Börse Schuldenkrise hält Anleger in Atem

Die Furcht vor einem Übergreifen der Euro-Schuldenkrise auf die starken Länder Europas wird immer größer - entsprechend verunsichert zeigen sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt. Der Dax schließt kaum verändert, Infineon und BMW geraten unter Druck.
Börse in Frankfurt: Schuldenkrise hält viele Investoren vom Markt fern

Börse in Frankfurt: Schuldenkrise hält viele Investoren vom Markt fern

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Der Dax  schloss am Mittwoch nach einem nervösen Handel und mit extrem dünnen Umsätzen 0,3 Prozent niedriger bei 5913 Zählern. Der EuroStoxx50 legte dagegen um 0,8 Prozent auf 2270 Punkte zu.

Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) an der Wall Street notierten zum Handelsschluss in Europa jeweils rund 0,3 Prozent im Minus.

Dass sich der Dax schwächer präsentierte als andere europäische Indizes, erklärten einige Händler mit dem bestehenden Leerverkaufsverbot in einigen Euro-Staaten. Für den deutschen Leitindex gilt dieses Verbot nicht.

Investoren verkaufen Anleihen von Frankreich und Spanien

Für Unruhe sorgte die Meldung, dass sich die italienische UniCredit bankennahen Kreisen zufolge um einen besseren Zugang zur Liquidität der Europäischen Zentralbank bemüht. Auch die Aussage von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, wonach die Euro-Zone mit einer "wahrhaft systemischen Krise konfrontiert" sei, drückte die Stimmung.

Investoren hatten sich zuletzt im großen Stil von Bonds der Länder Frankreich, Niederlande und Österreich getrennt. "Die Spreadausweitungen, die inzwischen auch die solidesten EWU-Mitgliedsstaaten - Niederlande, Finnland, Österreich - gegenüber Bundesanleihen zur Kenntnis nehmen müssen, sind insgesamt als Misstrauensvotum gegenüber der Währungsunion zu werten", schrieb Helaba-Analyst Ralf Umlauf in einem Kommentar.

Für die Experten der RBS gibt es nur noch ein Mittel, um die Lage an den Finanzmärkten zu entschärfen. Sie plädierten für eine Fiskalunion und die Aufgabe des Widerstandes der nordeuropäischen Staaten gegen eine Lockerung der EZB-Geldpolitik. "Bis dahin scheint Europa schutzlos gegen die 'Angriffe' auf die Staatsanleihen, gleichgültig, ob sie spekulativ oder fundamental gerechtfertigt sind."

Monti bildet Notregierung - Italiens Aktienmarkt legt zu

In Rom wurde die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti vereidigt. Er selbst übernimmt das Wirtschaftsressort, den Chef der Bank Intesa Sanpaolo machte Monti zum Infrastruktur- und Industrieminister. Die Renditen für italienische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit waren in der vergangenen Woche auf 7,5 Prozent gestiegen - und damit auf ein Niveau, das als kaum zu stemmen gilt. Am Mittwoch rentierten die Anleihen bei 7,05 Prozent. Der italienische Leitindex schloss 0,8 Prozent fester.

Bayer deutlich fester nach Aussagen zu Wachstumszielen

Die Titel von Bayer (Kurswerte anzeigen) kletterten mit Kursgewinnen von knapp 3 Prozent an die Dax-Spitze. Der Pharma- und Chemiekonzern setzt bei seiner Wachstumsstrategie weiterhin stark auf Asien. "Wir wollen unseren Umsatz in der Region bis zum Jahr 2015 um mehr als 60 Prozent steigern", sagte Konzernchef Marijn Dekkers in Shanghai bei der Eröffnung einer neuen Kunststoff-Produktionsanlage. Analyst Daniel Wendorff von der Commerzbank bezeichnete die Pläne als ermutigend und hielt an seiner Kaufempfehlung für die Papiere fest.

BMW und Infineon unter Druck: Ausblick enttäuscht Investoren

Auf der Verliererseite standen dagegen die Papiere des Halbleiterkonzerns Infineon (Kurswerte anzeigen) . Die Aktien gehörten mit einem Abschlag von 3 Prozent auf 6,25 Euro zu den größten Dax-Verlierern. Dem Unternehmen macht die möglicherweise aufziehende Konjunkturkrise zu schaffen. Für das neue Geschäftsjahr prognostizierte Infineon einen Umsatzschwund und rückläufige Margen. Der vorsichtige Ausblick sei enttäuschend, sagte ein Händler.

Die Aktien von BMW (Kurswerte anzeigen) übernahmen am Nachmittag die rote Laterne im Dax. Die Titel verloren 3,2 Prozent auf 55,71 Euro. Händler verwiesen auf einen kritischen Analystenkommentar über einen Investorentag in Barcelona. Demnach gebe es auf dem südeuropäischen Absatzmarkt Anzeichen der Schwäche. Europaweit ging die Pkw-Nachfrage bereits im Oktober zurück.

Die im MDax (Kurswerte anzeigen) gelisteten Papiere von Tui (Kurswerte anzeigen) verbilligten sich deutlich. Händler begründeten dies mit der anstehenden Streichung der Titel aus dem MSCI Germany Index.

Euro sinkt unter 1,35 Dollar

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,55 (Dienstag: 1,50) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,22 Prozent auf 131,35 Punkte. Der Bund Future verlor 0,33 Prozent auf 138,25 Punkte.

Der Euro (Kurswerte anzeigen) gab nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3484 (1,3532) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7416 (0,7390) Euro.

Ölpreis klettert weiter

Allein seit Wochenbeginn hat der Euro rund dreieinhalb Cent an Wert verloren. "Die Schuldenkrise greift auf Kerneuropa über", fasst die HSH Nordbank die jüngste Entwicklung zusammen. So waren am Dienstag nicht nur Staatsanleihen aus Italien und Spanien erneut unter Druck geraten. Auch Staatstitel aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Österreich mussten deutliche Kursverluste hinnehmen. Nachdenklich stimmt Experten dabei, dass sich die Krise trotz positiver politischer Entwicklungen in Italien und Griechenland ausweitet.

Die Ölpreise haben am Mittwoch ebenfalls etwas nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im Januar 111,53 Dollar. Das waren 65 Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Dezember-Lieferung sank um 87 Cent auf 98,50 Dollar.

mg/reuters/dpa-afx
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