Montag, 23. September 2019

Staatsanleihen Anleger verschmähen Deutschland-Bonds

Finanzagentur in Frankfurt am Main: Die Rendite für zehnjährige Anleihen lag erstmals unter 2 Prozent

Die Euro-Schuldenkrise holt Deutschland ein: Bei einer Emission deutscher Staatsanleihen ist die Finanzagentur auf einem Drittel ihrer Bonds sitzen geblieben. Der vermeintlich "sichere Hafen" Deutschland lockt Investoren offenbar nicht mehr, die Kapitalflucht aus Euro-Land erreicht ihren Höhepunkt.

Berlin - Bei der Auktion neuer Bonds mit zehnjähriger Laufzeit fand der Bund für gut ein Drittel der angebotenen Summe keinen Abnehmer, teilte die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur mit. "Das Ergebnis der heutigen Auktion spiegelt das äußerst nervöse Marktumfeld wider", sagte ein Sprecher. Es bedeute aber keinerlei Refinanzierungsengpass für den Bundeshaushalt.

Das angestrebte Gesamtvolumen solle nun über Verkäufe am Sekundärmarkt erreicht werden. Experten und Märkte reagierten geschockt. "Das Deutschland einen so hohen Anteil einer Auktion nicht an den Markt bringen kann, habe ich noch nicht erlebt", sagte Johannes Rudolph, Anleihenexperte von HSBC Trinkaus Deutschland müsse sich jetzt überlegen seine Auktionen mehr zu strecken. Für Italien und Belgien dürfte es nun in der nächsten Woche noch schwieriger werden, sich zu refinanzieren.

Die geringe Nachfrage nach den festverzinslichen Papieren sei "sehr besorgniserregend", meinte auch Helaba-Experte Ralf Umlauf. Die Versteigerung sei "ein Misstrauensvotum gegen die gesamte Euro-Zone. Marc Ostwald von Monument Strategies sprach sogar von einem "völligen Desaster.

Die Finanzagentur des Bundes, die den Verkauf der Anleihen organisiert hat, bewertet das Versteigerungsergebnis dagegen weit weniger dramatisch. "Schauen Sie auf das Marktumfeld, es ist hoch volatil, die Marktteilnehmer äußerst nervös", sagt ein Sprecher der Finanzagentur gegenüber manager magazin Online. Der Zins ist niedrig wie nie. "Zwar gab es im vergangenen Monat eine Aufstockung einer umlaufenden zehnjährigen Anleihe, die mit 1,8 Prozent rentierte. Doch bei einer Neuemission haben wir heute mit 1,98 Prozent die niedrigste Rendite in diesem Laufzeitenbereich gesehen." Grund zur Sorge besteht für ihn allerdings nicht, wohl aber zur Wachsamkeit.

"Der Bund wird 2011 voraussichtlich in 64 Auktionen Emissionen im Volumen von 275 Milliarden Euro vorgenommen haben, davon sind 61 bereits gelaufen. Bei 9 davon kam es zur Unterzeichnung, was bedeutet, dass die Gebote der Banken hinter dem ausgeschriebenen Emissionsvolumen zurückblieben. In solchen Fällen nimmt der Bund den entsprechenden Teil diese Anleihen in seinen Eigenbestand und verkauft sie zu einem späteren Zeitpunkt am Sekundärmarkt", sagte der Sprecher weiter.

Zuletzt habe der Eigenbestand an Bundeswertpapieren gut 40 Milliarden Euro betragen. Der Bund verfüge damit über ein Steuerungsinstrument, um beispielsweise das wirtschaftliche Ergebnis der Auktion zu verbessern. "Ein zusätzliches Risiko für den Bundeshaushalt besteht deswegen aus der heutigen Auktion nicht", sagte der Agentursprecher.

Der Bund-Future baute seine Verluste nach Bekanntgabe des Emissionsergebnisses aus, der Euro Börsen-Chart zeigen fiel auf ein Sechs-Wochen-Tief von 1,3382 Dollar. Der Deutsche Aktienindex Dax Börsen-Chart zeigen gab auch nochmals nach.

Insgesamt nahm der Bund bei der Auktion 3,644 Milliarden Euro ein. Das angebotene Emissionsvolumen lag bei sechs Milliarden Euro. Grund für die Zurückhaltung der Anleger ist der extrem niedrige Zins. Die Rendite lag mit 1,98 Prozent erstmals bei einer Erstemission einer zehnjährigen Bundesanleihe unter der Zwei-Prozent-Marke. Nur bei der Aufstockung einer zehnjährigen Anleihe im September lag die Rendite mit 1,80 Prozent noch niedriger. "Die geringen Renditen sind nicht der Hauptgrund für die geringe Nachfrage", sagte Helaba-Analyst Umlauf. "Schließlich sind die Emission der vergangenen Monate bei ähnlich niedrigen Zinsen problemlos durchgegangen. Im Hintergrund schwingt derzeit die Frage mit: 'Wer soll das bezahlen?' Die letzte Bastion der Euro-Zone wird in Frage gestellt."

Deutschland profitierte bislang wegen der Schuldenkrise von seinem Status als sicherer Hafen. Die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik wird wegen vergleichsweise solider Staatsfinanzen von allen großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet, womit ein Zahlungsausfall als höchst unwahrscheinlich gilt. Investoren waren deshalb lange Zeit bereit, deutliche Abschläge bei den Renditen hinzunehmen.

mg/kst/rtr

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