Allianz-Studie Börsencrash vernichtet Vermögen in Billionenhöhe

Die Privatvermögen sind im Jahr 2010 weltweit deutlich gewachsen. Die Deutschen waren so reich wie nie zuvor. Der jüngste Börsencrash machte aber Billionen zunichte. Zwar hat sich das Wohlstandsgefälle ausgeweitet, doch zugleich kommen aus den Schwellenländern immer mehr Vermögende.
Börse Chicago: Der Crash an den Finanzmärkten dürfte weltweit drei Billionen Euro vernichtet haben

Börse Chicago: Der Crash an den Finanzmärkten dürfte weltweit drei Billionen Euro vernichtet haben

Foto: JOHN GRESS/ REUTERS

Frankfurt am Main - Im vergangnen Jahr waren die Deutschen nach Einschätzung des Versicherungskonzerns Allianz so reich wie noch nie zuvor. Das geht aus dem am Mittwoch vorgelegten "Global Wealth Report" hervor. Pro Kopf betrug das Bruttovermögen rund 60.000 Euro.

Allerdings dürfte die Vermögen im Zuge mit dem Börsencrash seit diesem Sommer zuletzt deutlich geschmolzen sein. Die Allianz schätzt die weltweiten Verluste aus dem Sommercrash auf bis zu drei Billionen Euro.

Das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Vermögen bleibt die Schweiz. Als Grund nennt die Studie den starken Franken und das Wirtschaftswachstum in der Alpenrepublik. Im Schnitt wuchs das Pro-Kopf-Vermögen in der Schweiz auf mehr als 207.000 Euro. Auf den Plätzen folgen mit gehörigem Abstand die US-Amerikaner, die Japaner und als reichste EU-Bürger die Dänen mit knapp 105.000 Euro pro Kopf. Deutschland landet auf Rang 17.

Die US-Amerikaner gehörten aber nach der Studie zu den eindeutigen Verlierern - ihre Brutto-Geldvermögen pro Kopf lagen Ende 2010 um durchschnittlich 8,4 Prozent unter dem Niveau von 2007, haben also den Rückgang durch die Finanzkrise nicht wieder wettgemacht. Noch stärkere Einbußen erlitten allerdings die Griechen mit einem Minus von 16,4 Prozent.

Hohe Privatvermögen in Schuldenländern

Noch vor den Deutschen seien bei den Brutto-Geldvermögen je Kopf auch Euro-Länder platziert, die vor einer erheblichen Schuldenproblematik stehen, so zum Beispiel Irland oder Italien, heißt es in der Studie. Die ganz beträchtlichen Privatvermögen in diesen Ländern böten allerdings den Regierungen zusätzliche Möglichkeiten, aus eigener Kraft den Schuldenabbau voranzutreiben. So seien zum Beispiel befristete Vermögensabgaben denkbar, sagte Allianz-chefvolkswirt Michael Heise bei der Vorstellung des Reports. Deutschland komme hingegen bei der Haushaltskonsolidierung gut voran und sollte nach seiner Einschätzung auf Steuererhöhungen verzichten. "Wir sollten die private Nachfrage am Leben erhalten."

Weltweit ist dem Report zufolge im vergangenen Jahr das gesamte verfügbare Privatvermögen um 6,2 Prozent auf insgesamt 95,3 Billionen Euro angewachsen und hat damit das Vorkrisenniveau von 2007 erstmals wieder übertroffen. Die Inflation wird dabei nicht berücksichtigt.

Innerhalb der gesamten Dekade betrug der jährliche Wertzuwachs der Vermögen aber nur 4,1 Prozent, pro Kopf gerechnet sogar nur 3,2 Prozent, wie Heise berichtete. "Die Sparer mussten den wiederkehrenden Finanzkrisen Tribut zollen."

Nach wie vor sitzen die großen Vermögen vorwiegend in den westlichen Industrieländern und Japan, die in der Krise aber auch am deutlichsten gelitten hätten. Das Wohlstandsgefälle sei weiter gewachsen. Allerdings gelinge immer mehr Haushalten aus den Schwellenländern der Sprung in die globale Vermögensmittelschicht, die der Report zwischen 6000 und 36.200 Euro pro Kopf angesetzt hat. 300 Millionen von weltweit 500 Millionen Menschen in dieser Gruppe kommen nicht aus den alten Industrieländern. Das werde große Auswirkungen auf die weltweiten Finanz- und Vermögensmärkte haben.

Deutsche Spitzenmanager der Dax-Konzerne beziehen indes nach der Finanzkrise wieder Spitzengehälter, wie eine weitere Studie ergab. Im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung wurden die 30 Konzerne des Deutschen Aktienindex (Dax) untersucht. Zwischen 2008 und 2010 sei die durchschnittliche Vergütung der Vorstandsmitglieder um 21 Prozent gestiegen, teilte die Stiftung am Mittwoch mit. In 21 Dax-Konzernen verdienten die Top-Manager im Schnitt mehr als zwei Millionen Euro. Hinzu kämen noch Leistungen für die Altersvorsorge. Damit nähere sich das Gehaltsniveau wieder dem Rekordjahr 2007 an.

rei/dpa/dapd
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