Montag, 21. Oktober 2019

Nach Anleihenflopp Euro-Kurs bricht ein

Stark unter Druck: Euro-Kurs fällt bis auf 1,3391 Dollar

Es ist ein Misstrauensvotum gegen die gesamte Euro-Zone: Der Euro-Kurs fällt um rund einen Cent - nachdem Deutschland für die bisher so begehrten Bundesanleihen erschreckend wenig Käufer gefunden hat. Am Markt herrscht Aufruhr.

Frankfurt am Main - Der Kurs des Euro ist am Mittwoch nach einer enttäuschend verlaufenen Versteigerung deutscher Staatsanleihen unter die Marke von 1,34 US-Dollar gefallen. Am späten Vormittag tauchte die Gemeinschaftswährung ab. Gegen Mittag wurde der Euro bei 1,3391 Dollar gehandelt. Das war rund ein Cent weniger als am Vortag. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag noch auf 1,3535 (Montag: 1,3458) Dollar festgesetzt.

Nach Einschätzung von Experten lässt sich der Kursrutsch der Gemeinschaftswährung vor allem an der enttäuschenden deutschen Anleihe-Auktion festmachen. Bei der Versteigerung neuer zehnjähriger Staatsanleihen war die Nachfrage überraschend schwach ausgefallen. Bei einem geplanten Emissionsvolumen von 6,0 Milliarden Euro lagen die Gebote bei lediglich 3,89 Milliarden Euro. "Das Deutschland einen so hohen Anteil einer Auktion nicht an den Markt bringen kann, habe ich noch nicht erlebt", sagte Johannes Rudolph, Anleihenexperte von HSBC Trinkaus.

Händler sprachen in einer ersten Reaktion von einem "erschreckend schwachen" Ergebnis. Schwache Konjunkturdaten aus den USA vom Vortag sowie aus China und der Euro-Zone setzten den Euro zusätzlich unter Druck.

Zugleich hatten auch andere europäische Staaten nicht den erhofften Erfolg auf den internationalen Finanzmärkten, zu möglichst günstigen Konditionen neues Geld zur Bezahlung alter Schulden zu erhalten. Die Zinsen für italienische und spanische Staatsanleihen haben sich am Mittwoch wieder nahe an der Grenze von 7 Prozent bewegt.

Italienische Zinsen für zehnjährige Anleihen schossen am frühen Morgen auf 7 Prozent zu, bevor sie dann auf unter 6,9 Prozent zurückfielen. Spanische Anleihen für zehn Jahre kletterten auf dem Zweitmarkt auf 6,66 Prozent und verharrten dort. "Für Italien und Belgien in der nächsten Woche noch schwierig werden, sich zu refinanzieren", kommentierte HSBC-Experte Rudolph das Geschehen. Drei Händler in London berichteten, die Europäische Zentralbank (EZB) habe erneut italienische und spanische Staatsanleihen gekauft.

Die Notenbank kaufe Titel mit kürzeren Laufzeiten, sagten die Händler. Zweijährige Titel Italiens rentieren mit 6,98 Prozent und damit 0,28 Prozentpunkte höher als am Vortag. Die entsprechende spanische Anleihe notierte mit 5,80 Prozent, was einen Anstieg um 0,14 Prozentpunkte darstellte.

kst/dpa/rtr

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