Geplatzte Milliardendeals Banker zockt UBS in die Krise

Desaster für die UBS: Ein Händler hat der Schweizer Großbank mit fehlgeschlagenen Spekulationen ein Minus in Höhe von zwei Milliarden Dollar eingebrockt. Der Aktienkurs der UBS knickt ein. In London wurde ein 31-jähriger Mann festgenommen.
Festnahme in London: UBS-Banker verliert Milliarden

Festnahme in London: UBS-Banker verliert Milliarden

Foto: Getty Images

Zürich - Die Schweizer Großbank UBS  kommt nicht zur Ruhe. Kürzlich erst musste sie mitteilen, rund 3500 Stellen streichen zu wollen; die meisten Arbeitsplätze davon im einst verhätschelten Investmentbanking der Schweizer Großbank. Jetzt stellt sich heraus, dass ein Mitarbeiter dieser Sparte das Geldhaus noch so richtig teuer zu stehen kommen wird.

Nach eigenen Angaben hat ein Händler der Bank sich dermaßen verspekuliert, dass dem Institut ein Schaden von zwei Milliarden Dollar entstanden ist - mit verheerender Wirkung auch auf die Geschäftslage des Schweizer Traditionshauses. Und das kurzfristig, wie auch mittelfristig.

Binnen Minuten rauschte der Aktienkurs der UBS heute um bis zu 8 Prozent in den Keller, bevor er sich mit einem Wert von minus 5,8 Prozent in den ersten Handelsminuten zu stabilisieren schien. Nachhaltiger indes könnten die Bilanzfolgen des Pleitegschäfts der UBS-Investmentabteilung sein: Im dritten Quartal dieses Jahres könnte nun erneut ein dickes Minus auflaufen, warnt das Schweizer Geldhaus heute selbst.

Und das ausgerechnet in einer Phase, in der die UBS sehr viel stärker als andere Banken mit Restrukturierungen zu kämpfen hat. Die UBS musste im zweiten Quartal einen herben Rückschlag hinnehmen, nachdem sie sich gerade erst von den Folgen der Finanzkrise etwas aufgerappelt hatte. Die Großbank, an deren Verwaltungsratsspitze ab 2013 der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber stehen soll, verabschiedete sich nach einem schwachen Quartal von ihren mittelfristigen Zielen.

31-Jähriger in London festgenommen

Wie es zu dem gewaltigen Verlust kommen konnte, ist derzeit noch unklar. Offenbar hat dem Händler niemand rechtzeitig Einhalt geboten. Die automatischen Risikobegrenzungssysteme der Bank scheinen versagt zu haben - oder sie wurden von dem Händler so geschickt umgangen, dass die Systeme nicht Arlarmschlagen konnten. Die UBS selbst spricht heute von "nicht genehmigten Transaktionen" ihres Investmentbankers. Nach Angaben der Bank seien Bestände von UBS-Kunden nicht von den Minusgeschäften betroffen.

"Es ist verblüffend, dass so etwas noch möglich ist", kommentierte ZKB-Trading-Analyst Claude Zehnder das Megaminusgeschäft des UBS-Händlers. "Die Bank hat ganz offensichtlich ein Problem mit ihrem Risikomanagement, und das kostet ihr heute eine Menge Kredit."

In London ist im Zusammenhang mit dem Skandal ein Mann festgenommen worden. Ein 31 Jahre alter Mann sei in der Nacht zum Donnerstag wegen des Verdachts auf Betrug und Amtsmissbrauch festgenommen worden, sagte ein Londoner Polizeisprecher. Auch die UBS bestätigte die Festnahme. Nach Angaben aus Polizeikreisen stand die Festnahme im Zusammenhang mit den unerlaubten Transaktionen bei der UBS.

Der Spekulationsfall erinnert an die französische Großbank Societe Generale, die vom Wertpapierhändler Jerome Kerviel Anfang 2008 an den Rande des Zusammenbruchs gebracht worden war. Er hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen.

Erneut ein Vertrauensverlust für die UBS

Jenseits der finanziellen Folgen fällt nach Ansicht von Analysten vor allem der Reputationsschaden für die Bank ins Gewicht, die sich eben erst von den Folgen der Finanzkrise und dem Steuerstreit mit den USA erholt hat. Damals hatten reiche Kunden in Scharen die Flucht ergriffen, weil sie das Vertrauen in die Bank verloren hatten. Konzernchef Oswald Grübel war mit dem erklärten Ziel angetreten, dieses Vertrauen zurückzugewinnen.

"Auch wenn die Summe nicht so hoch ist, das ist einmal mehr ein Vertrauensverlust und wirft ein sehr schlechtes Licht auf die UBS", sagte Trading Analyst Claude Zehnder von der Zürcher Kantonalbank. Angesichts der Kapitalbasis der UBS sei der Verlust verkraftbar, erklärte ein Analyst beim Lokalrivalen Credit Suisse. "Aber man muss genau beobachten, ob es nicht in naher Zukunft zu einem weiteren Reputationsschaden für die Bank kommt." Das alles reiche weit über das Investmentbanking hinaus, erklärte ein Analyst einer amerikanischen Bank.

Investmentbanking gerät zunehmend unter Druck

Die Bankenaufsicht FINMA erklärte, sie sei über den Milliardenverlust umgehend informiert worden. "Wir haben Kenntnis von dem Fall", sagte ein Sprecher. Genaueres wollte er nicht sagen. "Wir stehen in engem Kontakt mit der Bank."

Der Verlust trifft die Bank mitten in der Diskussion über die Zukunft ihres Investmentbankings. Das Parlament in Bern nahm am Donnerstag die Beratungen über ein neues Bankengesetz auf, das eine Erhöhung der Eigenmittel auf 19 Prozent für Schweizer Großbanken vorsieht. Die Sparte, die knapp 18.000 Leute beschäftigt, war für die Milliardenverluste der Bank in der Finanzkrise verantwortlich.

Das Geschäft dürfte in Zukunft bei verschärften Eigenkapitalvorschriften ohnehin nicht mehr so viel Gewinn abwerfen wie früher, sagte Konzernchef Grübel kürzlich in einem Zeitungsinterview. Auf ihrem Investorentag im November wollte die Bank die weitere Strategie darlegen. "Die Ankündigung von heute fügt der langen Liste von Argumenten für eine substanziell kleinere Investmentbank ein weiteres hinzu", hieß es in einer Marktnotiz von Goldman Sachs.

kst/ap/rtr
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