Börse Finanztitel treiben Dax

Der Dax notiert am Freitag deutlich im Plus und ist damit auf bestem Wege, die Woche mit einem zehnprozentigen Plus abzuschließen. Nach den Regierungserklärungen von Merkel und Sarkozy schöpfen Anleger neue Hoffnung auf eine Lösung der Schuldenkrise. Vor allem Bankwerte haussieren.
Händler in Frankfurt: Merkel und Sarkozy feilen am Rettungspaket, Anleger schöpfen neue Hoffnung

Händler in Frankfurt: Merkel und Sarkozy feilen am Rettungspaket, Anleger schöpfen neue Hoffnung

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Der deutsche Leitindex Dax (Kurswerte anzeigen) gewann bis zur Mittagszeit 1,50 Prozent auf 6126 Punkte und ist damit auf Wochensicht auf bestem Wege, ein Plus von rund 12 Prozent zu erzielen. Der MDax (Kurswerte anzeigen) stieg am Freitag um 1,13 Prozent auf 9005 Punkte und der TecDax (Kurswerte anzeigen) rückte um 0,48 Prozent auf 699 Punkte vor.

Entscheidend für die Richtung im Dax seien die am Nachmittag in den USA anstehenden Arbeitsmarktdaten, hieß es unisono am Markt. "Diese haben eine wesentliche höhere Priorität", kommentierte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, Robert Halver, sagte zur Regierungserklärung am Morgen: "Frau Merkel hat die Erwartungen an den Euro-Gipfel Ende der nächsten Woche noch etwas hochgeschraubt." Die Hoffnung, dass die Bundeskanzlerin auf dem EU-Gipfel mehr Lösungsansätze für die Euro-Krise auflisten werde als bisher, wachse zunehmend.

Die Bundeskanzlerin hatte unter anderem als Gipfel-Ziel Änderungen der EU-Verträge zur Schaffung einer Fiskalunion genannt. Zudem sagte sie, dass eine "Stabilitätsunion" auf der Tagesordnung stehe und sie hatte angemahnt, dass Regeln eingehalten und Verstöße geahndet werden müssen. Dagegen erteilte die Kanzlerin gemeinsamen Staatsanleihen der Euro-Länder erneut eine klare Absage.

Bankenwerte an der Dax-Spitze

Die Spitze im Dax nahmen die Bankenwerte ein, nachdem das "Handelsblatt" aus Kreisen über eine sich abzeichnende Einigung im Streit um den Stresstest berichtet hatte. Die europäische Bankenaufsicht EBA und die 27 nationalen Aufsichtsbehörden hätten sich geeinigt, dass der Test nicht weiter verschärft werden solle. Am 7. und 8. Dezember soll die endgültige Entscheidung fallen. Die Titel der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) stiegen um 5,17 Prozent auf 1,42 Euro, während die der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) 3,81 Prozent auf 29,72 Euro gewannen. Die Aareal-Bank -Aktien  legten im MDax um etwas mehr als 4 Prozent zu.

Sehr fest zeigten sich auch die Titel der Autohersteller nach am Vorabend veröffentlichten US-Absatzzahlen. Vor allem Volkswagen (VW) sei wieder "beeindruckend erfolgreich" gewesen sowie auch die Marke Mercedes von Daimler, sagte ein Händler. Während der Absatz von VW um 40,7 Prozent und der von Mercedes Benz um 55,2 Prozent stieg, meldete BMW ein Plus von 14,8 Prozent und Porsche einen Rückgang von 6,7 Prozent. Den Daimler -Papieren  verhalft dies zu einem Kursplus von 3,10 Prozent, BMW (Kurswerte anzeigen) kletterten um 2,28 Prozent und VW (Kurswerte anzeigen) um 2,25 Prozent. Porsche (Kurswerte anzeigen) gewannen knapp 1 Prozent hinzu.

ThyssenKrupp schwach nach überraschender Bilanzvorlage

Die Aktien von ThyssenKrupp (Kurswerte anzeigen) büßten nach vorgezogener Vorlage von Geschäftsjahreszahlen zeitweise mehr als 3 Prozent ein. Bis zur Mittagszeit sanken sie als Dax-Schlusslicht um 1,71 Prozent auf 18,68 Euro. Besonders überraschend in der Bilanz seien Wertberichtigungen in Höhe von knapp drei Milliarden Euro bei Steel Americas und Stainless Global gewesen, sagten Händler. Negativ wurde zudem ein Artikel im "Handelsblatt" bewertet, in dem es hieß, dass es weiter Probleme beim ThyssenKrupp-Stahlwerk in Brasilien gebe.

Die bevorstehende Aufnahme von ProSiebenSat.1 (Kurswerte anzeigen) in den Dow Jones Global Select Dividend Index verhalf dem Papier des Medienunternehmens zuletzt an die MDax-Spitze, wo sie um knapp 5 Prozent zulegten.

Die Vossloh -Papiere  gewannen nach Aussagen des Managements zur Dividende 3,25 Prozent auf 77,82 Euro. Der Verkehrstechnikkonzern will seinen Aktionären wie im Vorjahr 2,50 Euro Dividende zahlen und in den kommenden beiden Jahren wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren. Mut macht Konzernchef Werner Andree dabei das dicke Auftragsbuch von voraussichtlich 1,4 Milliarden Euro zum Ende des Jahres. Den in diesem Jahr bereits zwei Mal gesenkten Ausblick bekräftigte der Vorstand.

Euro und Ölpreise höher

Der Kurs des Euro (Kurswerte anzeigen) hat am Freitag vor einer mit Spannung erwarteten Regierungserklärung der deutschen Kanzlerin leicht im Plus tendiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,3469 Dollar. Am Vortag war sie zwischenzeitlich über die Marke von 1,35 Dollar geklettert. Händlern zufolge goutierten die Märkte, dass zumindest für einen Tag keine neuen Hiobsbotschaften eintrafen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,3492 (Mittwoch: 1,3418) Dollar festgesetzt.

Die Ölpreise haben im frühen Handel im Plus tendiert. Während Rohöl der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) recht klare Gewinne verbuchte, legte der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) vor dem mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktbericht aus den USA und einer vielbeachteten Rede der deutschen Kanzlerin zur Euro-Schuldenkrise nur minimal zu. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Brent zur Auslieferung im Januar stieg am frühen Morgen um 52 Cent auf 109,51 Dollar. Ein Fass WTI verteuerte sich im asiatischen Handel um 17 Cent auf 100,37 Dollar.

Händler begründeten die feste Tendenz am Ölmarkt vor allem mit den freundlichen asiatischen Aktienmärkten. Darüber hinaus hatten sich zuletzt die Hoffnungsschimmer für die weltweit größte Volkswirtschaft USA gemehrt. Am Donnerstag hat sich der vielbeachtete Einkaufsmanagerindex ISM für die Industrie klar verbessert. Zudem waren zuletzt auch Daten vom krisengeschüttelten Immobilienmarkt besser als erwartet ausgefallen.

mg/dpa-afx
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