Börse Enttäuschender G20-Gipfel drückt Dax ins Minus

Neue Zweifel am Erfolg der Pläne zur Bewältigung der Schuldenkrise haben den Dax tief ins Minus gedrückt. Neben dem politischen Chaos in Griechenland sorgte die Aussage von Kanzlerin Merkel für Verunsicherung, das Interesse der G20-Staaten an einer Beteiligung am Rettungsfonds EFSF sei gering. Der Dax verliert auf Wochensicht 6 Prozent.
Börse in Frankfurt: Der Dax hat auf Wochensicht 6 Prozent verloren

Börse in Frankfurt: Der Dax hat auf Wochensicht 6 Prozent verloren

Foto: DPA

New York / Frankfurt am Main - Der Dax  beendete den Xetra-Handel 2,7 Prozent tiefer bei 5966 Punkten und verlor damit auf Wochensicht 6 Prozent. Der EuroStoxx50 gab am Freitag 2,3 Prozent auf 2295,19 Zähler nach.

"Fünf Gipfel in den vergangenen zwei Wochen haben die europäische Krise nicht eingedämmt", sagte Stefan Angele, der bei Swiss & Global Asset Management die Investment-Entscheidungen verantwortet. "Die wiederholte Unfähigkeit, sich auf einen konkreten Plan zur Eindämmung der finanziellen Folgen des europäischen Dramas zu einigen, nährt die Besorgnis, dass Europas Politiker die Krise nicht in den Griff bekommen können."

Der Euro (Kurswerte anzeigen) ging ebenfalls auf Talfahrt und verbilligte sich auf 1,3750 Dollar. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) bei Börsenschluss in Deutschland 1,3 Prozent im Minus.

Griechische Tragödie geht weiter

"Selbst wenn das Referendum nicht kommt, sind mehrere Wochen der politischen Instabilität zu erwarten", sagte Felicity Smith, Fondsmanagerin bei Bedlam Asset Management. Sollte Ministerpräsident Giorgos Papandreou stürzen, werde die Bildung einer neuen Regierung die Verabschiedung der geplanten Sparmaßnahmen voraussichtlich verzögern.

Commerzbank: Schuldenkrise hinterlässt Spuren in der Bilanz

Bei den Unternehmen stand die Commerzbank (Kurswerte anzeigen) im Rampenlicht, die im vergangenen Quartal knapp 800 Millionen Euro auf ihre griechischen Anleihen abschreiben musste. Unter dem Strich machte Deutschlands zweitgrößte Bank einen Verlust von fast 700 Millionen Euro - mehr als von Analysten erwartet. Damit ist auch das Gewinnziel von vier Milliarden Euro im kommenden Jahr auf unbestimmte Zeit verschoben.

"Das Quartalsergebnis, der Ausblick und die Notprogramme zur Risikoreduzierung haben gezeigt, wie anfällig die Commerzbank derzeit für Gefahren von außen ist", schrieb Michael Rohr, Analyst bei Silvia Quandt Research, in einem Kommentar. Anleger reagierten mit Verkäufen auf die Zahlen. Die Aktien der Commerzbank bildeten mit einem Minus von 6,3 Prozent auf 1,64 Euro das Schlusslicht im Dax. 'Aktien der Deutschen Bank  schlossen notierten 3,1 Prozent tiefer bei 28,37 Euro.

Hoffnung auf Dämpfer für China-Importe treibt Solarfirmen an

Hoch im Kurs standen dagegen die Solarwerte. US-Präsident Barack Obama hatte sich kritisch über die Wettbewerbspraktiken chinesischer Solarfirmen geäußert und gesagt, er wolle die Petition von Solarworld und US-Solarfirmen genau prüfen und handeln, sollte gegen Regeln verstoßen worden sein.

Die Unternehmen fordern Strafzölle von über 100 Prozent auf die Billig-Importe aus der Volksrepublik. Die Papiere von Q-Cells , die am Vortag schon kräftig zugelegt hatten, verteuerten sich in der Spitze um 41 Prozent. Sie verabschiedeten sich mit einem Plus von gut 27 und mit einem Kurs von 1,17 Euro ins Wochenende. Solarworld (Kurswerte anzeigen) notierten 6,5 Prozent höher bei 3,71 Euro.

rei/reuters/dpa-afx