Euro-Kurs fällt Schäuble holt Anleger in Euro-Realität zurück

Die Euphorie unter Euro-Anlegern war am Montag nur von kurzer Dauer. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verpasste der aufkeimenden Hoffnung, dass Europas Politiker sich schon bald auf den großen Wurf zur Lösung der Schuldenkrise einigen, einen Dämpfer.
Schäuble auf dem Treffen der G20-Finanzminister am Wochenende: Keine "endgültige Lösung"

Schäuble auf dem Treffen der G20-Finanzminister am Wochenende: Keine "endgültige Lösung"

Foto: Ian Langsdon/ dpa

Frankfurt am Main - Man werde beim EU-Gipfel am Wochenende keine "endgültige Lösung" zur Schuldenkrise präsentieren, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittag auf dem Deutschen Steuerberatertag in Düsseldorf. Der Euro  fiel daraufhin auf ein Tagestief von 1,3771 Dollar zurück, nachdem er mit 1,3914 Dollar am Morgen noch auf den höchsten Stand seit mehr als einem Monat gestiegen war.

Die Aussagen Schäubles seien natürlich ernüchternd, sagte HSBC-Trinkaus-Analyst Lothar Heßler. Aber selbst wenn kein umfassender Befreiungsschlag präsentiert werde, "irgendetwas werden die Politiker am Sonntag vorlegen müssen". Die Finanzminister der G20-Staaten hatten am Wochenende den Druck auf ihre Kollegen der Euro-Zone verstärkt, rigoros gegen die Krise vorzugehen.

Der französische Finanzminister François Baroin und sein deutscher Kollege Wolfgang Schäuble versicherten, Europa sei dank der engen Zusammenarbeit der Regierungen in Paris und Berlin auf einem guten Weg. Am Montag sagte Schäuble, es seien fünf Elemente zur Beilegung der Schuldenkrise angestrebt. Dazu gehöre eine Lösung zu Griechenland. Diese werde es nicht ohne eine Reduzierung der Schulden geben könne, betonte der Minister. Auf eine Größenordnung wolle er sich öffentlich noch nicht festlegen.

Er gehe davon aus, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs für systemrelevante Banken eine Erhöhung der Eigenkapitalquote auf 9 Prozent beschließen werden. Damit solle die Ansteckungsgefahr durch einen Schuldenschnitt begrenzt werden. Über diese Ziffer war bereits in der vergangenen Woche angesichts der Initiative der EU-Kommission für eine Rekapitalisierung der Banken spekuliert worden.

Erwartungen können nur enttäuscht werden

Aus Sicht der Commerzbank-Analysten können die Anleger angesichts der hohen Erwartungen an den EU-Gipfel nur enttäuscht werden. Selbst ein größerer Schuldenschnitt in Griechenland "würde nur das nachvollziehen, was die Finanzmärkte längst einpreisen, nämlich dass Griechenland es nicht allein schafft, seine Schulden zu bedienen", hieß es in einem Kommentar.

Schleierhaft ist es für die Experten auch, wie die Mittel des Euro-Rettungsschirms EFSF effektiver genutzt werden sollen. Eine Hebelung des EFSF wäre ihrer Ansicht nach nur mit den Mitteln der Europäischen Zentralbank möglich. "Genau diese Möglichkeit haben am Wochenende aber sowohl Schäuble als auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann ausgeschlossen, da sie das Verbot der Staatsfinanzierung durch die Notenbank verletzen würde."

Am Rentenmarkt profitierten die als sicher geltenden Bundesanleihen von der anhaltenden Ungewissheit über den Ausgang der Schuldenkrise. Die Kurse stiegen, die Renditen gaben entsprechend nach. Die Papiere mit zehnjähriger Laufzeit warfen 2,140 Prozent ab, nach 2,206 Prozent im Schlussgeschäft am Freitag. "Die Zuversicht über eine baldige Lösung der Euro-Krise hat nicht lange angehalten", sagte ein Händler. Schäubles Aussagen hätten die Anleger wieder in die Realität zurückgeholt.

Italienische zehnjährige Papiere rentierten nahezu unverändert bei 5,800 Prozent, spanische leicht höher bei 5,312 Prozent. Bei den Anleihen dieser Staaten gelten höhere Renditen, spiegelbildlich zu den deutschen, als Ausdruck höherer Unsicherheit.

ak/rtr

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