Börse Die Unsicherheit ist zurück

Einen Tag vor der Abstimmung des Bundestages über die Erweiterung des EFSF kehrt die Unsicherheit an den Aktienmarkt zurück. Nach zwei Tagen mit kräftigen Zuwächsen schließt der Dax wieder im Minus. Gewinnmitnahmen drücken Bankentitel.
Händler in Frankfurt: Der Dax schließt nach zwei Tagen mit Kursgewinnen wieder im Minus

Händler in Frankfurt: Der Dax schließt nach zwei Tagen mit Kursgewinnen wieder im Minus

Foto: Getty Images

Frankfurt am Main - Die jüngste Dax-Rally hat am Mittwoch wegen der anhaltenden Verunsicherung durch die Euro-Schuldenkrise ein Ende gefunden. Der deutsche Leitindex Dax (Kurswerte anzeigen) beendete den schwankungsfreudigen Handelstag 0,89 Prozent tiefer bei 5.578,42 Punkten. Auf seinem Tageshoch bei 5700 Punkten hatte er noch knapp 15 Prozent über seinem Tief vom vergangenen Freitag notiert.

Der MDax (Kurswerte anzeigen) der mittelgroßen Werte verabschiedete sich mit Verlusten von 0,9 Prozent bei 8548 Punkten, und der Technologiewerte-Index TecDax  schloss 0,54 Prozent schwächer bei 686 Punkten.

In der Euro-Schuldenkrise steht in den nächsten Wochen ein Termin-Marathon an. Auftakt ist die Bundestagsabstimmung über die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF an diesem Donnerstag. Nach der EFSF-Abstimmungsprozedur folgen die Entscheidungen über das zweite Griechenland-Paket sowie über den künftigen, dauerhaften Rettungsschirm ESM.

Entscheidungen über EFSF, Griechenland und ESM stehen an

"Auch wenn insgesamt der erweiterte Rettungsschirm eine klare Mehrheit finden sollte, wäre dennoch das Verfehlen einer Kanzlermehrheit der Ausgang einer verschärften politischen Krise in Euroland", warnte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. Aktienhändler Markus Huber von ETX Capital sprach von einer verzögerten Marktreaktion auf Aussagen von EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso, der sich mehr auf eine Finanztransaktionssteuer fokussiere als auf eine Lösung der europäischen Finanzkrise.

Dazu verunsicherten Meldungen, denen zufolge die Banken einen höheren Beitrag für das griechische Rettungspaket schultern müssten.

Dow Jones legt im frühen Handel zu

An der Wall Street setzten die Indizes zunächst ihre Erholung fort. Anleger honorierten die jüngsten Anstrengungen der europäischen Politiker, die Ausbreitung der Schuldenprobleme auf andere Euro-Länder zu verhindern. Doch zuletzt bröckelten auch im Dow Jones  die Gewinne wieder etwas ab.

Auf Konjunkturseite verzeichnete die US-Industrie im August eine sinkende Nachfrage. Allerdings nahmen die Kapitalgüteraufträge zu. Analysten deuteten das als Zeichen, dass die befürchtete Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft verhindert werden kann.

Apple, Amazon und Microsoft im Blick

Im Fokus standen zudem die Aktien von Amazon  und Apple  . Der weltgrößte Onlinehändler will den iPad-Hersteller mit einem eigenen Tablet-Computer angreifen. Das Gerät sollte noch am Mittwoch vorgestellt werden.

Deutliche Gewinne verzeichnete die Aktie von Microsoft : Der Softwareriese und der südkoreanische Hersteller Samsung  öffnen sich gegenseitig den Zugang zu ihren Patenten. Als Teil des Deals werde Samsung Lizenzzahlungen für Smartphones und Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android leisten, betonte Microsoft am Mittwoch. Nach dem taiwanischen Konkurrenten HTC ist Samsung bereits der zweite Android-Gerätehersteller, der ein Patentabkommen mit Microsoft abschließt.

Finanztitel bleiben im Blick - starke Kursschwankungen

Im Fokus bleiben die zuletzt erholten Bankenwerte: Die Aktien der Deutschen Bank  kletterten am Morgen ins Plus dank positiv aufgenommener Aussagen von EU-Kommissionspräsident Jose Barroso über griechische Banken und zur schnelleren Umsetzung der Pläne für einen permanenten Euro-Rettungsschirm ESM. Zuletzt stand aber wieder ein Minus von knapp 4 Prozent zu Buche.

Aktien der Commerzbank  büßten ebenfalls knapp 4 Prozent ein. Die "Financial Times Deutschland" berichtete von Plänen einer stärkeren Beteiligung des Finanzsektors an der Rettung Griechenlands. Der bislang geplante Abschlag von 21 Prozent, den die Finanzbranche nach den bisherigen Plänen bei ihren griechischen Staatsanleihen hinnehmen soll, reiche wohl nicht aus.

SAP sieht Auftrags-Pipeline gut gefüllt

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten neben Merck KGaA  die Aktien von SAP . Händler verwiesen auf Aussagen von SAP-Vertriebschef Robert Enslin in "Finanz & Wirtschaft", demzufolge der Softwarekonzern dank einer gut gefüllten Vertrags-Pipeline auch im Abschwung weiter gute Ergebnisse liefern sollte.

Andere Börsianer sahen hierin indes keinen großen Neuigkeitswert. Sie begründeten das Plus mit starken Zahlen des IT- und Managementberaters Accenture für das vierte Geschäftsquartal.

Razzia bei Eon und RWE

Die beiden Versorger Eon  und RWE  standen nach einer groß angelegten Razzia vom Vortag im Blickpunkt. Die EU-Kommission verdächtigt Erdgas-Unternehmen in Europa, beim Gaspreis mit unfairen Bandagen zu kämpfen. Mehrere Gasversorger in Ost- und Zentraleuropa waren am Vortag Ziel der Durchsuchungen, unter anderem Deutschlands größte Ferngasgesellschaft Eon Ruhrgas. Die Unternehmen bestätigten die Durchsuchungen, nannten aber keine Details.

Ölpreise schwächer

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch im asiatischen Handel von ihrem jüngsten Aufwärtstrend verabschiedet. Ein Barrel der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) (159 Liter) zur November-Lieferung kostete zuletzt 106,08 Dollar und damit 1,06 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) sank um 1,54 Dollar auf 82,91 Dollar.

Der Kurs des Euro  hat am Mittwoch im frühen Handel etwas nachgegeben und damit an seine Verluste aus dem späten Dienstagshandel angeknüpft. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,3577 US-Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,7364 Euro wert.

mg/dpa-afx
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