Börse Dax fällt zurück - Markt extrem nervös

Vor dem zweiten EU-Gipfel schließt der Dax leicht im Minus. An der Wall Street belasten zudem schwache Daten vom US-Häusermarkt. Die Unsicherheit kehrt zurück - auch unter Aktionären der Deutschen Bank. Im MDax brechen die Aktien von Heidelberger Druck ein.
Börse in Frankfurt: Anleger warten auf das Maßnahmenpaket zur Lösung der Euro-Schuldenkrise

Börse in Frankfurt: Anleger warten auf das Maßnahmenpaket zur Lösung der Euro-Schuldenkrise

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Vor dem Sondergipfel der Euro-Staaten hat der Dax  am Dienstag mit leichten Verlusten geschlossen. Erneut war er zuvor von hochnervösen Anlegern auf Berg- und Talfahrt geschickt worden und hatte am frühen Nachmittag noch bei rund 6158 Punkten den höchsten Stand seit elf Wochen erreicht. Mit einem Minus von 0,1 Prozent auf 6046 Punkten ging er schließlich aus dem Handel.

"Der Gesamtmarkt ist weiterhin fest im Bann des Gipfeltreffens", kommentierte Händler Andreas Lipkow vom Wertpapierhandelshaus MWB Fairtrade. Wie nervös der Markt erneut gewesen sei, hätten vor allem Gerüchte am Nachmittag deutlich gemacht.

Verwirrung um Treffen der EU-Finanzminister

Auslöser für den Schwächeanfall im Dax war eine Mitteilung aus Großbritannien, dass das Treffen der EU-Finanzminister am Mittwoch entfalle. Diese habe für Verwirrung gesorgt und Sorgen ausgelöst, dass auch das Gipfeltreffen abgesagt werde, sagten Händler. Sowohl das Treffen der Finanzminister der Eurozone als auch das Gipfeltreffen fänden wie geplant statt, hieß es von offizieller Seite. "Die Nervosität vor dem morgigen Gipfel ist enorm hoch", sagte ein Händler.

Schwache Daten vom US-Häusermarkt

Auch an der Wall Street starteten Dow Jones (Kurswerte anzeigen) und Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) mit Abschlägen. Hier belasteten auch schwache Konjunkturdaten aus den USA zum Verbrauchervertrauen und zu Häuserdaten: In den 20 größten Ballungsgebieten seien die Hauspreise bereinigt um 0,05 Prozent zum Vormonat gesunken, teilte das private Institut S&P/Case-Shiller am Dienstag in New York mit. Volkswirte hatten einen Anstieg prognostiziert.

Im Jahresvergleich sanken die Hauspreise unbereinigt um 3,8 Prozent. Der US-Immobilienmarkt ist seit der Finanzkrise stark unter Druck. Eine Erholung zeichnete sich bis zuletzt nicht ab.

Merkel: Bekenntnis zu Anleihenkäufen der EZB wird es nicht geben

Auch die Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirkten an der Börse als Stimmungskiller. Merkel hatte in Berlin erklärt, ein Bekenntnis der Euro-Länder zur Unterstützung weiterer Anleihenkäufe durch die EZB werde es in der Abschlusserklärung des EU-Gipfels am Mittwoch nicht geben.

"Ein solches Bekenntnis wäre eine positive Überraschung gewesen", sagte ein Börsianer. Spannend sei jetzt, ob die EZB ihrerseits eine Erklärung zur Fortsetzung der sogenannten unorthodoxen Maßnahmen abgeben werde. Der Euro rutschte unter 1,39 Dollar, nachdem er zuvor noch ein Sechs-Wochen-Hoch von 1,3959 Dollar aufgestellt hatte.

Verbraucherstimmung in Deutschland verbessert

Bis zum Mittag hatte der Dax zeitweise auf dem höchsten Stand seit 11 Wochen notiert. Auch die Stimmung der Verbraucher in Deutschland verbessert sich leicht. Vor allem mit Blick auf ihre Einkommensaussichten und die Anschaffungsneigung sind die Bürger derzeit durchaus optimistisch, wie das Marktforschungsunternehmen GfK am Dienstag in Nürnberg mitteilte. "Beide Indikatoren profitieren von der guten Beschäftigungslage und den Lohnsteigerungen in diesem Jahr", hieß es zur Begründung.

Der Konsumklimaindex für November stieg dennoch um 0,1 Punkte auf 5,3 Punkte. "Mit dieser Entwicklung festigt die Binnenkonjunktur ihren Ruf als wichtige Säule der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland", urteilte die GfK.

Deutsche-Bank-Bilanz besser als erwartet

Die Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) eröffnete am Morgen als Bankenprimus die Berichtssaison im Dax und Händler begrüßten zunächst die besser als erwarteten Zahlen. Der Vorsteuergewinn und die Kernkapitalquote (Tier 1) bezeichnete einer als "exzellent". Ein anderer Börsianer zeigte sich ebenfalls positiv überrascht, fügte aber hinzu, dass dies nach den jüngsten Medienberichten beinahe erwartet worden war. Die Aktie, die zeitweise bis auf 29,375 Euro und damit an die Spitze des Dax gestiegen war, schloss mit plus 0,3 Prozent auf 28,55 Euro.

Daimler und MAN gefragt - Infineon an der Dax-Spitze

Fahrzeugwerte legten nach einem zunächst zögerlichen Start doch noch zu. So kletterten die MAN-Titel trotz eines vorsichtigeren Ausblicks des schwedischen Lkw-Bauers Volvo ins Plus und stiegen um 0,78 Prozent auf 63,27 Euro. Die Anteilsscheine von Daimler  verteuerten sich als Favorit unter den deutschen Autoaktien um 1,19 Prozent.

Papiere von Infineon (Kurswerte anzeigen) rückten trotz eines pessimistischen Blicks des Halbleiterherstellers STMicroelectronics auf das letzte Jahresviertel als Spitzenwert im Dax um 2,81 Prozent vor.

MDax: Heidelberger Druck stürzen ab

Die Aktien der Heidelberger Druck  sackten am MDax-Ende um knapp zwölf Prozent ab. Der Druckmaschinenhersteller hatte seine Jahresprognose einkassiert. Aufgrund der konjunkturellen Aussichten entwickele sich die Nachfrage schwächer als erwartet, hatte es geheißen.

Euro legt zu

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,90 (Montag: 1,82) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,35 Prozent auf 129,29 Punkte. Der Bund Future verlor 0,29 Prozent auf 135,16 Punkte.

Der Euro legte zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3918 (1,3856) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7185 (0,7217) Euro.

la/dpa-afx
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