Bundesanleihen Renditelahme Krisenrenner

Solide, langweilig, ertragsschwach: Deutschen Bundesanleihen eilt ihr Ruf voraus. Und doch sind sie im Zuge der Euro-Schuldenkrise zum Renner geworden - zumindest bei institutionellen Investoren. Doch was für diese gut ist, muss längst nicht für Privatanleger gut sein.
Von Nicole Wildberger
Gebäude der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH: Das Unternehmen gehört zu den Profiteuren der renditeschwachen Bundesanleihen

Gebäude der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH: Das Unternehmen gehört zu den Profiteuren der renditeschwachen Bundesanleihen

Foto: DPA

Hamburg - Wirtschaftskrise, Schuldenkrise, Euro-Krise. Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gab es in den vergangnen Wochen und Monaten selten Grund zum Lachen. Nur einer machte dem Finanzminister zuletzt noch Freude - Carl Heinz Daube, Geschäftsführer der Deutschen Finanzagentur. Das bundeseigene Unternehmen organisiert die Kreditaufnahme des deutschen Staats. Und sein Chef durfte erst Ende September verkünden: "Die Situation des Bundeshaushalts ist besser, als bei Aufstellung des Etats zu erwarten war."

Der Grund: Im Spätsommer erreichte der Bund-Future, der die Nachfrage nach Staatsanleihen abbildet, ein Rekordhoch nach dem anderen. Im Zeitraum von September bis Anfang Oktober kletterte der Index gleich viermal über die 138 Punkte-Marke, dem höchsten jemals erreichten Wert. Da der Bund-Future die Erwartungen der Marktteilnehmer über die künftigen Renditen deutscher Schuldverschreibungen ausdrückt, entwickelt sich die Renditen der deutschen Staatsanleihen meist in die entgegengesetzte Richtung.

Das heißt, dass zehnjährige Bundesanleihen derzeit im Schnitt gerade noch etwas mehr als 2 Prozent Rendite abwerfen - so wenig gab es für die Anleger selten. Eine Inflationsrate von aktuell rund 2,6 Prozent bedeutet für sie gar, dass sie, wie Cornelia Frey, Kapitalmarktexpertin der Börse Stuttgart es elegant umschreibt, "eine negative Realverzinsung in Kauf nehmen." Im Klartext: Anleger verlieren mit Bundesanleihen bares Geld.

Erfolg dank dreier Gründe

Und dennoch: Der Handel mit den mit AAA bewerteten und damit als besonders sicher geltenden Papieren boomt wie selten zuvor. Deutsche Staatspapiere gelten als Renner. Doch warum?

"Der große Erfolg der Bundesanleihen hat drei Gründe", sagt Frey. Erstens seien deutsche und zunehmend auch andere ausländische Anleger angesichts der turbulenten Märkte und der wenig entscheidungsfreudigen Politik ausgesprochen risikoscheu.

Ein zweiter Grund ergebe sich aus der Staatsverschuldung vieler EU-Mitgliedstaaten wie Griechenland, Italien und Spanien. Denn damit einher gehe eine Herabstufung der Staatsanleihen dieser Länder. Die Folge: Kapitalgeber flüchten in den scheinbar sicheren Hafen - die deutschen Bundesanleihen. Insbesondere institutionelle Anleger verhielten sich so, sagt Frey.

"Versicherungen, Pensionsfonds oder Unterstützungskassen müssen schon per Statut einen hohen Anteil von sicherheitsorientierten Anlagen mit bester Bonität wie AAA halten", sagt auch Matthias Thiel, Volkswirt vom Bankhaus MM Warburg. Kurzum, institutionelle Anleger können nicht anders als Bundesanleihen zu kaufen. Denn einen bestimmten Anteil ihrer verwalteten Gelder dürfen sie nur in Papiere mit bester Bonität anlegen - und diese werden im Zuge weltweiter Abwertungen der Kreditwürdigkeit verschiedener Staaten seltener. Hinzu kommt, dass Experten wie zum Beispiel Tobias von Bernstorff vom Bankhaus Metzler aktuell auch keine renditestärkeren Alternativen zu Bundesanleihen sehen.

Liquidität lockt Spekulanten

Den dritten Grund für den Erfolg der deutschen Staatsanleihen verdankt die Bundesregierung ausgerechnet jenen Marktteilnehmer, denen sie zuletzt wiederholt den Kampf angesagt hat - den Spekulanten. Denn diese gehen mit ihren Spekulationen auf den Bund-Future immer häufiger Wetten auf den weiteren Kursverlauf der staatlichen Schuldverschreibungen ein. Insbesondere seit der Zuspitzung der Schuldenproblematik in den USA und Europa.

Der Vorteil der Spekulanten: Trotz niedriger Rendite ist die Liquidität der Bundesanleihen hoch. Das heißt, die kurzfristig orientierten Händler können stets davon ausgehen, schnell wieder Käufer zu finden. Von einer Fortdauer der Schuldenkrise in Europa und den Vereinigten Staaten auszugehen und auf einen weiteren Kursverfall der Papiere zu wetten, rechnet sich für sie.

Und der Privatanleger? Dem helfen Spekulationen auf die Renditen staatlicher Schuldverschreibungen wenig. Denn selbst niedrige Gewinne sind angesichts der aktuellen Situation nicht oder nur über riskante Wetten zu realisieren. Aus Sicht der Privatanleger bleiben Staatsanleihen daher auch weiterhin vor allem dreierlei: solide, langweilig und ertragsschwach.

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