Spionageflugzeugs der USA. Die Sorge vor einer weiteren Eskalation im Streit um das Atomprogramm des Irans habe den Ölpreise neuen Auftrieb gegeben, sagten Händler. Im asiatischen Handel verteuerte sich der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) mit Auslieferung im Januar um 47 US-Cent auf 110,38 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 43 Cent auf 101,39 Dollar.

mg/dpa-afx