Börse Fitch-Warnung und Schuldenkrise drücken Dax

Steigende Risikoaufschläge auf Staatsanleihen aus Spanien, Italien und Frankreich lassen den Dax erneut mit Verlusten schließen. Eine Warnung der Ratingagentur Fitch vor den Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise auf US-Banken verschreckt weitere Anleger. Aktien der Commerzbank stürzen ab.
Händler in Frankfurt: Wieder schlechte Stimmung am Aktienmarkt

Händler in Frankfurt: Wieder schlechte Stimmung am Aktienmarkt

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PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Der Dax  verlor am Donnerstag bis zum Handelsschluss auf Xetra bei dünnen Umsätzen 1,1 Prozent auf 5850 Punkte. Die Börsen in Paris, Mailand und Madrid büßten zwischen 0,9 und 0,2 Prozent ein, der EuroStoxx fiel um 0,5 Prozent. An der Wall Street notierte der Dow Jones  zum Handelsschluss in Deutschland 0,1 Prozent im Minus.

Mit großer Sorge beobachteten die Aktienanleger die Entwicklung an den europäischen Rentenmärkten, wo die Renditen der Anleihen Italiens, Spaniens und Frankreichs wieder anzogen. Der Risikoaufschlag für zehnjährige französische Papiere erreichte mit zwei vollen Prozentpunkten einen neuen Rekord seit Einführung des Euro 1999. Später erholten sich die Renditen aber wieder. Die Spanier mussten bei einer Auktion von Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit so hohe Zinsen berappen wie seit 14 Jahren nicht mehr.

Fitch: Gefahr für US-Banken

Die Ratingagentur Fitch hatte am Vorabend vor den Auswirkungen der Schuldenkrise in der Euro-Zone auf die US-Banken gewarnt. Die Probleme könnten auch größere Volkswirtschaften wie Frankreich und Deutschland erreichen, wo US-Banken stärker engagiert seien, erklärte Fitch. An der Wall Street hatten die Bankenkurse darauf hin stark nachgegeben.

Für zusätzliche Nervosität sorgte Händlern zufolge auch die Herunterstufung mehrerer deutscher Landesbanken durch die Ratingagentur Moody's. Europaweit ging es mit den Bankenwerten meist nach unten: Der Stoxx-Banken-Index rutschte um 1,8 Prozent ins Minus. Im Dax gaben die Aktien der Deutschen Bank und Commerzbank (Kurswerte anzeigen) jeweils deutlich nach.

ThyssenKrupp knickt ein - Voestalpine senkt Prognose

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von ThyssenKrupp (Kurswerte anzeigen) mit einem Abschlag von knapp 6 Prozent. Sie folgten damit den Aktien des österreichischen Konkurrenten Voestalpine, die in Wien nach der Senkung der Prognose 8,3 Prozent einbüßten.

Metro gegen den Trend fester

Dagegen konnten sich Metro (Kurswerte anzeigen) mit einem Plus von 1,3 Prozent als einer der wenigen Dax-Werte in der Pluszone behaupten. Der niederländische Mitbewerber Ahold steigerte im dritten Quartal Umsatz und Gewinn. Auch im vierten Quartal rechnet der Lebensmittelhändler nicht mit einer Verschlechterung der Lage. Die Ahold-Papiere legten in Amsterdam bis zu 3,9 Prozent zu.

Nebenwerte: Q-Cells bleibt Spielball der Investoren

Im Frankfurter TecDax zogen nach Vorlage von Zahlen die Aktien von Wirecard um 1,6 Prozent an. Größter Gewinner war der Pennystock Q-Cells, die Aktie zog zeitweise um 12 Prozent auf 0,97 Euro an. "Da scheint es einen Shortsqueeze zu geben, das heißt, irgendjemand muss kaufen", erklärte ein Händler. Dagegen konnte Air Berlin mit seinen endgültigen Zahlen bei den Anlegern nicht landen: Die im SDax notierten Aktien fielen um 3,4 Prozent.

Euro unter Druck, Ölpreise leichter

Der Euro (Kurswerte anzeigen) blieb unter Druck. Am Mittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,348 Dollar und damit etwas weniger als am Morgen. Seit Wochenbeginn hat der Euro in der Spitze rund vier Cent an Wert verloren. Die Verluste sind Ausdruck des Misstrauens der Anleger in den Währungsraum, was sich zuletzt auch in steigenden Risikoaufschlägen für Staatsanleihen wichtiger Kernländer wie Frankreich niedergeschlagen hat. Die Schuldenkrise droht sich damit zu einem Flächenbrand auszuweiten. Mithin gerät die EZB immer mehr in den Fokus. Sie gilt unter Experten als letzter Schutzwall, sollte die Krise Kerneuropa noch stärker in Mitleidenschaft ziehen.

Die Ölpreise haben am Donnerstag nach starken Vortagsgewinne leicht nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Lieferung im Januar 111,84 Dollar. Das waren vier Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Dezember-Lieferung sank um 19 Cent auf 102,40 Dollar.

Am Mittwoch war der US-Ölpreise nach einem Preissprung von rund zweieinhalb Dollar erstmals seit Ende Juli über die Marke von 100 Dollar gestiegen. Händler begründeten dies zum einen mit einem deutlichen Rückgang der US-Vorräte an Rohöl und Destillaten in der vergangenen Woche. Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank nannte zudem Meldungen über einen besseren Transport von Ölvorräten vom US-Umschlagszentrum Cushing im kommenden Jahr als Grund für den Preissprung.

mg/dpa-afx