Angst am Anleihenmarkt Frankreichs Risikoprämie steigt auf 2 Prozent

Alle großen Euro-Länder außer Deutschland geraten am Anleihenmarkt noch heftiger unter Druck. Die Risikoaufschläge steigen besonders für Frankreich und Spanien, die neue Anleihen für zehn Milliarden Euro ausgeben.
Ungleiches Retterpaar: Sarkozys Regierung muss für neue Schulden doppelt so hohe Zinsen zahlen wie die von Merkel

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Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die anhaltende Unsicherheit an den Anleihemärkten der Euro-Zone hat die Kurse deutscher Staatsanleihen am Donnerstag zu Handelsbeginn nach oben getrieben. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg um 0,4 Prozent auf 138,5 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 1,77 Prozent.

Die hohe Unsicherheit an den Anleihemärkten der Euro-Zone habe die deutschen Staatstitel gestützt, sagten Händler. Viele Anleger warteten allerdings ab, ob die Europäische Zentralbank (EZB) wieder italienische und spanische Bonds stützen werde, sagte ein Händler. "Die EZB hat gestern recht aggressiv gekauft."

Die Krise verschärfte sich gleich zu Handelsbeginn. Die Rendite von zehnjährigen spanischen Anleihen erreichte am Vormittag mit 6,7 Prozent den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Entsprechende italienische Anleihen stiegen erneut über die Marke von 7 Prozent. In diesem Umfeld würden die als sicher geltenden deutschen Anleihen weiter gesucht, sagten Händler.

Der Risikoaufschlag Spaniens im Vergleich zu den entsprechenden Bundesanleihen markierte mit 477 Basispunkten ebenfalls einen Höchststand. Gleiches galt für die französischen Spreads, die erstmals auf 2 Prozentpunkte kletterten. Für zehnjährige Papiere aus Paris verlangten die Gläubiger Zinsen von bis zu 3,8 Prozent, mehr als doppelt so viel wie für deutsche Bundesanleihen. Die Rendite zehnjähriger griechischer Anleihen notierte mit 28,9 Prozent auf Höhe des am Mittwoch erreichten Rekordstands.

Griechenland beginnt Verhandlungen über Umschuldung

Das Angebot an neuen Staatsanleihen der Euro-Zone steht daher laut Commerzbank  im Zentrum des Interesses. Spanien platzierte zehnjährige Anleihen für 3,56 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 6,975 Prozent - bei der vorigen Auktion hatten die Anleger noch zu einer Rendite von 5,433 Prozent zugegriffen. So hohe Zinsen hatte Spanien zuletzt 1997 zahlen müssen. HSH-Nordbank-Expertin Sintje Boie wertete den Ausgang der Auktion als "dramatisches Ergebnis".

Frankreich will inflationsindexierte Anleihen an den Markt bringen. Insgesamt stehen Schuldverschreibungen von zehn Milliarden Euro zum Verkauf. Auch hier stiegen die Zinsen deutlich. Frankreich ist zuletzt wie auch andere Kernländer der Euro-Zone, darunter Belgien und Österreich, verstärkt in den Blick der Märkte geraten. Die Rendite für zehnjährige belgische Anleihen nähert sich der Fünf-Prozent-Marke.

Griechenland hat die Verhandlungen mit Banken und Versicherern über die geplante Beteiligung privater Gläubiger an den Finanzhilfen für das hochverschuldete Land aufgenommen. Ziel sei es, die Transaktion so zu gestalten, dass so viele Gläubiger wie möglich zustimmen, erklärte Finanzminister Evangelos Venizelos am Donnerstag. Hierzu werde die Regierung Gespräche mit dem internationalen Bankenverband IIF, anderen Vertretern der Finanzbranche sowie mit einzelnen Gläubigern führen.

Banken, Versicherer und andere Finanzinstitute hatten im vergangenen Monat zugesagt, auf die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten. Dies soll über einen Anleihetausch passieren, mit dem die Schuldenlast der Regierung in Athen bis 2020 um 100 Milliarden Euro reduziert werden könnte. Die privaten Gläubiger sind nervös, weil der Anleihetausch noch mit der alten griechischen Regierung ausgehandelt worden war. Umsetzen muss ihn nun die neue Übergangsregierung.

ak/dpa-afx/rtr