Börse Euro steigt über 1,35 Dollar

Ein positiver Arbeitsmarktbericht aus den USA verheißt einen Hoffnungsschimmer für die Konjunktur. Der Euro stabilisiert sich, deutsche Bundesanleihen sind weniger als sicherer Hafen gefragt. Auch die Aktienmärkte verzeichnen wieder Gewinne.
Börse in Frankfurt: Zum Wochenschluss zeigt sich der Dax vergleichsweise stabil

Börse in Frankfurt: Zum Wochenschluss zeigt sich der Dax vergleichsweise stabil

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der zwischenzeitlich weiter erholte Dax (Kurswerte anzeigen) gewann am Freitag 0,5 Prozent und schloss mit 5675,7 Zählern. Damit ist der deutsche Leitindex seit Dienstag um rund 10 Prozent angesprungen. Der MDax (Kurswerte anzeigen) legte 0,6 Prozent auf 8450,66 Punkte zu, während der TecDax (Kurswerte anzeigen) um 0,5 Prozent auf 660,33 Punkte fiel.

In New York hielt sich der Dow Jones  mit 11.162 Punkten leicht über dem Schlusskurs vom Donnerstag. Der breiter gefasste Index S&P 500 (Kurswerte anzeigen) hingegen gab 0,2 Prozent auf 1162 Zähler ab, der Technologieindex Nasdaq (Kurswerte anzeigen) 0,8 Prozent auf 2486 Punkte.

Das US-Arbeitsministerium meldete für September einen Stellenaufbau von etwas mehr als 100.000 Stellen. Bankvolkswirte hatten im Vorfeld nur die Hälfte dessen erwartet. Zudem wurde der Stellenaufbau für die beiden Vormonate deutlich höher als bislang ausgewiesen. Die Arbeitslosenquote verharrte hingegen auf dem hohen Niveau von 9,1 Prozent.

Händler sprachen von Erleichterung an den Finanzmärkten, nachdem im August sehr schwache Zahlen gar Rezessionsängste ausgelöst hatten. Experten sahen in den Zahlen aber keinen Grund zur Euphorie: So reicht der Stellenzuwachs bei weitem nicht aus, um die hohe Arbeitslosigkeit zu senken. US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte in den vergangenen Monaten wiederholt auf die "frustrierend langsame Erholung" am Arbeitsmarkt verwiesen. Die hohe Arbeitslosigkeit gilt als Hauptgrund für die immer noch hoch expansive Geldpolitik der Fed.

Konjunktursensible Werte im Dax vorn

Stärkster Wert im Dax war die Aktie des Autoherstellers BMW (Kurswerte anzeigen) mit plus 4 Prozent. Auch andere konjunktursensible Aktien wie die des Industriegaskonzerns Linde (Kurswerte anzeigen) mit plus 3 Prozent oder von Adidas (Kurswerte anzeigen) mit plus 2,5 Prozent verzeichneten starke Kursgewinne.

Gerüchte um Luftverkehrsabgabe treibt Lufthansa-Aktie

Aktien der Lufthansa (Kurswerte anzeigen) kletterten um 0,6 Prozent, nachdem die umstrittene Luftverkehrsabgabe einem Bericht des "Weser-Kuriers" zufolge verringert werden soll. Demnach sollen für einen innereuropäischen Flug künftig nicht mehr 8, sondern nur noch 6,50 Euro anfallen. Auch die anderen Staffelbeträge in Höhe von 25 Euro bei einer Entfernung von 2500 bis 6000 Kilometern und von 45 Euro auf Langstrecken (mehr als 6000 Kilometer) sollten um jeweils 1,50 Euro reduziert werden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Flughafenkreise.

Aktien der Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen) fielen indes um 1,9 Prozent. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Telekom-Konzern wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrugs. "Wir befinden uns in einer Detailprüfung", sagte Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel dem "Handelsblatt" (Freitag). Hintergrund ist eine Strafanzeige von Klaus Harisch und Peter Wünsch, den Gründern des Telekom-Konkurrenten Telegate (Kurswerte anzeigen). Sie geben an, durch falsche Kostenabrechnungen der Telekom einen Millionenschaden erlitten zu haben. Parallel läuft eine Schadenersatzklage über rund 900 Millionen Euro.

Auch die zuletzt deutlich verbesserten Finanzwerte kamen wieder etwas zurück: So fielen Aktien der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) als schwächster Dax-Wert um mehr als 4 Prozent. Papiere der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) büßten knapp 2 Prozent ein.

Solarwerte setzen Erholung fort

Solarwerte setzten indes ihre Erholung vom Vortag fort. Q-Cells (Kurswerte anzeigen) gelang dies besonders deutlich mit plus 6 Prozent. Händler verwiesen auf zwei positive Faktoren: So ist die Aktie des US-Konkurrenten First Solar (Kurswerte anzeigen) nach Übernahmespekulationen am Vorabend in den USA um mehr als 6 Prozent in die Höhe geschnellt. Zudem hätten die jüngsten Aussagen von Solarworld-Chef Frank Asbeck für Optimismus im Sektor gesorgt.

Das von der Staatspleite bedrohte Griechenland kann nach Einschätzung Asbecks in der Photovoltaik bis 2020 einen Sprung nach vorne schaffen. "Das sind keine Fantasien", sagte er der Nachrichtenagentur dpa am Rande des Besuchs von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in Athen. Der Solaranlagenbauer SMA Solar (Kurswerte anzeigen) dagegen, der wegen seines besonderen Geschäftsmodells vom Wertverlust der Branchenaktien in den vergangenen Monaten weitgehend verschont geblieben war, büßte am Freitag 8 Prozent an Wert ein.

Der Euro  profitierte zum Wochenausklang von der guten Börsenstimmung und überraschend robusten Arbeitsmarktdaten aus den USA. Am späten Freitagnachmittag kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,3524 Dollar und damit rund einen Cent mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3434 (Donnerstag: 1,3269) Dollar festgesetzt.

Deutsche Anleihen verbuchten Kursverluste. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sank bis zum Abend um 0,44 Prozent auf 135,28 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg im Gegenzug auf 2,0 Prozent.

Die Ölpreise legten nur zeitweise zu. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur November-Lieferung kostete gegen Abend 105,85 US-Dollar. Das waren 12 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) stieg um 44 Cent auf 83,03 Dollar.

rei/ak/dpa-afx
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