Dax im Minus Börse wettet gegen Schuldenländer

Die Risikoprämien für spanische Staatsanleihen steigen auf Rekordniveau. Auch Frankreich und Belgien geraten unter Druck, Aktien- und Rohstoffkurse geben nach. Der Dax schließt trotz guter Nachrichten aus den USA klar im Minus.
Börse in Frankfurt: Anleger trennen sich von ihren Staatsanleihen und treiben die Renditen in die Höhe

Börse in Frankfurt: Anleger trennen sich von ihren Staatsanleihen und treiben die Renditen in die Höhe

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Dax (Kurswerte anzeigen) erholte sich am Nachmittag ein wenig von seinen Verlusten, die den deutschen Leitindex zeitweise um bis zu 2,8 Prozent auf 5816 Punkte gedrückt hatten. Auf Xetra schloss der deutsche Leitindex dann 0,9 Prozent tiefer bei 5933 Zählern.

Aus den USA kamen gute Konjunkturdaten. Der Frühindikator für die Industrieproduktion im wichtigen Bundesstaat New York zeigte erstmals seit Monaten wieder Wachstum an. Die Einzelhandelsumsätze waren im Oktober landesweit überraschend stark um 0,5 Prozent gestiegen.

Diese Nachrichten milderten die Sorge um die europäische Schuldenkrise, die zuvor für stark fallende Kurse gesorgt hatte. Der US-Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) notierte zum Xetra-Schluss in Deutschland rund 0,5 Prozent im Minus.

Grund für die neue Verkaufswelle in Europa waren steigende Risikoprämien am europäischen Anleihemarkt. Zweifel an der Reformfähigkeit Italiens haben zum Beispiel die Renditen der italienischen Anleihen zeitweise wieder über 7 Prozent getrieben, die spanischer Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit stieg auf 6,3 Prozent.

Der Risikoaufschlag spanischer gegenüber deutschen Anleihen erreichte mit 4,58 Prozentpunkten den höchsten Wert seit Bestehen des Euro.

Auch die Ausfallversicherungen für Staatsanleihen aus Frankreich und Belgien kletterten auf Rekordstände. Ebenso sind die Papiere aus Spanien und Österreich auf die Abschussliste der Investoren geraten. Die Renditen deutscher Bundesanleihen dagegen sanken, für Papiere mit zweijähriger Laufzeit erstmals unter 0,3 Prozent. Die zehnjährige Anleihe näherte sich wieder der Marke von 1,7 Prozent.

Die steigenden Renditen seien Ausdruck von Befürchtungen, dass die Schuldenkrise nicht in den Griff zu bekommen ist, kommentierte Marktstratege Stan Shamu von IG Markets.

Auch von Europas Wirtschaftsdaten kam kaum Unterstützung. Zwar fiel das Wachstum in Deutschland im dritten Quartal robust aus, die Konjunkturzuversicht deutscher Finanzexperten hat sich im November aber stärker als erwartet eingetrübt.

Deutsche Bank zahlt Millionen Dollar für US-Vergleich

Finanztitel reagierten mit weiteren Verlusten auf die anhaltende Unsicherheit. Besonders deutlich fielen diese bei Papieren der Allianz (Kurswerte anzeigen) und der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) aus, die 2 bis 3 Prozent verloren.

Papiere der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) gaben ebenfalls nach. Die Finanzkrise holt den Branchenprimus ein: Das Frankfurter Institut zahlt in einem Vergleich in den USA 145 Millionen Dollar (106 Millionen Euro), um Streitigkeiten wegen der Pleite von fünf großen Genossenschaftsbanken beizulegen. Es geht um den Verkauf von Hypothekenpapieren. Zudem nimmt der Machtpoker um den wichtigen Posten eine neue und unerwartete Wendung: Josef Ackermann wird überraschend doch nicht an die Spitze des Aufsichtsrates von Deutschlands größtem Geldhaus wechseln. Statt Ackermann soll Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner auf der Hauptversammlung der Bank im Mai 2012 in das Gremium gewählt werden.

Größter Verlierer im Dax waren Infineon-Aktien (Kurswerte anzeigen) mit einem Abschlag von mehr als 3 Prozent.

Kabel Deutschland enttäuscht mit Prognose

Im MDax (Kurswerte anzeigen) rutschten Papiere von Kabel Deutschland (Kurswerte anzeigen) nach Zahlen um 2 Prozent ab. Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber hat im zweiten Quartal dank gestiegener Abonnentenzahlen und einer geringeren Zinslast mehr umgesetzt und verdient. Für das Gesamtjahr konkretisierte das Unternehmen das Umsatzziel am Dienstag aber nach unten.

Auch für die Aktien von Bilfinger Berger (Kurswerte anzeigen)ging es nach einer Bilanz ohne größere Überraschungen um 2,2 Prozent nach unten. Noch deutlicher verloren die Aktien von Sky Deutschland (Kurswerte anzeigen) mit minus 7 Prozent und Tui (Kurswerte anzeigen) mit minus 5 Prozent. Der Touristikkonzern kauft Wandelanleihen zurück, um seine Schuldenlast zu verringern.

Xing -Anteile  zogen im TecDax (Kurswerte anzeigen) um 1,5 Prozent an. Das Karrierenetzwerk hat im dritten Quartal bei Umsatz und Ergebnis weiter zugelegt. Ein Börsianer bezeichnete die Zahlen insgesamt als gemischt, lobte aber den operativen Gewinn.

Euro-Kurs sinkt, Rohstoffe werden billiger

Am Vortag nach Zahlen bereits deutlich eingebrochene Q-Cells-Aktien weiteten ihren Rutsch am anderen Indexende um 14 Prozent aus. Solarworld (Kurswerte anzeigen) folgten mit minus 9 Prozent. Händler verwiesen auf die gesenkte Umsatzprognose des Solarkonzerns LDK als Belastung.

Der Euro (Kurswerte anzeigen) fiel erneut. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,3532 Dollar nach 1,3659 Dollar am Montag fest. In Dollar notierte Rohstoffpreise wie die von Gold (Kurswerte anzeigen) und Kupfer (Kurswerte anzeigen) gaben nach. Ein Fass Öl der Nordseesorte Brent  kostete am Mittag 111,83 Dollar, leicht weniger am Montag. Die US-Sorte WTI verbilligte sich um 51 Cent auf 97,71 Dollar.

mg/ak/rtr/dpa-afx
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