Donnerstag, 19. September 2019

Größtes Internet-IPO seit Google Groupon-Aktien legen 50 Prozent zu

Groupon-Logo: Fulminanter Börsenstart an der Nasdaq

Das Rabattportal Groupon hat den größten Internet-Börsengang seit Google hingelegt. Mit dem Verkauf von 35 Millionen Aktien nahm Groupon 700 Millionen Dollar ein. Zum Börsenstart an der Nasdaq schoss die Aktie zeitweise um 50 Prozent über den Ausgabepreis - doch trotz des Geldregens bleiben Zweifel.

New York - Weil Groupon lediglich gut 5 Prozent des Unternehmens veräußerte, taxiert der Ausgabepreis den gesamten Firmenwert auf rund 13 Milliarden Dollar - doppelt so viel wie das von Google Börsen-Chart zeigen vor einem Jahr vorgelegte Übernahmeangebot. "Groupon ist teuer", kommentierte Rob Romero, Chef des auf Technologie spezialisierten Hedge-Fonds Connective Capital Management.

2004 erlöste Google insgesamt 1,7 Milliarden Dollar. Groupon vermittelt Restaurant-Rabatte und andere Gutscheine für Waren und Dienstleistungen. Bislang hat das Schnäppchenportal in seiner kurzen Firmengeschichte allerdings noch nie Gewinn gemacht.

Unter potenziellen Käufern wurde seit längerem gerätselt, wie gut sich Groupon auf Dauer behaupten kann, da Konkurrenten wie Google und Amazon Börsen-Chart zeigen im Kampf um Marktanteile finanziell deutlich besser ausgestattet sind. Groupon senkte daher zunächst das angestrebte Emissionsvolumen, um es dann wieder zu heben.

Die erfolgreiche Werbetour und auch der Mangel an Alternativen - wegen des schwierigen Marktumfelds in den vergangenen Monaten stehen die Börsenaspiranten nicht gerade Schlange - ermöglichten es Groupon am Ende 35 Millionen Aktien zu 20 Dollar an den Mann zu bringen. Zunächst sollten lediglich 30 Millionen Aktien zu 16 bis 18 Dollar ausgegeben werden.

Aktie steigt zeitweise um 50 Prozent über Ausgabepreis

Erstmals gehandelt wurden die Papiere am Freitag an der Nasdaq. Dem Unternehmen gelang ein eindrucksvolles Börsendebüt: In den ersten Minuten wurde die Aktie zeitweise bei 30 US-Dollar und damit 50 Prozent über Ausgabepreis gehandelt. Analysten rechnen jedoch wegen der Zweifel, ob Groupon langfristig profitabel sein kann, mit volatilen Kursen nach dem ersten Handelstag.

Frühere Börsengänge von anderen Internetunternehmen lassen da keine Tendenz erkennen. Die Aktien des Karrierenetzwerks LinkedIn halten sich seit dem IPO im Mai über ihrem Ausgabekurs. Bei dem Online-Radiosender Pandora sieht das anders aus.

Verluste reduziert

Aktuelle Zahlen zeigten, dass Groupon die Verluste massiv eingedampft hat - aber das Geschäft auch deutlich langsamer wächst als zuvor. So rückte der Umsatz im dritten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal nur noch um knapp 10 Prozent auf 430 Millionen Dollar vor. Früher hatten sich die Erlöse oft von Quartal zu Quartal verdoppelt. Nachdem Groupon bei den oft kritisierten hohen Ausgaben für die Kundengewinnung die Bremse anzogen hatte, fielen im abgelaufenen Quartal noch rote Zahlen von 10,6 Millionen Dollar an - nach einem Minus von 101,2 Millionen Dollar in den drei Monaten zuvor.

Einem Bericht des US-Blogs "Business Insider" zufolge haben deutsche Investoren dem zuvor chaotischen Groupon-Vertrieb Zügel angelegt. Die Internetunternehmer Marc, Oliver und Alexander Samwer leiteten faktisch den Vertrieb über den britischen Manager Chris Muhr "mit eiserner Faust", hieß es dort unter Berufung auf Insider.

Die Vorbereitung des Börsengangs wurde von vielen Pannen begleitet. Zuletzt musste Groupon wegen Bedenken der Börsenkontrolleure Umsatzangaben praktisch halbieren - jetzt kommt nur noch die Kommission in die Bücher, und nicht der gesamte Couponwert.

Schon zuvor tilgte Groupon auf Druck der Börsenaufsicht SEC eine Kennziffer, bei der das Ergebnis ohne die hohen Marketingkosten berechnet wurde und dadurch deutlich freundlicher aussah. Hinzu kam weiterer Ärger mit der SEC, weil unter anderem Gründer Andrew Mason das Groupon-Geschäftsmodell in der sogenannten "stillen Periode" vor dem Börsengang verteidigte.

Marketing: Das Groupon-Modell

la/mg/dpa

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