Notoperation Schaeffler wird zur Aktiengesellschaft

Der Automobilzulieferer Schaeffler wandelt sich zur Aktiengesellschaft. Hintergrund ist allerdings nicht ein angestrebter Börsengang, sondern eine Forderung der Banken. Das hochverschuldete Unternehmen hofft nun auf "vielfältige Optionen" am Kapitalmarkt.
Zu Umfirmierung gezwungen: (v. l.) Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler

Zu Umfirmierung gezwungen: (v. l.) Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler

Foto: DPA

Hamburg - Der in Familienbesitz befindliche Autozulieferer Schaeffler wandelt sich in eine Aktiengesellschaft um, strebt aber nicht an die Börse. Damit setze das Unternehmen seinen Weg zur Kapitalmarktfähigkeit weiter fort, teilte der Mehrheitseigner der börsennotierten Continental AG am Montag mit.

"Wir haben nun ein noch umfangreicheres Instrumentarium am Kapitalmarkt, mehr unternehmerische Flexibilität und Transparenz", sagte Aufsichtsratschef Georg Schaeffler. Dem Konzern stünden "vielfältige Optionen" am Kapitalmarkt zur Verfügung.

Ein Börsengang der neuen AG sei aber nicht geplant. "Als werteorientiertes Familienunternehmen wollen wir uns langfristig alle strategischen Optionen offen halten", erklärte Familienoberhaupt Maria-Elisabeth Schaeffler. Mit der Umwandlung kommt Schaeffler einer Forderung der Banken nach, die eine größere Transparenz des Unternehmens verlangen.

Unter der Ägide der Schaefflers hatte sich der fränkische Wälzlager- und Kupplungsspezialist aus Herzogenaurach vor einigen Jahren den sehr viel größeren Autozulieferer Continental  einverleiben wollen und sich dabei hoch verschuldet. In der Finanzkrise führte dies fast zum Kollaps.

Weiterhin kein Zeitplan für die Fusion

Inzwischen verringerte Schaeffler seine direkte und indirekte Beteiligung an Conti von 75 auf gut 60 Prozent, um mit dem Erlös einen Teil seines Schuldenbergs abzutragen. Um den Konzern zu retten, musste die Eigentümerfamilie zudem den Arbeitnehmern Zugeständnisse wie die vor einiger Zeit eingeführte Mitbestimmung machen.

Der geplante Zusammenschluss von Schaeffler und Conti wurde auf die lange Bank geschoben. Die IG Metall erklärte, mit der Umwandlung sei Schaeffler aus Sicht der Arbeitnehmer für die Zukunft gut aufgestellt. Jetzt könne der Konzern auch daran gehen, die Perspektiven seiner Mehrheitsbeteiligung an Conti und die damit zusammenhängende Schuldenbelastung zu klären, sagte Bezirkschef Jürgen Wechsler, der stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Schaeffler ist. Nach Worten eines Sprechers fordert die Gewerkschaft eine Klärung, ob Conti und Schaeffler operativ zusammengeführt werden oder nicht.

Zuletzt hatte Schaeffler immer wieder betont, es gebe keinen Zeitplan für eine Fusion. Conti pocht auf seine Selbständigkeit und hofft angesichts guter Geschäfte auf eine Rückkehr in den Leitindex Dax.

krk/rtr

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