Samstag, 25. Januar 2020

Dexia-Absturz Belgien will Dexia-Sparten in eine Bad-Bank retten

Didier Reynders: Der belgische Finanzminister will die Dexia mit einer Bad-Bank retten

Es ist ein Symbol für den Niedergang eines einstigen Staatslieblings: Belgiens Finanzminister Didier Reynders will Sparten des Bankhauses Dexia in eine Bad-Bank retten. Zu schwer wiegen die Lasten aus der Griechenland-Krise. Schon erhält Dexia neue Staatshilfeversprechen - aus Frankreich.

Brüssel - Belgien ist für eine Auslagerung von riskanten Teilen des Finanzkonzerns Dexia. Die Bereiche sollten in eine sogenannte Bad Bank eingebracht werden, sagte Finanzminister Didier Reynders am Dienstag im belgischen Fernsehsender RTL. "Wir werden alle Maßnahmen ergreifen, um die Banktätigkeit aufrecht zu erhalten, besonders in Belgien, weil man weiß dass die Bank in Belgien absolut gesund ist", sagte Reynders.

Sein luxemburgischer Amtskollege Luc Frieden rechnet heute aber nicht mehr mit einer Entscheidung zu dem Thema. Es herrsche keine Panik, sagte er. Allerdings wollen Schlüsselmitglieder des belgischen Kabinetts offiziellen Angaben zufolge noch am Dienstagabend zusammenkommen, um über Dexia zu beraten.

Belgiens amtierender Ministerpräsident Yves Leterme versicherte, die Anteilseigner und die Sparer der Bank würden in der Krise "nicht einen Eurocent verlieren". Belgien und Frankreich seien in Gesprächen, wie sie als Anteilseigner der Bank solidarisch zusammenarbeiten könnten, um Dexia durch die schwierige Situation in der Eurokrise zu bringen, sagte er im Flämischen Fernsehen VRT.

Der französische Finanzminister François Baroin kündigte am Rande eines Finanzministertreffen in Luxemburg an, dass Frankreich und Belgien wie im Jahr 2008 an der Seite der Bank stünden. "Was auch passiert, wir werden eine schnelle und effektive Lösung durchsetzen", sagte Baroin.

Euro-Finanzminister planen Kapitalprüfung für Banken

Nach der Sitzung der Euro-Finanzminister meldete sich auch Österreichs Finanzministerin Maria Fekter zu Wort. Die Euro-Staaten beabsichtigten angesichts der angespannten Lage der Banken die Kapitalisierung der Institute zu überprüfen. Das Thema sei nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten der Dexia intensiv diskutiert worden.

Es sei unumstritten, ob die nationalen Behörden und Regierungen dafür zuständig seien. "Was diskutiert wird, ob diese Eigenkapitalausstattung ausschließlich über den Steuerzahler zu finanzieren ist und ob dafür nur Staatshilfe heranzuziehen ist", sagte Fekter. Sie persönlich sei dafür, dass die Banken sich über den Kapitalmarkt selbst stärken müssten. Alle Euro-Staaten seien aufgerufen, die Lage ihrer Banken zu prüfen.

Die Aktie der teilverstaatlichten belgisch-französischen Bank Dexia war trotz Hilfszusicherungen der Regierungen am Morgen weiter eingebrochen. Das Papier stürzte zeitweise um 38 Prozent auf 0,81 Euro ab, nachdem es am Montag bereits gut zehn Prozent nachgegeben hatte.

Auslöser war eine Warnung der Ratingagentur Moody's vor einer möglichen Herabstufung der Bonität der Bank, die stark im Geschäft mit griechischen Anleihen vertreten ist. Dexia hatte für das zweite Quartal 2011 einen Verlust von vier Milliarden Euro ausgewiesen. Als Gründe gab die Bank Umstrukturierungen und Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen an. Ende Juni 2011 führte die Bank griechische Staatsanleihen im Volumen von 1,8 Milliarden Euro in ihrer Bilanz auf.

Dexia gehört nach der Rettungsaktion im Jahr 2008 zu 17,6 Prozent dem französischen Staatsfonds CDC. Weitere jeweils 5,7 Prozent werden von Belgien und Frankreich direkt gehalten, dazu kommen 5,7 Prozent im Besitz der belgischen Regionen. Die Bank beschäftigt 35.000 Mitarbeiter und ist vor allem in Belgien, Luxemburg und der Türkei aktiv. Für das Jahr 2010 wies sie noch einen Gewinn von 723 Millionen Euro aus.

ms/dapd/reuters/afp

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