Dollar-Infusion Notenbank-Coup entfacht Kursfeuerwerk

Überraschungsschlag von EZB, Fed & Co: In einer konzertierten Aktion bieten die wichtigsten Zentralbanken der Welt den krisengeschüttelten Banken zusätzliches Geld an. Die Geldflut sorgt für ein Kursfeuerwerk: Der Dax schließt klar im Plus. An der Wall Street führen Bankentitel die Rally an.
Wertpapierhändler in Brasilien: Kursschub dank der Dollar-Infusion der Notenbanken

Wertpapierhändler in Brasilien: Kursschub dank der Dollar-Infusion der Notenbanken

Foto: MAURICIO LIMA/ AFP

New York / Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den krisengeschüttelten Banken zusätzliche Dollar anbieten. Sie kooperiert dabei mit den Notenbanken der USA, Englands, Japans und der Schweiz.

Der Dax (Kurswerte anzeigen) legte nach der Ankündigung am Donnerstagnachmittag deutlich zu und schloss mit einem Plus von 3,1 Prozent bei 5508 Zählern. Insbesondere die Aktienkurse der Finanztitel schossen in die Höhe.

Die Titel der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen), der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) und auch des Versicherers Allianz (Kurswerte anzeigen) legten zwischen 6 und 8 Prozent zu. Damit erholten sie sich wieder deutlich von ihren Kurseinbußen am vergangenen Freitag und dem folgenden Montag, als die Titel eingebrochen waren.

"Der Markt nimmt positiv auf, dass die Notenbanken versuchen, die Krise mit allen Mitteln zurückzudrängen", sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus.

Hintergrund der Aktion waren Refinanzierungsprobleme am Dollar-Interbankenmarkt. Dollar waren zuletzt in Europa Mangelware, vor allem französische Geldhäuser hatten dem Vernehmen nach öfter Probleme. Der Hauptgrund für die Dollar-Knappheit: Zahlreiche US-Geldmarktfonds hatten sich wegen der Börsenturbulenzen seit dem Sommer zuletzt aus Europa zurückgezogen. Damit wurde es für viele hiesige Banken zunehmend schwieriger, sich zu refinanzieren.

Rally der Bankentitel auch an Wall Street - Kurssprung bei Morgan Stanley

An der Wall Street in New York bauten die Indizes ihre Gewinne am Abend aus. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) der Standardwerte legte bis eine Stunde vor Handelsschluss (21 Uhr MESZ) um 1,3 Prozent zu auf 11.388 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) gewann 0,9 Prozent auf 2595 Punkte.

"Wir haben zuletzt vor allem auf Europa geblickt und heute machen wir da keine Ausnahme", sagte Steve Sosnick von TimberHill/Interactive Brokers Group. "Wenn Europa mit den Schritten der EZB zufrieden ist, dann sind wir es auch." Europa stehe klar im Mittelpunkt des Interesses, stimmte ihm Stephen Massocca von Wedbush Morgan zu. "Niemand scheint sich um die Nachrichten aus der Heimat zu kümmern." Dabei erreichte die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA den höchsten Stand seit Ende Juni. Zudem schrumpfte die Industrieproduktion in mehreren Gebieten der USA.

Die Geldspritze der Notenbanken beflügelte Bankaktien beidseits des Atlantiks. In New York verteuerten sich Bank of America  um rund 2 Prozent. Aktien der Citigroup  legten 2,2 Prozent zu, Goldman Sachs  2,8 Prozent, und die Titel von Morgan Stanley  sogar 5,7 Prozent.

"Es ist schon im Vorfeld deutlich geworden, dass die Banken Probleme haben, an Dollar zu kommen. Dieses Problem sollte durch die Maßnahmen reduziert werden, weil die längerfristige Liquidität sichergestellt wird." Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, lobte die Aktion: "Zu allen Problemen, die auf den Banken ohnehin schon lasten, brauchten wir jetzt nicht noch zu allen Überfluss auch noch eine Devisenknappheit in Europa."

Zuvor war die Erholung der Bankenwerte laut Händlern gestützt worden durch den Schulterschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem französischen Präsidenten Nicola Sarkozy zum Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone.

Zweistellige Kursverluste bei UBS

Einen Denkzettel bekam dagegen das Schweizer Geldhaus UBS  , dessen New Yorker Aktien über 11 Prozent abstürzten. Ein Mitarbeiter des Londoner Investmentbankings brockte der Bank einen Verlust im Wertpapierhandel von zwei Milliarden Dollar ein. Das Institut kann nicht ausschließen, das es deswegen im dritten Quartal in die roten Zahlen rutscht.

Euro mit Kursgewinnen, Ölpreise leicht gefallen, Gold gibt deutlich nach

Der Euro hat am Donnerstag mit starken Kursgewinnen auf die konzertierte Aktion der führenden Notenbanken reagiert. Der Euro legte einen Kurssprung von rund eineinhalb Cent hin. In der Spitze kostete die Gemeinschaftswährung 1,3936 US-Dollar. Bis zum späten Nachmittag gab der Euro aber einen guten Teil der Gewinne wieder ab und stand bei 1,3840 Dollar.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,3795 (Mittwoch: 1,3729) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7249 (0,7284) Euro.

Die Ölpreise sind am Donnerstag im Zuge freundlicher Aktienmärkte deutlich gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Oktober-Lieferung kletterte im Mittagshandel um 2,01 US-Dollar auf 114,41 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) stieg um 29 Cent auf 89,20 Dollar.

Der Goldpreis gab dagegen um mehr als 2 Prozent nach. Anleger schichten von der Krisenwährung Gold (Kurswerte anzeigen) Aktien um, hieß es am Markt.

Die deutschen Staatsanleihen haben am Donnerstag sehr schwach tendiert. Der Dezember-Kontrakt des Euro-Bund-Future sank bis zum Mittag um 0,56 Prozent auf 136,10 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg deutlich auf 1,919 Prozent.

mg/kst/la/dpa-afx/rtr
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