Börse Sorge um Italien zwingt Dax in die Knie

Der Abschied von Italiens Regierungschef Berlusconi hat den Markt nur kurz beruhigt. Die Risikoprämien italienischer Staatsanleihen schnellen am Mittwoch auf Rekordhoch. Der Dax beendet den Handel tief im Minus. Finanzwerte zählen zu den größten Verlierern.
Börse in Frankfurt: Der Dax beschloss den Handel mit großen Verlusten

Börse in Frankfurt: Der Dax beschloss den Handel mit großen Verlusten

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Zweifel an einem raschen Schuldenabbau in Italien sowie Sorgen wegen neuer Hinweise auf ein iranisches Atomwaffen-Programm haben den Dax  am Mittwoch deutlich ins Minus gedrückt. Zum Auftakt hatte noch die Rücktrittsankündigung von Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi für kräftige Gewinne gesorgt. Allerdings sei kein Termin für den Rücktritt genannt worden, hieß es nun von Marktteilnehmern.

Der Dax fiel um 2,21 Prozent auf 5829 Punkte. Für den MDax  ging es um 2,13 Prozent auf 8.871,38 Punkte abwärts und auch der TecDax  gab 1,54 Prozent auf 691 Zähler ab. Ein Händler verwies vor allem auf die steigenden Renditen auf italienische Staatsanleihen als Begründung für die Verluste am Markt. Diese "rennen plötzlich wieder nach oben und das löst große Sorgen am Aktienmarkt aus", sagte er.

Rendite für Italien-Bonds auf Rekordhoch

Die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen stieg erstmals seit der Einführung des Euro über die kritische Marke von sieben Prozent gestiegen. Damit wird frisches Geld vom Kapitalmarkt für Rom immer teurer. In der Spitze schoss die sogenannte Rendite für die Papiere bis auf 7,45 Prozent. An diesem Punkt hatten Griechenland, Irland und Portugal das Handtuch werfen müssen: EU und IWF mussten mit Milliarden-Hilfen einspringen, weil sich die Länder nicht mehr zu erträglichen Konditionen Geld beschaffen konnten.

"Die große Hoffnung ist, dass Berlusconi abtritt und danach glaubwürdig Reformen angegangen werden", sagte ein Händler. "Aber das Gerangel geht nun schon seit Tagen und immer noch ist nichts gelöst. Man muss auch die Frage stellen: Was kommt nach Berlusconi? Schafft es irgendjemand, die ganzen Parteien an einen Tisch zu bekommen", sagte ein Händler.

Berichtsaison: Eon, Post und Henkel mit Zahlen

Aus dem Dax legten Eon (Kurswerte anzeigen), die Deutsche Post (Kurswerte anzeigen) und Henkel (Kurswerte anzeigen) Zahlen vor. Die Deutsche Post konnte mit "fantastischen" Zahlen punkten, wie ein Börsianer sagte. Das hievte die Aktien mit einem Plus von 3,79 Prozent auf 11,10 Euro an die Dax-Spitze. Die Papiere von Eon hielten sich mit minus 1,72 Prozent etwas besser als der Gesamtmarkt.

Henkel-Titel allerdings büßten überdurchschnittliche 4,50 Prozent auf 41,61 Euro ein. Die Zahlen waren laut Händlern schwächer als erwartet ausgefallen.

Die Papiere der Allianz (Kurswerte anzeigen) verbilligten sich um 4,96 Prozent. Finanzwerte wie die Munich Re (Kurswerte anzeigen), Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) und Commerzbank (Kurswerte anzeigen) sanken ebenfalls deutlich. Europaweit gerieten Versicherer wegen der wieder stark aufflammenden Sorgen um Italien kräftig unter Druck.

Der EuroStoxx 50  sank um 2,34 Prozent auf 2249,39 Punkte, auch die Leitindizes in London und Paris gaben nach. Der Dow Jones  in New York lag zum europäischen Handelsschluss ebenfalls im Minus.

Am deutschen Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,51 (Vortag: 1,59) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,37 Prozent auf 131,66 Punkte. Der Bund Future legte um 0,59 Prozent auf 138,84 Punkte zu. Der Euro fiel nach der Eskalation am italienischen Staatsanleihemarkt und notierte zuletzt bei 1,3608 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,3633 (Dienstag: 1,3788) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7335 (0,7253) Euro.

la/dpa-afx
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