Börse Dax im Bann des Doppelgipfels

Zehn Dax-Unternehmen berichten in der neuen Woche über das laufende Geschäft. Trotz der Zahlenflut bleibt der Dax im Bann der Politik: Nach dem EU-Gipfel am Sonntag folgt ein zweiter Gipfel am Mittwoch, um den Streit über die Ausweitung des EFSF beizulegen. Die Hoffnung auf eine Lösung hatte den Dax zuletzt deutlich nach oben getrieben.
Händler in Frankfurt: Der Dax legt zum Wochenschluss um mehr als 3 Prozent zu

Händler in Frankfurt: Der Dax legt zum Wochenschluss um mehr als 3 Prozent zu

Foto: Boris Roessler/ dpa

Frankfurt am Main - Ungeachtet einer Flut von Firmenbilanzen wird es für Anleger an den Aktienmärkten in der neuen Woche wohl nur ein Thema geben: Der Ausgang der beiden EU-Gipfel zur Lösung der Euro-Schuldenkrise. Zuletzt bemühten sich Frankreich und Deutschland, ihren Streit um die Ausgestaltung des Euro-Rettungsschirms EFSF beizulegen.

Statt am Sonntag soll nun auf einem zweiten Gipfel am Mittwoch eine Lösung präsentiert werden. Die Hoffnung darauf hat dem Dax (Kurswerte anzeigen) am Freitag zu einem Plus von 3,6 Prozent verholfen.

Nach Ansicht vieler Marktbeobachter könnten die Erwartungen der Märkte an eine allumfassende Lösung zu hoch gegriffen sein. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, er rechne nicht mit einem raschen Befreiungsschlag. Am Ende der Verhandlungen dürften sich die EU-Regierungschefs wohl darauf einigen, die Feuerkraft des Euro-Rettungsschirms EFSF zu erhöhen, indem der Fonds künftig die Anleihen der Problemländer teilweise gegen einen Zahlungsausfall versichern werde, erklärte Krämer. Dieser Weg wird von der Bundesregierung bevorzugt.

Die von Frankreich ins Spiel gebrachte Banklizenz für den EFSF und damit dessen Finanzierung über die Europäische Zentralbank (EZB) wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble zuletzt kategorisch abgelehnt. Analyst Holger Schmieding von der Berenberg Bank sagte indes, wenn es hart auf hart komme, könne nur die EZB eine Panik an den Märkten verhindern.

EZB könnte weiter Staatsanleihen kaufen

Eine Lösung könnte darin bestehen, dass die EZB weiter übergangsweise Staatsanleihen kaufen würde, auch wenn der EFSF Bonds erwirbt oder versichert. Zumindest in Bezug auf Griechenland machte sich zuletzt Hoffnung breit, nachdem sich die aus EU, IWF und EZB bestehende Troika für eine rasche Auszahlung der nächsten Kredittranche für das von einer Pleite bedrohte Land ausgesprochen hat. Ein Schuldenschnitt für Griechenland ist damit aber nicht vom Tisch.

VW, Daimler, BASF, Lufthansa und Bayer berichten über ihr Geschäft

Neben den Wasserstandsmeldungen rund um die Schuldenkrise prasselt auf die Anleger zudem eine Flut von Firmenbilanzen ein. Allein zehn Dax-Unternehmen legen ihre Zahlen vor - mit Höhepunkt am Donnerstag: Dann müssen Börsianer die Ergebnisse von Volkswagen  , Daimler  , BASF  , Bayer  , Deutsche Börse  und Lufthansa  verdauen.

Deutsche Bank und UBS melden Zahlen am Dienstag

Bereits am Dienstag sollen die Bilanzen der Deutschen Bank  und der Schweizer Großbank UBS Aufschluss darüber geben, inwieweit die Krise im Euroraum den großen Geldhäusern im dritten Quartal das Leben schwer gemacht hat.

Am Mittwoch veröffentlichen Merck KGaA  und SAP  ihr Zahlenwerk. Am Freitag zieht Linde mit dem Bericht zum dritten Quartal nach. Ihr Augenmerk dürften Investoren insbesondere auf die Ausblicke der Unternehmen richten, um daraus Rückschlüsse zu ziehen, inwieweit sich die Konzerne gegen eine mögliche Rezession wappnen.

Lebenszeichen von der US-Wirtschaft erwartet

Daten zur Konjunktur liefern am Montag die Markit-Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und die Eurozone mit den Zahlen für Oktober sowie am Dienstag der GfK-Konsumklimaindex für November. Aus der weltgrößten Volkswirtschaft USA steht am Donnerstag die erste Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal an.

Die zuletzt veröffentlichten Indikatoren deuteten darauf hin, dass es zu einer Wachstumsbeschleunigung gekommen sei, sagte Postbank-Analyst Thilo Heidrich. Auch die für Freitag angesetzten Daten zum privaten Konsum im September dürften nach Ansicht Heidrichs positiv ausfallen.

Die Woche schließt für die europäischen Anleger am Freitagnachmittag mit der Präsentation des US-Verbrauchervertrauens der Universität Michigan.

la/reuters
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