Börse Dax fällt weiter - SGL Carbon im Blick

Die Eskalation der Schuldenkrise in Europa belastet den Dax erneut. Auf Wochensicht hat der deutsche Leitindex mehr als 4 Prozent verloren. Im Blickpunkt der Anleger steht zum Wochenschluss SGL Carbon: Börsianer spekulieren über einen Übernahmekampf zwischen VW und BMW.
Für die EU geflaggt: Die Deutsche Börse macht der Kommission Zugeständnisse

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Foto: dapd

Frankfurt am Main - Spekulationen auf einen Übernahmekampf um den Carbonfaserhersteller SGL Carbon  haben am Freitag die Gemüter am deutschen Aktienmarkt erhitzt. Die Papiere des einzigen europäischen Carbonfaser-Herstellers legten im MDax zeitweise um bis zu 7,8 Prozent zu, schlossen dann aber nur mit einem Plus von 1,2 Prozent.

Auslöser für die zeitweise hohe Nachfrage nach dem Papier war die Mitteilung von BMW (Kurswerte anzeigen) , wonach sich der Münchener Autobauer gut 15 Prozent der Stimmanteile an SGL gesichert hat. "Hier wird auf einen Bieterwettbewerb zwischen BMW und VW spekuliert", sagte ein Analyst. Volkswagen (Kurswerte anzeigen) war bereits im Februar bei SGL eingestiegen.

Die Investmentgesellschaft von BMW-Großaktionärin Susanne Klatten, Skion, hält laut Reuters-Daten 28,30 Prozent an SGL. BMW-Konkurrent VW kommt demnach auf 7,9 Prozent. Der neue Schritt von BMW dürfte die Münchner rund 450 Millionen Euro gekostet haben.

Dax setzt Verlustserie fort - Index im Bann der Schuldenkrise

Der deutsche Leitindex Dax selbst beendete den Tag nach einem erneut sehr dünnen Handel 0,9 Prozent im Minus bei 5800 Punkten. Der Umsatz war mit drei Milliarden Euro um rund ein Viertel niedriger als im Durchschnitt der vergangenen 90 Tage. Es war zugleich einer der umsatzschwächsten kleinen Verfallstage der vergangenen Jahre. Auf Wochensicht verlor der Dax 4,2 Prozent.

An den US-Börsen notierten die wichtigsten Indizes uneinheitlich. Während der Dow Jones  um den Vortagesschluss schwankte, notierte der Nasdaq Composite  0,5 Prozent im Minus.

Hohe Risikoprämien für Schuldnerländer - Russland heizt Unsicherheit an

Am Gesamtmarkt hatten die Anleger erneut vor allem die hohen Anleihe-Renditen der Länder Italiens, Frankreichs und Spaniens im Blick. Investoren fürchten, dass sich die Finanzierungsprobleme wie ein Flächenbrand ausbreiten könnten. "Die Nervosität ist groß, die meisten sehen derzeit keinen Grund, warum sie in einem so unsicheren Umfeld auf Aktien setzen sollten", sagte ein Händler.

Für neue Unruhe hatte am Donnerstag die Auktion spanischer und französischer Bonds gesorgt. Beide Länder konnten sich nur zu deutlich höheren Zinsen frisches Geld am Markt besorgen. Spanien musste den Anlegern fast 7 Prozent Rendite bieten und nähert sich damit bedrohlich der Marke, ab der sein Schuldendienst zu teuer wird. Dank Stützungskäufen der Europäischen Zentralbank (EZB) machte sich bei den zehnjährigen spanischen und italienischen Papieren am Freitag etwas Entspannung breit.

Am Nachmittag sorgten zudem zurückhaltende Äußerungen der russischen Zentralbank zur Beteiligung am Rettungsfonds EFSF Händlern zufolge für Abgabedruck. Auch dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premier David Cameron ihre Differenzen über mögliche Wege aus der Schuldenkrise nicht beilegen konnten, lastete Börsianern zufolge auf der Stimmung.

Vor den Wahlen am Wochenende in Spanien bleibt die Unsicherheit weiter hoch. Es wird mit einem Regierungswechsel in Madrid gerechnet.

Deutsche Börse versucht Fusion mit NYSE zu retten

Für Gesprächsstoff am Markt sorgte auch die Deutsche Börse (Kurswerte anzeigen): Der Frankfurter Börsenbetreiber und die Nyse Euronext wollen ihre umstrittene Fusion durch weitreichende Zugeständnisse an die EU-Kommission doch noch retten. Die Unternehmen schlugen vor, bestehende Überschneidungen bei Derivaten auf europäische Einzelaktien zu beseitigen und Konkurrenten wie der Londoner LSE Zugang zu ihrer Clearing-Sparte zu verschaffen. Den Wettbewerbshütern in Brüssel ist die beherrschende Marktposition der beiden Unternehmen ein Dorn im Auge.

Die Aktie der Deutschen Börse drehte nach anfänglichen Kursverlusten ins Plus und arbeitete sich mit einem Aufschlag von 2,8 Prozent an die Dax-Spitze vor. "Im ersten Moment habe ich gedacht: was machen sie da nur?", sagte Christian Muschick, Analyst bei Sylvia Quandt Research. Letztlich dürfte das aber ein guter Weg sein, um die EU-Kommission zufriedenzustellen, ohne zuviel aufzugeben.

Infineon verliert weiter an Wert

Zu den größten Verlierern im Dax gehörten die Aktien von Infineon, die 2,3 Prozent niedriger schlossen. Seitdem sich der Konzern am Mittwoch skeptisch zu den Umsatzaussichten im neuen Geschäftsjahr geäußert hat, ist die Aktie bereits um gut 9 Prozent abgerutscht.

Suzuki erhöht Druck auf Volkswagen

Der japanische Autobauer Suzuki (Kurswerte anzeigen) dringt unterdessen verstärkt auf einen Rückzug des Großaktionärs aus Wolfsburg. Man wolle die Partnerschaft beenden und den VW-Anteil zurückkaufen, teilte Suzuki am Freitag mit. VW ist mit knapp 20 Prozent an dem japanischen Unternehmen beteiligt. Ein Sprecher von VW sagte indes am Morgen, dass der Autobauer an seinem Suzuki-Anteil festhalte.

Goldpreis weiter unter Druck

Die Ölpreise stabilisierten sich nach starken Vortagsverlusten. Am Nachmittag kostete ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im Januar 109,11 US-Dollar. Das waren 89 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Dezember-Lieferung stieg leicht um neun Cent auf 98,91 Dollar. Am Donnerstag hatten die Ölpreise kräftig um zeitweise vier Dollar nachgegeben.

Der Goldpreis (Kurswerte anzeigen) steuert auf den größten Wochenverlust seit fast zwei Monaten zu. Das Edelmetall konnte sich dem Abwärtssog an den Rohstoffmärkten nicht entziehen und verbilligte sich an den vergangenen fünf Tagen um mehr als drei Prozent auf 1733 Dollar je Feinunze.

ak/rtr/dpa-afx
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