Börse Dax stürzt ab - neues Krisentreffen in Cannes

Die neu aufgeflammte Griechenland-Krise soll auf einem Sonder-Spitzentreffen am Mittwoch in Cannes vor dem G20-Gipfel besprochen werden. Dow und Dax bleiben jedoch stark unter Druck. Finanztitel brechen ein.
Der griechische Bär ist zurück: Der Dax brach am Dienstag um 5 Prozent ein

Der griechische Bär ist zurück: Der Dax brach am Dienstag um 5 Prozent ein

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Neue Sorgen um Griechenland haben den Dax am Dienstag erneut auf Talfahrt geschickt. Der Dax (Kurswerte anzeigen) notierte zum Handelsschluss 5 Prozent schwächer bei 5834 Zählern. Damit sind sämtliche Gewinne der Vorwoche wieder aufgezehrt.

Auch an der Wall Street tauchten die wichtigsten Indizes ab. Der Dow Jones  gab bis 17.45 Uhr rund 2,2 Prozent ab, der Technologieindex Nasdaq Composite  verlor sogar 2,8 Prozent an Wert.

Der Grund für die Verkaufswelle: Griechenlands Premierminister George Papandreou hatte am Montag Abend ohne vorherige Absprache mit den EU-Partnern verkündet, ein Referendum zu den neuerlichen Sparmaßnahmen abhalten zu wollen. Da es keinesfalls sicher ist, dass Papandreou die Zustimmung des Volkes erhält, droht dem Land ein Staatsbankrott, da die Finanzhilfen im Falle einer Ablehnung gestoppt würden.

Aus Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone flüchteten viele Anleger aus Aktien und aus dem Euro . Die Gemeinschaftswährung beschleunigte ebenfalls ihre Talfahrt.

"Das gesamte Rettungspaket steht wieder infrage"

"Das gesamte Rettungspaket steht nun wieder infrage und eine harte Umschuldung scheint nicht mehr abwegig", schrieb Commerzbank-Zinsstratege Benjamin Schroeder in einem Kommentar. Auch Ökonom und Nobelpreisträger Christopher Pissarides warnte vor den Folgen: " Bei einem 'Nein' müsste Griechenland sofort Bankrott erklären. Ich sehe nicht, dass Griechenland im Euro bleiben könnte."

Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx , die die Nervosität der Anleger messen, schossen um jeweils 14 Prozent in die Höhe. Damit lagen sie wieder auf dem Niveau von unmittelbar vor dem Euro-Schuldengipfel vergangene Woche.

Euro schwach - Risiko-Aufschläge für Anleihen der Schulden-Staaten steigen

Die Spekulationen um seine Zukunft drückten den Euro  auf bis zu 1,3675 Dollar. Damit lag die Gemeinschaftswährung knapp zwei US-Cent unter dem New Yorker Vortagesschluss. Der Bund-Future stieg dagegen um bis zu 214 Ticks auf 137,61 Punkte.

Gleichzeitig stiegen die Risiko-Aufschläge für Anleihen einiger europäischer Schulden-Staaten. So markierten die Spreads zwei- und zehnjähriger italienischer Bonds im Vergleich zu den entsprechenden Bundestiteln neue Rekordhochs.

Finanztitel stark unter Druck

Finanzwerte rutschten europaweit in den Keller. Sie belegten die ersten acht Plätze der EuroStoxx50-Verliererliste. Der europäische Bankenindex fiel um 4,7 Prozent. Am härtesten traf es die dort gelisteten griechischen Banken NBC, Alpha Bank und Bank of Piraeus mit Kursverlusten zwischen 13 und 20 Prozent. Aber auch die stark in Griechenland engagierten französischen Institute Société Générale  Credit Agricole standen mit einem Minus von jeweils 10 Prozent unter enormem Verkaufsdruck.

Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) und Commerzbank (Kurswerte anzeigen) gaben in der Spitze jeweils mehr als 9 Prozent nach konnten ihre Verluste zuletzt aber reduzieren. Allianz (Kurswerte anzeigen) notierte noch mit mehr als 7 Prozent im Minus.

"Eine der Risikoquellen wurde gestern wieder virulent: die Gefahr, dass Griechenland die geforderten Sparanstrengungen nicht umsetzt ", kommentierte ein Analyst der Commerzbank. "Wie schon nach den EU-Gipfeln vom 8. Mai 2010 und vom 21. Juli dieses Jahres hält auch dieses Mal die Euphorie des Marktes nur kurz an."

Auch Autotitel geben wieder nach

Abwärts ging es auch für die Aktien von Autobauern. Daimler (Kurswerte anzeigen) verloren zeitweilig mehr als 6 Prozent, verminderten ihren Verlust aber zuletzt auf 4,61 Prozent. Barclays hatte zuvor das Votum von "Equal Weight" auf "Underweight" gesenkt und das Kursziel von 45,00 auf 43,00 Euro reduziert hatte. Die Aktie habe sich zwar bereits seit Jahresbeginn schwächer entwickelt als der Autosektor, schrieb Analystin Kristina Church in einer Studie vom Dienstag.

Aktien von BMW (Kurswerte anzeigen) verbilligten sich zuletzt noch um 3,1 Prozent und Vorzugsaktien von Volkswagen (Kurswerte anzeigen) um rund 4 Prozent. Beide Titel hatten im Handelsverlauf bereits mit mehr als 5 Prozent in der Verlustzone gestanden.

Der Kurs des Euro (Kurswerte anzeigen) ist am Dienstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3627 (Montag: 1,4001) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7338 (0,7142) Euro.

rei/dpa-afx
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