Börse Anleger wollen Euro-Krise aushebeln

Der Dax schließt erneut mit Gewinnen: Spekulationen auf eine Hebelung des Euro-Rettungssfonds EFSF sorgen für Auftrieb. Finanztitel sind gefragt, allen voran Titel der Commerzbank und der Allianz. Die Unsicherheit bleibt jedoch hoch.
Bulle vor der Frankfurter Börse: Der Dax peilt vor dem Euro-Gipfeltreffen wieder die Marke von 6000 Zählern an.

Bulle vor der Frankfurter Börse: Der Dax peilt vor dem Euro-Gipfeltreffen wieder die Marke von 6000 Zählern an.

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Positiv aufgenommene Berichte zum Euro-Rettungsschirm EFSF haben dem Dax  am Mittwoch erneut zu Kursgewinnen verholfen. Der Leitindex kletterte um 0,6 Prozent auf 5913 Punkte und setzte damit seine Erholung vom Vortag fort.

Gebremst wurde der Aufschwung durch einen verhaltenen Start an der Wall Street: Der Dow Jones  notierte zum Xetra-Schluss in Deutschland um den Vortagesschluss, der Nasdaq Composite  notierte 0,5 Prozent im Minus.

Einem Bericht der britischen Zeitung "The Guardian" zufolge soll die Wirkungskraft des europäischen Rettungsfonds EFSF mit Hilfe einer teilweisen Versicherung von Staatsanleihen verfünffacht werden. Das habe die Stimmung am Markt gehoben, hieß es von Börsianern. Gleichwohl bleibe die Unsicherheit hoch, da nichts grundlegend Neues in der Schuldenkrise bekannt geworden sei.

Experten sehen den Markt in einer Wartestellung vor dem EU-Gipfel am Wochenende. Aktienstratege Markus Reinwand von der Helaba sagte: "Wir haben zurzeit ausgesprochen stark politisch geprägte Börsen." Alles drehe sich darum, wie mit der Schuldenkrise umgegangen werden soll.

Finanztitel fest - Morgan Stanley rechnet Bilanz schön

Finanztitel gehörten am Dienstag erneut zu den größten Gewinnern. Deutsche Bank, Commerzbank  und Allianz legten jeweils mehr als 4 Prozent zu.

Viele Investoren ignorierten sowohl Dementis aus der EU und dem deutschen Bundesfinanzministerium als auch eine neuerliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens durch die Ratingagentur Moody's. Sie spekulieren weiterhin auf positive Impulse durch den Krisengipfel am Wochenende.

Gestützt wurde die Branche neben den EFSF-Gerüchten auch durch Zahlen von Morgan Stanley : Durch Änderungen in der Bilanzierung und einen höheren Umsatz im Investmentbanking hat die US-Investmentbank im dritten Quartal einen Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar verbucht.

Apple enttäuscht, Intel legt zu

Die Aktien von Apple (Kurswerte anzeigen) rutschten nach den am Vorabend vorgelegten Zahlen dagegen zeitweise um knapp 5 Prozent ab. Nur zwei Wochen nach dem Tod des legendären Firmengründers Steve Jobs hatte der Elektronikkonzern zwar neue Rekordzahlen vorgelegt. Doch zum ersten Mal seit Jahren hatte Apple die hochgesteckten Erwartungen der Börsianer verfehlt.

Deutlich nach oben ging es dagegen für die Titel von Intel  . Sie kletterten vorbörslich um etwas mehr als 3 Prozent. Das allgemein abflauende PC-Geschäft scheint dem weltgrößten Chip-Hersteller nichts anhaben zu können. Zum sechsten Mal in Folge hatte der US-Konzern ein Rekordergebnis eingefahren und damit die Erwartungen der Analysten übetroffen. Zudem stockt Intel sein Aktienrückkaufprogramm um weitere 10 Milliarden US-Dollar auf.

Vorläufige Bilanz beflügelt Software AG

Die laufende Berichtssaison bewegte vor allem die Aktien aus der zweiten Reihe. So schnellten die im TecDax gelisteten Titel der Software AG (Kurswerte anzeigen) nach vorläufigen Zahlen an der Index-Spitze um 10,59 Prozent auf 30,07 Euro nach oben. Der Softwarehersteller aus Darmstadt hatte am Vorabend überraschend seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Von Händlern hieß es, das Lizenzwachstum in der Sparte Business Process Excellence und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern seien positiv ausgefallen. Analyst Thomas Becker von der Commerzbank schrieb, dass das Management in Zukunft den Blick noch stärker auf die Profitabilität zu richten scheine.

Dialog Semiconductor schwach

Die Titel von Dialog Semiconductor sanken um 1,79 Prozent. Die Aktien des Halbleiterherstellers litten Händlern zufolge unter den schwachen Quartalszahlen seines Kunden Apple (Kurswerte anzeigen), deren Titel im nachbörslichen US-Handel um knapp 7 Prozent abgerutscht waren.

Der Windkraftanlagenhersteller Nordex (Kurswerte anzeigen) erhielt in Pakistan einen neuen Auftrag. In der Folge verteuerten sich die Papiere um 2,76 Prozent.

Die Aktien von Hochtief (Kurswerte anzeigen) profitierten von einer positiven Studie und kletterten um 4,07 Prozent auf 53,17 Euro. Goldman Sachs hatte die Papiere des Baukonzerns zuvor zum Kauf empfohlen. Trotz der eher volatilen Margen in der Branche gehe das neue Management das Thema Profitabilität in Europa und bei der australischen Tochter Leighton an, schrieben die Experten.

Aus Branchensicht waren europaweit insbesondere die Finanzwerte gefragt. In Frankfurt zählten die Aktien der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) und der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen)mit Aufschlägen von mehr als 4 Prozent zu den Favoriten. Beim letztgenannten Institut verwiesen Börsianer auch auf einen Bericht des Anlegermagazin "Platow Brief" als Antrieb. Demnach seien die Analystenschätzungen für die größte deutsche Bank mittlerweile so weit nach unten revidiert worden, dass dem Finanzhaus eine positive Überraschung gelingen könnte.

Euro steigt wieder über 1,38 Dollar

Der Kurs der Euro (Kurswerte anzeigen) legte im frühen Handel deutlich zu und stieg wieder über die Marke von 1,38 US-Dollar. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,3820 Dollar gehandelt. Am Vortag war der Euro noch auf deutlich unter 1,37 Dollar gesunken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,3676 (Montag: 1,3776) Dollar festgesetzt.

Die deutschen Staatsanleihen starteten mit Kursverlusten in den Handel. Der für den Anleihemarkt richtungsweisende Euro-Bund-Future sank um 0,3 Prozent auf 135,14 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kletterte auf 2,053 Prozent. Händler erklärten die Kursverluste am Anleihemarkt mit neuer Hoffnung auf eine umfassende Lösung in der Euro-Schuldenkrise.

Die Ölpreise veränderten sich kaum. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im Dezember kostete im frühen Handel 111,19 US-Dollar und damit vier Cent mehr als zum Handelsschluss am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) stieg um 12 Cent auf 88,46 Dollar.

ak/mg/dpa-afx/rtr
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