Dienstag, 18. Februar 2020

Wochenausblick EZB als Retter der Euro-Zone

Europäische Zentralbank: Die Notenbank kann notfalls unbegrenzt Geld drucken, hat also unbegrenzte Feuerkraft

Rettet die EZB die Euro-Zone oder nicht? Diese Frage wird Anleger in der neuen Woche beschäftigen. Denn die Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf starke Euroländer ist massiv gestiegen - und damit auch die Angst vor einem finanziellen Kollaps. Noch ziert sich die Zentralbank.

Frankfurt am Main - "Für eine Lösung der Schuldenkrise geht es inzwischen nicht mehr um die Mittel des EFSF, diese Diskussion ist abgehakt. Es geht nur noch um die Rolle der EZB", sagt Aktienstratege Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. Der europäische Rettungsfonds EFSF wird am Markt wegen seiner komplizierten und immer noch unklaren Ausgestaltung schon lange äußerst skeptisch gesehen.

Sollten tatsächlich auch Italien, Spanien oder gar Frankreich auf Hilfe angewiesen sein, reichen dessen Mittel bei weitem nicht. "Die Zentralbank ist letzten Endes die einzige Instanz mit genügend Macht und Power, um das Ruder noch herumzureißen", so Rahn. Marktteilnehmer fordern, die EZB möge ihre Käufe von Staatsanleihen noch einmal massiv ausweiten: Die EZB lehnt eine solche Feuerwehrrolle jedoch bislang ab.

Jedoch hat sich der Vertrauensschwund in die Eurozone hat sich in den vergangenen Tagen vor allem am Anleihemarkt manifestiert. Die Risikoaufschläge auf Schuldenpapiere starker Euroländer wie Frankreich oder Österreich zogen deutlich an. Der Dax Börsen-Chart zeigen hat im Wochenverlauf gut 4 Prozent verloren und ging am Freitag 0,9 Prozent niedriger bei 5800 Punkten aus dem Handel.

In Griechenland und in Italien haben inzwischen neue Regierungen ihre Arbeit aufgenommen und tiefgreifende Reformen in Aussicht gestellt. Zur Beruhigung der Finanzmärkte reiche das aber nicht, konstatiert die Landesbank Berlin. Zu viel Vertrauen sei verspielt.

Verkürzte Handelswoche an der Wall Street

"Der Druck auf die EZB wächst, deutlich mehr Anleihen der Peripherieländer zu kaufen und so die Staatsschuldenkrise zu bekämpfen", schlussfolgert auch Volkswirt Michael Schubert von der Commerzbank. Die Bilanzrisiken für die Zentralbank hält er für überschaubar. Langfristige Risiken seien allerdings nicht wegzudiskutieren: "Der Patient lebt, aber der Arzt ist tot", umschreibt Schubert das absehbare Problem der EZB.

Die Aussichten für den Aktienmarkt stehen also unter keinem guten Stern. Die Experten rechnen daher mit einem weiter stark schwankenden Geschäft. Generell erwarten Börsianer in den nächsten Tagen einen recht dünnen Handel.

Am Donnerstag wird in den USA Thanksgiving gefeiert, die Wall Street bleibt dann geschlossen. Traditionell nutzen viele Anleger diese Gelegenheit zu einem verlängerten Wochenende. Am Mittwoch ist zudem ein Feiertag in Japan.

Da in der neuen Woche nur noch wenige Geschäftszahlen von Unternehmen auf dem Terminplan stehen, richtet sich die Aufmerksamkeit eher auf Konjunkturdaten. Die ballen sich am Mittwoch, wenn neben den Erstanträgen zur US-Arbeitslosenhilfe auch Zahlen zum US-Konsum vorgelegt werden. Analysten rechnen im Schnitt mit einer Halbierung des Wachstums auf 0,3 Prozent.

Auf deutscher Seite wird es am Donnerstag interessant: Dann gibt das Ifo-Institut seinen Geschäftsklimaindex für November bekannt. Unter den deutschen Unternehmen wollen Sixt (Dienstag), CTS Eventim (Donnerstag) und KWS Saat (Freitag) aus dem Kleinwerte-Index SDax ihre Bücher öffnen. Am Dienstag will zudem Continental -Großaktionär Schaeffler Geschäftszahlen vorlegen.

la/rtr

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