Börse Griechen-Drama beflügelt den Dax

Die Volksabstimmung in Griechenland über das Euro-Rettungspaket dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit ausfallen. Dies erfreut Börsianer ebenso wie die  überraschende Zinssenkung der EZB: Der Dax startet eine Aufholjagd.
Kursrally in Frankfurt: Der Dax hat nach seinem Kurseinbruch eine Aufholjagd gestartet

Kursrally in Frankfurt: Der Dax hat nach seinem Kurseinbruch eine Aufholjagd gestartet

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Durchatmen an der Börse: Der Dax (Kurswerte anzeigen) hat nach schwachem Start am Donnerstag zu einer Aufholjagd angesetzt und zuletzt 2,8 Prozent fester bei 6133 Punkten geschlossen. Der Handelstag war nichts für schwache Nerven: Insgesamt schwankte der deutsche Leitindex um mehr als 5 Prozent.

Die Nachricht, dass der griechische Premier Giorgos Papandreou die griechische Volksabstimmung über die internationalen Hilfen abgesagt hat, beflügelte die Kurse. Am Nachmittag gab außerdem eine überraschende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) dem deutschen Leitindex einen zusätzlichen Schub.

Auch an der Wall Street starteten die Indizes mit Gewinnen. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) legte bis 17.45 Uhr MEZ um 1,1 Prozent zu. Der EuroStoxx50 gewannn unterdessen 2,8 Prozent auf 2354 Zähler.

Griechenland plant neue "Regierung der Nationalen Rettung"

Auslöser für den neuerlichen Anstieg war, dass Ministerpräsident Giorgos Papandreou angesichts des massiven Drucks der internationalen Geldgeber seinen umstrittenen Plan für eine Volksabstimmung über Milliardenhilfen und den dafür nötigen Sparkurs zurückgezogen hat.

Außerdem gehen der angeschlagene Sozialist und die verfeindete konservative Opposition nach monatelangem Streit aufeinander zu. Sie wollen nun eine "Regierung der Nationalen Rettung" bilden.

EZB senkt Zinsen überraschend auf 1,25 Prozent

Für zusätzlichen Schub sorgte eine überraschende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). In der ersten Sitzung unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi haben die Währungshüter den Leitzins überraschend um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent gesenkt.

"Der Schritt zeigt, wie beunruhigt die Währungshüter sind", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Sie nehmen die Konjunkturrisiken, die von Staatsschuldenkrise ausgehen, sehr ernst."

Notenbank-Chef Mario Draghi setzte bei seinem Debüt als Vorsitzender des EZB-Rats ein Zeichen. Draghi begründete den Schritt mit den trüberen Konjunkturaussichten.

Finanzwerte weltweit auf dem Vormarsch - Commerzbank sehr fest

Besonders gefragt waren Finanzwerte, allen voran die griechischen Banken. Der lokale Branchenindex zog um 8,7 Prozent an. Zu den Favoriten zählten dabei die stark in Griechenland engagierten französischen Banken wie BNP Paribas oder Credit Agricole .

Aktien von Deutsche Bank  zogen um 2,2 und Commerzbank  um 5,5 Prozent an. In den USA hielten sich Großbanken wie Citigroup oder JPMorgan unterdessen nur knapp im Plus.

Flucht aus Bonds: Risikoaufschläge ziehen wieder an

Die Furcht vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise blieb aber auch nach der Zinssenkung hoch: Investoren warfen Anleihen zahlreicher Euro-Staaten auf den Markt und trieben damit die Risikoaufschläge (Spreads) im Vergleich zu den als vergleichsweise sicher geltenden Bundesanleihen in die Höhe.

Die Spreads der zehnjährigen französischen Papiere stiegen auf den höchsten Stand seit Euro-Einführung. Die Risiko-Aufschläge der italienischen Titel markierten ein 16-Jahres-Hoch. Italienische und spanische CDS zogen ebenfalls an.

MAN und Metro an der Dax-Spitze

Die Aktien von MAN  gehörten mit plus 7 Prozent zu den stärksten Werten im Dax. Händler verwiesen auf eine Genehmigung der chinesischen Wettbewerbsbehörden - Volkswagen  kann nun die Mehrheit an dem Lkw-Hersteller übernehmen, nachdem nun alle Freigaben vorliegen.

Aktien des Handelskonzerns Metro (Kurswerte anzeigen) legten zeitweise mehr als 9 Prozent zu - obwohl der Konzern beim Gewinn und beim Umsatz im dritten Quartal unter den Erwartungen abgeschnitten hat. Der Ausblick für den Umsatz wurde aber bestätigt. Vor allem die Aussicht, dass Metro in Kürze seine Tochter Kaufhof verkaufen könnte, sorge für Phantasie, sagte ein Börsianer.

BMW mit Rekordquartal

Der Autobauer BMW (Kurswerte anzeigen) hat auch im dritten Quartal dank der weiterhin hohen Autonachfrage den Gewinn gesteigert. Der Überschuss legte im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro zu. Einem Börsianer zufolge hat der bayerische Autobauer damit die Erwartungen übertroffen. Der Ausblick sei bestätigt worden.

Adidas hebt Ausblick - Erwartungen übertroffen

Der Sportartikelhersteller Adidas (Kurswerte anzeigen) hat nach einem Rekordquartal seine Prognose für das laufende Jahr erneut angehoben. Der Umsatz soll nun um rund 12 Prozent zulegen und das Nettoergebnis auf 660 Millionen Euro steigen. Bislang war der Konzern von einem Plus von 10 Prozent beim Umsatz und einem Überschuss von 648 bis 652 Millionen Euro ausgegangen. Ein Händler hob den erhöhten Ausblick positiv hervor, aber auch die Gewinnerwartungen im dritten Quartal seien übertroffen worden.

HeidelbergCement übertrifft Erwartungen

Das dritte Quartal von HeidelbergCement  ist Händlern zufolge sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz deutlich über den Markterwartungen ausgefallen. Zudem habe der Zementhersteller seinen Ausblick für das Gesamtjahr 2011 bestätigt, fügte ein Börsianer hinzu, der nach den Zahlen mit steigenden Kursen bei den Papieren rechnet.

Euro gibt nach EZB-Entscheidung nach

Am deutschen Rentenmarkt kletterte die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,66 (Vortag: 1,63) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,23 Prozent auf 130,60 Punkte. Der Bund Future verlor 0,60 Prozent auf 136,74 Punkte.

Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3773 (Mittwoch: 1,3809) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7261 (0,7242) Euro.

la/dpa-afx
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