Börsenausblick Dax bleibt im Bann der Schuldenkrise

In der kommenden Woche ergießt sich erneut eine Flut von Quartalsberichten über die Börsianer. Beobachter glauben aber nicht, dass diese großen Einfluss auf die Kurse haben werden - die Schuldenkrise ist nach wie vor das bestimmende Thema auf dem Parkett.
Warten auf Nachrichten: Die Börse wird zurzeit vor allem von der griechischen Schuldenkrise beeinflusst

Warten auf Nachrichten: Die Börse wird zurzeit vor allem von der griechischen Schuldenkrise beeinflusst

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Frankfurt am Main - "Das griechische Drama wird dem Markt wohl auch in der kommenden Woche einen hohen Unterhaltungswert bieten." Aktienstratege Carsten Klude von M. M. Warburg bringt mit dieser Einschätzung die Erwartungen des Aktienmarkts auf den Punkt. Prognosen zum Kursverlauf wagt kein Experte mehr. Lediglich ein heftiges Auf und Ab scheint sicher. "Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass politische Entwicklungen nicht vorhersehbar sind und sich teilweise halbstündlich ändern", so Klude. "Es ist inzwischen einfach abstrus, auf dieses ganze Hin und Her zu handeln, von daher haben viele einen Galgenhumor entwickelt."

Die Einigung auf das neue Rettungspaket für Athen hatte nur für einen kurzen Hoffnungsschimmer an den Märkten gereicht. Zweifel an der Umsetzbarkeit der Pläne und die überraschende Ankündigung einer griechischen Volksabstimmung hatten den Dax  dann auf Wochensicht um 6 Prozent absacken lassen.

Inzwischen ist das Referendum vom Tisch, die griechische Regierung könnte zu Beginn der neuen Woche schon eine andere sein, und wie es mit der Eurozone weitergeht, weiß niemand zu sagen. Politiker arbeiten zunächst mit Hochdruck daran, zu verhindern, dass Italien und Spanien in den Abwärtsstrudel gerissen werden. "Während die chaotischen Zustände in Athen derzeit die Schlagzeilen bestimmen, könnte sich der Schwerpunkt der Berichterstattung schon bald nach Rom verlagern", warnt Stratege Ulf Krauss von der Helaba. Immerhin hat Italien inzwischen der Überwachung seiner Reformschritte durch den Internationalen Währungsfonds zugestimmt.

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Hinweise darauf, wie sich die europäische Schuldenkrise auf die Geschäftsaussichten der deutschen Konzerne auswirkt, erhoffen sich Investoren von den anstehenden Geschäftszahlen. In der neuen Woche wollen unter anderem die beiden Versicherer Munich Re  (Dienstag) und Allianz  (Freitag) ihre Quartalsbilanzen vorlegen. Am Mittwoch und Donnerstag sind Eon  und RWE  an der Reihe. Hier interessieren sich Anleger unter anderem dafür, wie die Versorger mit den Folgen des deutschen Atomausstiegs umgehen. Aus dem Dax haben außerdem noch Siemens , K+S (jeweils Donnerstag), Henkel  und Deutsche Post  (jeweils Mittwoch) die Veröffentlichung ihrer Quartalsbilanzen angekündigt.

Den bisherigen Verlauf der Berichtssaison werten Analysten positiv. "Dabei haben Unternehmen nicht nur erneut vergleichsweise erfreuliche Gewinne berichtet und Erwartungen nicht selten übertroffen, sondern auch noch mehrheitlich positive Ausblicke geliefert", kommentiert M. M. Warburg die US-Saison. "Zwar ist bei den Unternehmen inzwischen auch angekommen, dass die Bäume im nächsten Jahr nicht in den Himmel wachsen werden, doch kann aus den Äu8erungen geschlossen werden, dass die Unternehmen im kommenden Jahr einen Gewinnrückgang gegenüber 2011 eher für unwahrscheinlich halten."

Der Datenkalender ist übersichtlich, von daher sind von Konjunkturseite eher wenig Impulse zu erwarten. Am Montag stehen die Daten zur deutschen Industrieproduktion im September auf dem Terminplan. Experten rechnen im Schnitt mit einem Plus von 0,3 Prozent zum Vormonat. Zum Wochenschluss gibt der von Reuters und der Uni Michigan ermittelte Index Aufschluss über die Stimmung der US-Verbraucher. "Zwar sprechen die etwas niedrigeren Benzinpreise sowie der moderate Beschäftigungsaufbau für eine Aufhellung der Stimmung", schreibt die WestLB. "Die kräftigen Kursverluste an den Aktienmärkten stehen einer deutlichen Stimmungsverbesserung aber entgegen."

cr/rtr
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