Geldflut der Notenbanken Kursfeuerwerk an den Börsen

Die wichtigsten Notenbanken der Welt fluten den Markt mit Geld - dies löst an den Börsen ein Kursfeuerwerk aus. Der Dax schließt deutlich über 6000 Punkten. An der Wall Street steigern zudem gute Jobdaten die Kauflaune. Doch wird die Erholung Bestand haben?
Aufregung an der Wall Street: Die Notenbanken haben die Märkte mit ihrer Maßnahme überrascht

Aufregung an der Wall Street: Die Notenbanken haben die Märkte mit ihrer Maßnahme überrascht

Foto: MARIO TAMA/ AFP

Frankfurt am Main - Anleger im Kaufrausch: Der deutsche Leitindex Dax  baute seine Gewinne bis zum Handelsschluss auf rund 5 Prozent aus und kletterte über die Marke von 6000 Zählern. Zum Schluss stand der Leitindex bei knapp 6089 Punkten und erreichte damit den höchsten Stand seit rund zwei Wochen. Binnen vier Handelstagen hat der Index damit mehr als 10 Prozent zugelegt.

Spitzenreiter im Dax war die Aktie von ThyssenKrupp  , die beinahe 8 Prozent zulegte. Zu den größten Gewinnern zählten zudem Schwergewichte wie der Chemiekonzern BASF (Kurswerte anzeigen), Daimler (Kurswerte anzeigen), Volkswagen (Kurswerte anzeigen) und das Papier der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen).

Auch der Euro (Kurswerte anzeigen) gewann gegenüber dem Dollar deutlich an Wert.

Kursrally an der Wall Street - Bankenwerte legen deutlich zu

Zum Hintergrund: Die wichtigsten Notenbanken der Welt stellen den globalen Finanzmärkten in einer überraschenden und koordinierten Aktion mehr Geldzur Verfügung. Ziel der Aktion sei, die Spannungen an den Märkten zu reduzieren und damit auch die Realwirtschaft zu unterstützen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Notenbanken. Beteiligt an der Auktion sind die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Federal Reserve sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz.

Auch an der Wall Street legten die Indizes daraufhin kräftig zu. "Das sind alles sehr gute Nachrichten für kurzfristig orientierte Anleger", sagte John Thomas, Chef-Analyst bei John Thomas Financial. "Es gibt am Markt unglaublich viel Anspannung. In einer koordinierten Aktion etwas gegen die Anspannung zu unternehmen, ist eine gute Sache." Doch Ökonomen bezweifeln, dass mit der neuen Geld-Infusion die Schuldenprobleme gelöst werden.

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Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) baute bis zum Handelsschluss in Deutschland seine Gewinne auf etwa 3,5 Prozent aus. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 2,8 Prozent

Von der Aktion der Notenbanken profitierten vor allem Bank-Aktien. So legten die Papiere der Bank of America (Kurswerte anzeigen) 4,7 Prozent zu, die von Citigroup (Kurswerte anzeigen) 5,4 Prozent und die von JPMorgan Chase  5,3 Prozent.

Gute Nachrichten kamen auch vom US-Arbeitsmarkt. Die US-Privatwirtschaft schuf im November unerwartet viele neue Stellen. Einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge stieg die Zahl um 206.000. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem Plus von 130.000 gerechnet.

Auch China will Geldpolitik lockern - Ölpreise steigen

Für einen Schub hatten bereits am Mittag die Ankündigungen aus China gesorgt, die Geldpolitik zu lockern. Auslöser war die überraschende Senkung des Mindestreservesatzes durch die chinesische Notenbank. Damit steht der chinesischen Wirtschaft mehr Geld zur Verfügung, wovon auch deutsche Exporte profitieren könnten. "Der Schritt von China wird sehr positiv gesehen, denn das könnte ein Impulsgeber für andere Länder sein und ist daher eine gute Botschaft für die Weltkonjunktur", sagte Marktanalyst Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse.

Auch mit Anlageklassen, die besonders sensibel auf Nachrichten aus China reagieren, ging es zeitweise aufwärts: Nordsee-Öl der Sorte Brent kostete 110,33 Dollar pro Barrel nach 109,80 Dollar zuvor. Der Kupferpreis notierte bei 7428 Dollar je Tonne. Der australische Dollar stieg auf 1,0020 US-Dollar nach 0,9973 Dollar.

"Der Beginn eines Lockerungszyklus"

Die Maßnahme sei der Beginn eines Lockerungszyklus, sagte Analyst Hua Zhongwei von Huachuan Securities in Peking. "Die Zentralbank wird wahrscheinlich noch mehr Schritte unternehmen." Sie reagiere damit auf die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und darauf, dass die Kapitalzuflüsse weiter zurückgehen würden.

Zuvor hatte der Dax im frühen Handel noch nachgegeben. Auslöser war, dass die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit zahlreicher Banken in den USA und Europa abgestuft hat, sagte ein Händler. Der deutsche Leitindex fiel zeitweise um 1,2 Prozent auf 5733 Punkte, bevor er dann am Mittag deutlich ins Plus drehte.

Als "mehr oder weniger erwartet" bezeichnete ein Börsianer dagegen die Beschlüsse während des EU-Finanzministertreffens, wonach die Schlagkraft des Euro-Rettungsfonds EFSF mindestens verdreifacht und möglicherweise sogar verfünffacht werden soll. Dass die Bewertung zahlreicher Banken verändert worden sei, habe technische Gründe gehabt, hatte die US-Ratingagentur S&P am Vorabend mitgeteilt. Der Schritt sei eine Folge der bereits bekanntgegebenen Einführung neuer Bewertungskriterien.

cr/dpa-afx/rtr
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