Börse Dax mit größtem Quartalsverlust seit 2002

Belastet von Gewinnmitnahmen hat der Dax die Handelswoche mit deutlichen Kursverlusten beendet. Auf Wochensicht steht zwar ein Plus zu Buche, doch auf Quartalsicht sieht es düster aus: Der Dax hat zwischen Juli und September so stark nachgegeben wie seit neun Jahren nicht mehr.
Abwärts: Zum Wochenschluss brachten viele Investoren Geld in Sicherheit

Abwärts: Zum Wochenschluss brachten viele Investoren Geld in Sicherheit

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Der deutsche Leitindex Dax  ging am Freitag mit einem Minus von 2,4 Prozent auf 5502 Punkte aus dem Handel. Auf Wochensicht steht indes nach der Kurserholung an den Vortagen ein Plus von 5,9 Prozent zu Buche. Wesentlich düsterer liest sich die Quartalsbilanz: Seit Ende Juni büßte der Dax aufgrund des Kurssturzes im August insgesamt rund 25 Prozent ein, so viel wie seit neun Jahren nicht mehr.

Der MDax  der mittelgroßen Werte verlor am Freitag 3,4 Prozent auf 8341 Punkte, der TecDax  gab um 2,8 Prozent auf 662 Punkte nach.

Nach dem Ja des Bundestages zu einem größeren Euro-Rettungsschirm am Vortag hätten nun wieder Konjunkturdaten im Fokus gestanden, sagten Börsianer. Besonders auf die Stimmung drücke die steigende Inflation in der Eurozone, denn diese mache eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) sehr unwahrscheinlich. Zudem löste die Einkaufsmanager-Umfrage PMI aus China neuerliche Sorgen um das Wirtschaftswachstum in Asien aus.

Selbst positive Konjunkturdaten aus den USA konnten die Kurse nur kurzzeitig etwas stützen. "Aktieninvestoren nehmen ihre Einsätze schnell wieder vom Tisch, sobald sich auch nur die Spur eines Zweifels in die temporäre Beruhigung mischt", hieß in einer Einschätzung der NordLB.

Finanztitel und Autotitel unter Druck - Deutsche Bank sehr schwach

Am Dax-Ende versammelten sich Aktien aus der Finanz- und der Autobranche. Schlusslicht waren die Titel der Deutschen Bank  mit minus 6,83 Prozent auf 26,320 Euro, die sich zuvor im Verlauf der Woche noch kräftig erholt hatten.

Autowerte litten Marktteilnehmern zufolge unter den Ängsten vor einer Abschwächung des Wachstums in China. Die Vorzüge von Volkswagen (VW) verloren knapp sechs Prozent, die Titel von BMW fielen um mehr als fünf Prozent.

Überdurchschnittlich entwickelten sich Aktien, die als defensiv gelten. Die Papiere von Fresenius Medical Care waren mit plus 1,51 Prozent auf 51,02 Euro der einzige Dax-Wert in der Gewinnzone.

MDax: Hugo Boss stark unter Druck

Im MDax sackten die Aktien von Hugo Boss Vz. (Kurswerte anzeigen) um 12,09 Prozent auf 60,28 Euro ab. Börsianer verwiesen auf Berichte, wonach es der US-Bank Goldman Sachs zufolge in der Luxusgüterbranche zu Übernahmen kommen könnte. Hugo Boss wiederum sei hier als einer der möglichen Konzerne genannt worden, die Zukäufe anstreben könnten.

Die Papiere von Axel Springer wiederum gaben im späten Handel nach und verbilligten sich schließlich um 2,35 Prozent um 25,925 Euro. Die Axel Springer AG will Teile der WAZ-Gruppe kaufen. Eine Springer-Sprecherin bestätigte am Freitag in Berlin einen entsprechenden Bericht von manager magazin.

Die Titel von Solarworld (Kurswerte anzeigen) waren mit einem Abschlag von 9,28 Prozent auf 3,130 Euro das TecDax-Schlusslicht. Die Credit Suisse hatte das Kursziel für die Anteile an dem Solarkonzern auf 4,50 Euro halbiert. Es gebe weiter keine Verbesserungen, und die Gewinnmargen dürften weiter schrumpfen, schrieb Analyst Karsten Iltgen.

Euro gibt wieder nach

Der EuroStoxx 50 verlor 1,48 Prozent auf 2179,66 Punkte. Für die Leitindizes in Paris und London ging es ebenfalls nach unten. Auch der New Yorker Dow Jones lag zum europäischen Handelsschluss im Minus.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,74 (Vortag: 1,73) Prozent. Der Rentenindex Rex legte um 0,06 Prozent auf 129,54 Punkte zu. Der Bund Future gewann 0,97 Prozent auf 136,56 Punkte.

Der Kurs des Euro fiel, zuletzt lag er bei 1,3459 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,3503 (1,3615) Dollar festgesetzt, der Dollar damit 0,7406 (0,7345) Euro.

Ölpreise von schwachen Aktienmärkten belastet

Die Ölpreise sind zum Wochenausklang von den schwachen Aktienmärkten belastet worden. Ein Barrel der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) (159 Liter) zur November-Lieferung kostete am Freitagabend 103,07 US-Dollar. Das waren 88 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) sank um 1,41 Dollar auf 80,73 Dollar. Am Donnerstag hatten die Ölpreise im Fahrwasser sehr fester Aktienmärkte kräftig zugelegt.

mg/krk/dpa-afx
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.