Trotz Regierungswechsel Anleger fordern Rekordzinsen von Italien

Kein Vertrauensvorschuss: Trotz des Regierungswechsels in Rom muss das klamme Italien Investoren für fünfjährige Staatsanleihen Rekordzinsen zahlen. Mehr als 6 Prozent verlangten Anleger für ihr Geld - für zehnjährige Anleihen musste das Land vor Kurzem sogar mehr als 7 Prozent zahlen.
Börse in Mailand: Italien muss für fünfjährige Anleihen 6,29 Prozent Zinsen zahlen

Börse in Mailand: Italien muss für fünfjährige Anleihen 6,29 Prozent Zinsen zahlen

Foto: Getty Images

Rom -Italien platzierte am Montag Staatsanleihen im Volumen von drei Milliarden Euro und lag damit am oberen Ende der angestrebten Zielspanne. Für die Papiere mit einer Laufzeit bis Mitte September 2016 wurde jedoch eine Rekordrendite von 6,29 Prozent fällig.

Derart hohe Zinsen für diese Papiere musste das Land den Anlegern seit Einführung des Euro noch nicht zahlen. Zum Vergleich: Mitte Oktober wurden bei einer vergleichbaren Auktion lediglich 5,3 Prozent fällig.

Analysten bewerteten die Emission dennoch positiv. "Es war eine ordentliche Anleiheemission", sagte Zinsstratege Peter Chatwell von der Credit Agricole CIB. Italien habe schließlich sämtliche Papiere platziert. "Kurzfristig ist das positiv", fügte er hinzu. "Langfristig ändert dies jedoch nichts an der Tatsache, dass die Renditen zuletzt deutlich gestiegen sind." Der Euro  verteuerte sich nach der Emission auf 1,3713 Dollar.

Wegen wachsender Zweifel an der Reformpolitik war Italien zuletzt verstärkt ins Visier der Finanzmärkte geraten. Am sogenannten Sekundärmarkt, wo Anleger die Anleihen untereinander handeln, stieg die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen vergangene Woche erstmals seit der Einführung des Euro über die kritische Marke von 7 Prozent. In der Spitze schoss die Rendite für die Papiere bis auf 7,45 Prozent.

Das Land will nun unter dem neuen Ministerpräsidenten und früheren EU-Kommissar Mario Monti einen politischen Neuanfang nach der Ära des langjährigen Regierungschefs Silvio Berlusconi wagen. Die hoch verschuldete, drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone muss rasch das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen und Reformen auf den Weg bringen.

mg/rtr
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