Konjunktursorgen Dax bricht um 5 Prozent ein

Die Rezessionsangst geht wieder um: Aussagen der US-Notenbank zu den Abwärtsrisiken der Konjunktur ziehen die US-Börsen in die Tiefe, und der Dax kennt kein Halten mehr. Die Herabstufung weiterer Großbanken belastet vor allem Finanztitel. Aktien der Deutschen Bank stürzen erneut ab.
Besorgte Mienen: An der Börse herrscht wieder die Furcht vor der Rezession

Besorgte Mienen: An der Börse herrscht wieder die Furcht vor der Rezession

Foto: Richard Drew/ AP

Frankfurt am Main - Neu entfachte Sorgen um die Konjunktur haben die jüngste Talfahrt des Dax  am Donnerstag beschleunigt. Der Leitindex sackte um 4,96 Prozent auf 5.164,21 Punkte ab und fuhr damit den größten Tagesverlust seit rund zweieinhalb Wochen ein. Alle Dax-Einzelwerte schlossen deutlich im Minus.

Bereits am Vortag hatte der Leitindex deutlich nachgegeben, insgesamt stehen nun in dieser Woche drei Handelstage mit klaren Kursverlusten zu Buche. Der MDax  sank am Donnerstag um 5,66 Prozent auf 8.230,49 Punkte, der TecDax büßte 4,73 Prozent auf 654,74 Punkte ein.

Die Aussagen der US-Notenbank vom Vorabend hätten stark auf die Stimmung gedrückt, sagte Marktbeobachterin Anita Wisniewska-Paluch von Gekko Global Markets. Die Fed hatte am Mittwoch wegen "signifikanter Abwärtsrisiken" für die US-Konjunktur wie erwartet die Umschichtung von Anleihekäufen angekündigt.

Auch Wall Street nach Fed-Aussagen sehr schwach

Auch an der Wall Street gaben die Kurse kräftig nach. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen)brach bis zum frühen Abend um mehr als 3 Prozent auf 10.782 Punkte ein. Der Index der Technologiebörse Nasdaq (Kurswerte anzeigen)verlor knapp 3 Prozent auf 2472 Punkte.

Die Aussagen der US-Notenbank Fed vom Vorabend hätten stark auf die Stimmung gedrückt, sagte Marktbeobachterin Anita Wisniewska-Paluch von Gekko Global Markets. Die Fed hatte am Mittwochabend wegen "signifikanter Abwärtsrisiken" für die US-Konjunktur wie erwartet die Umschichtung von Anleihekäufen angekündigt.

Ziel der sogenannten "Operation Twist"ist es, die langfristigen Zinsen zu senken und Kredite tendenziell billiger zu machen. Dies soll Wirtschaft und Verbrauchern helfen. Viele Experten bezweifeln aber die Wirkung der Maßnahme.

Weltbank-Präsident Robert Zoellick sagte indes mit Blick auf die Weltwirtschaft, er halte ein neuerliches Abgleiten in die Rezession zwar nach wie vor für unwahrscheinlich. "Aber mein Vertrauen verliert täglich an Boden angesichts des stetigen Flusses an schlechten Nachrichten."

Banken aus USA und Italien abgestuft - Deutsche Bank sehr schwach

Bonitätsabstufungen von italienischen Bankenund einigen US-Institutenführten bei den Aktien der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen)sowie der Commerzbank (Kurswerte anzeigen)zu starken Kursverlusten. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte die Bonität für sieben italienische Banken gesenkt und gedroht, dass dies bei acht weiteren noch geschehen könnte. Moody's hatte das Rating einiger US-Finanzhäuser gesenkt, darunter die Bank of America .

Den Titeln deutscher Branchenvertreter brachte das ein kräftiges Minus ein. Die Titel der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) rutschten am Index-Ende um 8,39 Prozent auf 21,895 Euro ab, Commerzbank-Aktien verloren mehr als sechs Prozent, im MDax stürzten die Titel der Aareal Bank Bank um knapp zwölf Prozent ab.

Herbe Verluste gab es angesichts der Konjunktursorgen auch im Autosektor. Daimler-Aktien verbuchten ein Minus von 7,53 Prozent auf 32,735 Euro. VW-Papiere büßten rund sechseinhalb Prozent ein, BMW-Titel etwa fünfeinhalb Prozent. Marktteilnehmer verwiesen zudem auf einen Bericht des Börsenbriefs Bernecker, wonach die Branche im vierten Quartal einen Dämpfer erhalten könnte.

Defensive Werte relativ stabil

Auch Metro-Papiere gehörten mit einem Abschlag von 8,14 Prozent auf 28,945 Euro zu den größten Verlierern. Möglicherweise verzichtet der Handelskonzern nun doch auf einen Verkauf der Großmarktkette Real. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf Kreise berichtet, Vorstandschef Eckhard Cordes habe das Vorhaben am Dienstag den im Aufsichtsrat vertretenen Arbeitnehmern vorgestellt. Zudem schwelt die Führungskrise bei Metro offenbar weiter. Medienberichten zufolge soll Cordes nur eine Vertragsverlängerung von maximal zwei Jahren erhalten.

Am besten schnitten noch als defensiv geltende Aktien aus der Gesundheits- und Konsumbranche ab, so verloren etwa die Aktien von Beiersdorf als bester Dax-Wert nur 1,67 Prozent auf 40,070 Euro.

Stada stürzen weiter ab

Im MDax setzten die Aktien von Stada ihren Sinkflug vom Vortag fort. Sie verloren nach den am Mittwoch angekündigten Abschreibungen weitere 9,47 Prozent auf 17,010 Euro, nachdem sie am Mittwoch bereits um mehr als 19 Prozent abgestürzt waren.

Der EuroStoxx 50 sank um 4,79 Prozent auf 1.995,75 Punkte, auch in Paris und London mussten die Leitindizes Verluste hinnehmen. In New York lag der Dow Jones Industrial Industrial zum europäischen Handelsschluss mit mehr als drei Prozent im Minus.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,49 (Vortag: 1,61) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,52 Prozent auf 131,05 Punkte. Der Bund Future gewann 0,58 Prozent auf 138,60 Punkte. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3448 (1,3636) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7436 (0,7334) Euro.

mg/dpa-afx
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