Börse Höhenflug deutscher Aktien stockt

Nach der gestrigen Kursrally nehmen Anleger Gewinne mit. Italiens Rekordzinsen für Anleihenverkäufe und die Entscheidung des Verfassungsgerichts zum EFSF belasten.
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Gute Stimmung in Frankfurt: Am Vortag schloss der Dax 5 Prozent höher

Gute Stimmung in Frankfurt: Am Vortag schloss der Dax 5 Prozent höher

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Der jüngste Höhenflug am deutschen Aktienmarkt in Hoffnung auf die Euro-Rettung ist am Freitag etwas ins Stocken geraten.

Der Dax  gab seine frühen Gewinne im Handelsverlauf wieder ab und beendete den Handel kaum verändert bei 6346 Punkten, das ist ein Plus von 0,1 Prozent. Auf Wochensicht legte der Dax vor allem dank des kräftigen Anstiegs am Donnerstag insgesamt um 5,3 Prozent zu.

Analyst Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel sagte: "Gestützt auf erneut gute Vorgaben hat der Dax zunächst noch wichtige technische Marken getestet - fundamental bleibt aber die Frage, wie die nun geplanten Maßnahmen zur Euro-Rettung umgesetzt werden. Nach dem jüngsten Anstieg setzt sich der Markt erst einmal etwas."

Auslöser für Gewinnmitnahmen sei am Vormittag die schlecht verlaufene Auktion italienischer Staatsanleihengewesen. Auch die neuerliche Unsicherheit nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, einen wichtigen Teil der Verfahrensregeln für die deutsche Beteiligung an Nothilfen des Euro-Rettungsfonds EFSF vorläufig zu stoppen, belaste die Stimmung etwas.

Wall Street knapp behauptet - Konsumausgaben steigen

Insgesamt freundliche US-Konjunkturdaten - die Konsumausgaben in den USA sind gestiegen - verhinderten, dass der Dax ins Minus rutschte. An der Wall Street pendelten Dow Jones  und Nasdaq Composite  um 18 Uhr jeweils um den Vortagesschluss.

Ansonsten standen die Quartalszahlen weiter im Fokus. Überraschend gute Quartalsergebnisse schoben die Aktien von Linde  um 0,95 Prozent nach oben. Der Anlagenbauer und Industriegase-Spezialist hatte im dritten Quartal dank des anhaltenden Booms in Asien erneut einen Gewinnsprung verzeichnet und konnte laut Händlern die Erwartungen übertreffen.

Nebenwerte: Wacker Chemie un Centrotherm brechen ein

Die Aktien von Wacker Chemie  rutschten dagegen nach Zahlen im MDax (Kurswerte anzeigen) um knapp 10 Prozent auf genau 76,00 Euro ab. Händler bezeichneten die Zahlen als "gemischt" und zeigten sich enttäuscht vom skeptischeren Ausblick.

Im Verlauf legte dann noch Centrotherm  aus dem TecDax  überraschend Zahlen vor. Der Solarkonzern schickte damit seine Aktien mit exakt 9,00 Prozent ins Minus. Händler kritisierten die reduzierte Margenprognose.

Verluste bei Morphosys und PSI

Abwärts ging es ebenfalls für die TecDax-Werte Morphosys (Kurswerte anzeigen)und PSI (Kurswerte anzeigen). Händler hatten die Zahlen des Biotechunternehmens zwar gemischt aufgenommen. Ein Händler verwies darauf, dass die Umsätze schwächer ausgefallen seien als erwartet, der Verlust aber nicht so hoch war wie befürchtet. Wegen der Kürzung der Umsatzprognose seien die Zahlen aber insgesamt negativ zu werten. Bei PSI belastet die gekürzte Gewinnprognose die Aktie.

Außerhalb der Dax-Familie rutschten die Anteile an Porsche (Kurswerte anzeigen)nach überraschend vorgelegten Zahlenfür den Sportwagenbauer mit 0,40 Prozent ins Minus auf 43,625 Euro. Ein Händler sieht den Umsatz und auch den operativen Gewinn leicht unter seinen Erwartungen geblieben. Ein anderer habe auf einen optimistischeren Ausblick gehofft und sprach von Gewinnmitnahmen. Die Marge sei aber "sehr stark".

Euro legt weiter zu

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,98 (Vortag: 1,85) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,39 Prozent auf 128,99 Punkte. Der Bund Future aber rückte um 0,13 Prozent vor auf 133,89 Punkte.

Der Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4160 (1,4038) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7062 (0,7124) Euro.

Die Ölpreise haben am Freitag nach dem EU-Gipfel zur Euro-Schuldenkrise leichte Verluste verzeichnet. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im Dezember kostete gegen Mittag 110,54 US-Dollar und damit 1,54 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel US-Rohöl der Marke WTI (West Texas Intermediate) fiel um 1,66 Dollar auf 92,30 Dollar.

wed/dpa-afx/rtr
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