Börse Dax knickt erneut ein, Deutsche Bank stürzt ab

Die Erleichterung über die Euro-Gipfelbeschlüsse ist verflogen, der Dax knickt erneut ein. Vor allem Bankenwerte geben einen Teil ihrer Gewinne der Vorwoche ab. Auch an der Wall Street geht es abwärts - die Pleite eines Börsenbrokers hebt nicht gerade die Stimmung.
Die Bären sind zurück: Nach der Rally der Vorwoche gibt der Dax zu Wochenbeginn nach

Die Bären sind zurück: Nach der Rally der Vorwoche gibt der Dax zu Wochenbeginn nach

Foto: DPA

New York / Frankfurt am Main - Nach der jüngsten Kursrally hat der deutsche Aktienmarkt am Montag stark unter Gewinnmitnahmen gelitten. Der Dax (Kurswerte anzeigen) verlor bis zum Handelsschluss auf Xetra 3,2 Prozent auf 6141 Zähler, nachdem er in der Vorwoche rund 6 Prozent zugelegt hatte.

Vor allem Commerzbank (Kurswerte anzeigen) und Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen), die zu den größten Gewinnern der Vorwoche gezählt hatten, gerieten stark unter Druck und verloren jeweils mehr als 8 Prozent an Wert.

Auch an der Wall Street nahmen Investoren Geld vom Tisch. Vor dem G20-Gipfel an diesem Wochenende in Cannes rücken vor allem wieder Sorgen über die Staatsschuldenkrise in Europa in den Vordergrund. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) Jones baute seine Verluste im Vormittagshandel auf 1,6 Prozent aus.

Zudem wurde darauf verwiesen, dass der Broker MF Global sich am Euro-Markt verzockt haben soll und nun Pleite ist. "Das ist nicht gerade positiv für die Stimmung am Markt", sagte ein Händler. Außerdem hat sich die Stimmung der US-Einkaufsmanager in der Region Chicago im Oktober etwas stärker als vermutet eingetrübt.

Die Euphorie nach dem Euro-Gipfel ist verflogen

Marktexperten verwiesen übereinstimmend auf die abnehmende Euphorie nach dem Euro-Krisengipfel am vergangenen Donnerstag und die abwartende Haltung der Anleger mit Blick auf den Gipfel der G20-Staaten in Cannes vor dem Wochenende. Die Grundproblematik in der Eurozone sei mit den in der vergangenen Woche beschlossenen Maßnahmen nicht gelöst, sagte etwa Analyst Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel.

"Die Anleger warten nun ab, wie diese umgesetzt werden." Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank hieb in die gleiche Kerbe: "Die Happy Hour an den Börsen ist vorbei. Die Gipfelbeschlüsse müssen jetzt konkretisiert werden."

Bankentitel größte Verlierer - auch Autotitel unter Druck

Größte Verlierer waren die Bankentitel. Die Aktien der Deutschen Bank  und der Commerzbank  sackten um 8,60 beziehungsweise 8,47 Prozent ab, und im MDax verloren Aareal Bank  6,70 Prozent. Börsianer sahen Gewinnmitnahmen nach der jüngst kräftigen Erholung und die derzeit schwierigen Rahmenbedingungen für die Branche als Belastungsfaktoren. Dazu kamen mehrere skeptische Analystenkommentare insbesondere zu den anstehenden Commerzbank-Zahlen.

Auch bei Aktien aus dem zuletzt überdurchschnittlich starken Automobilsektor machten die Anleger Kasse, was Händler zusätzlich mit Nachrichten aus dem wichtigen Absatzmarkt China begründeten. Hier spreche die Inflation gegen eine künftige Lockerung der dortigen Geldpolitik, auf die einige Investoren aber in den vergangenen Tagen gesetzt hatten. Im Dax ging es für Volkswagen  , BMW und Daimler  zwischen 4,30 und 5,6 Prozent bergab.

Einstieg von Cevian stützt Bilfinger Berger

Dagegen gehörten die als defensiv angesehenen Aktien der Deutschen Telekom  mit minus 1,67 Prozent auf 9,194 Euro noch zu den besseren Werten. Börsianer verwiesen auf die Dividendenrendite als stützenden Faktor.

An der MDax-Spitze verteuerten sich die Aktien von Bilfinger Berger  um 1 Prozent auf 64,78 Euro, nachdem bekannt wurde, dass Cevian Capital beim Bau- und Dienstleistungskonzern einsteigt und mit 12,6 Prozent zum größten Einzelaktionär avanciert.

Euro gibt deutlich nach - Intervention der japanischen Notenbank

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,86 (Freitag: 1,98) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,51 Prozent auf 129,64 Punkte. Der Bund Future stieg um 1,38 Prozent auf 135,51 Punkte.

Der Euro (Kurswerte anzeigen) sank auf 1,3923 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,4001 (Freitag: 1,4160) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7142 (0,7062) Euro gekostet.

Die mittlerweile dritte Intervention der japanischen Notenbank im laufenden Jahr habe "neuen Schwung in den Handel gebracht", kommentierten Experten der Commerzbank. Im Kampf gegen die Rekordjagd der japanischen Währung hatte die Notenbank einen neuen Versuch gestartet und sich gegen den Höhenflug gestemmt.

rei/reuters/dpa-afx