Börse Schäuble mahnt, Dax stürzt

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnt vor zu hohen Erwartungen an den Euro-Gipfel an diesem Wochenende. Dax und Dow drehen daraufhin deutlich ins Minus. Zu den größten Verlierern zählen die Commerzbank sowie die Aktien des Handelsriesen Metro.
Börse in Frankfurt: Die Bundesregierung dämpft die Erwartungen vor dem EU-Gipfel am Sonntag

Börse in Frankfurt: Die Bundesregierung dämpft die Erwartungen vor dem EU-Gipfel am Sonntag

Foto: dapd

New York / Frankfurt am Main - Nervosität wegen der europäischen Schuldenkrise hat den Dax  am Montag nach einem freundlichen Handelsstart zurück in die Verlustzone gezogen. Bis zum Handelsschluss auf Xetra verlor der deutsche Leitindex 1,8 Prozent auf 5859 Punkte. Auch an der Wall Street sind die Indizes wieder im Rückwärtsgang.

Zu den größten Verlierern im Dax zählten Bankenwerte wie die Commerzbank (Kurswerte anzeigen). Auf die Stimmung drückte Börsianern zufolge, dass die Bundesregierung die Erwartungen an den EU-Gipfel am nächsten Sonntag zur Euro-Schuldenkrise gedämpft hatte. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert rechnet Berlin nicht mit dem großen Befreiungsschlag und einer Lösung aller Probleme.

Auch die Aktien von Metro  gerieten im späten Handel stark unter Druck. Börsianer verwiesen auf die Nachricht, dass der Chef des Metro-Aufsichtsrates, Jürgen Kluge, sein Amt niederlegt. Ein Marktteilnehmer sprach von einem "abrupten Abschied". Erst vor einer Woche hatte Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes seinen Abschied angekündigt.

Wall Street startet mit Verlusten - Konjunkturdaten enttäuschen

Die US-Börsen sind ebenfalls mit Verlusten in die neue Handelswoche gestartet. Der Dow Jones  gab im bis zum frühen Abend rund 1,1 Prozent nach.

Schon in Europa hatten die Anleger nach einer freundlichen Eröffnung den Rückwärtsgang eingelegt, nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einer "endgültigen Lösung" der Krise beim Gipfel am kommenden Sonntag eine Absage erteilt hatte.

Belastend wirkte sich auch der schlechter als erwartet ausgefallene Oktober-Konjunkturindex für das Verarbeitende Gewerbe im Bundesstaat New York aus. Der Anstieg der Industrieproduktion im September lag mit 0,2 Prozent im Rahmen der Erwartungen von Analysten.

Citigroup nach Zahlen fest

Zu den Gewinnern zählten die Aktien der Citigroup  , die um 1,6 Prozent auf 28,86 Dollar zulegten. Die Bank hatte mit ihrem Nettogewinn im Quartal die Analystenschätzungen übertroffen.

Die Aktien von Halliburton konnten dagegen nicht von der Vorlage der Quartalsergebnisse profitieren und rutschten um 5,6 Prozent ab. Ein weitere Gesprächsthema war die Fusion zweier Gas-Pipeline-Betreiber: Kinder Morgan will für 21 Milliarden Dollar den Rivalen El Paso kaufen. Die Titel von El Paso stiegen um 25 Prozent, die von Kinder Morgan um 7,8 Prozent.

MDax: SGL Carbon profitiert von Übernahmepoker

An der Börse in Frankfurt zogen die Aktien der SGL Group (Kurswerte anzeigen) mit einem Kurssprung von 10 Prozent die Aufmerksamkeit auch sich. BMW will dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL zufolge Aktien des hessischen Carbon-Herstellers kaufen und damit den Konkurrenten Volkswagen (VW) in die Schranken weisen. Ein BMW-Sprecher bezeichnete den geplanten Vorstoß am Sonntag als "Spekulation" und wollte den Bericht nicht kommentieren.

BMW-Großaktionärin Susanne Klatten hält dem Nachrichtenmagazin zufolge bereits einen Anteil von rund 29 Prozent an SGL. Falls nun auch der Münchener Autobauer selber zukaufen sollte, könnte die Börsenaufsicht dies einem Händler zufolge als Interessenzusammenführung werten, die ein Übernahmeangebot für den Kohlenstoffspezialisten auslösen dürfte.

Bei den im Dax gelisteten Automobilwerten fielen die Reaktionen moderater aus. So gaben BMW-Aktien (Kurswerte anzeigen) 1 Prozent nach, die von Volkswagen (Kurswerte anzeigen) hielten sich noch mit 0,3 Prozent im Plus. Die Daimler -Titel  verloren 1,5 Prozent.

HeidelbergCement an der Dax-Spitze

Favorit im Leitindex waren die Titel von HeidelbergCement (Kurswerte anzeigen). Sie verteuerten sich um 1 Prozent und knüpften damit an ihre jüngste Erholung an. Ein Analyst verwies zudem auf die jüngste Kapitalmarktveranstaltung des Baustoffkonzerns. Die Aussagen zum dritten Quartal hätten gezeigt, dass das Unternehmen auf einem guten Wege sei.

Bei den Aktien von Infineon (Kurswerte anzeigen), die um etwa 0,5 Prozent stiegen, beschäftigte die Anleger weiterhin die am Freitag bekannt gewordene Senkung der Unternehmensausblicks. In deren Folge waren die Aktien um mehr als 4 Prozent gesunken. Zu Wochenbeginn jedoch fielen einige Analystenkommentare positiv aus. So senkte Analyst Simon Schafer von Goldman Sachs zwar sein Kursziel, blieb aber bei seiner grundsätzlich positiven Einstellung dem Wert gegenüber. Die wichtigen strukturellen Wachstumstreiber für den Halbleiterhersteller seien intakt.

Größter Verlierer war wieder einmal die Commerzbank-Aktie (Kurswerte anzeigen) mit minus 2,5 Prozent.

Ölpreise höher, Euro etwas schwächer

Die Ölpreise stiegen am Montag im asiatischen Handel leicht. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) kostete 112,27 Dollar und damit 4 Cent mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) stieg um 29 Cent auf 87,09 Dollar.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,97 (Freitag: 1,95) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,18 Prozent auf 128,65 Punkte. Der Bund Future gewann 0,77 Prozent auf 134,43 Punkte.

Der Euro gab nach. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3776 (1,3807) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7259 (0,7243) Euro.

mg/dpa-afx
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