Aktien, Euro, Öl Hoffnung auf Euro-Bonds befeuert Dax

Der Dax legt mehr als 3 Prozent zu und schließt auf Tageshoch. Anleger hoffen auf politische Fortschritte zur Bewältigung der Euro-Krise - zum Beispiel in Form von Euro-Bonds. Autotitel legen deutlich zu.
Auf und Ab: Der Dax schwankte am Mittwoch um rund 5 Prozent

Auf und Ab: Der Dax schwankte am Mittwoch um rund 5 Prozent

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Erneute Spekulationen auf die Einführung von Euro-Bonds haben die europäischen Aktienmärkte am Mittwoch gestützt. Der Dax  setzte seine am Dienstag begonnene Erholung fort und legte bis zum Handelsschluss au Xetra um 3,4 Prozent auf 5342 Zähler zu, nachdem er am Morgen noch bis zu 1,2 Prozent nachgegeben hatte.

"Euro-Bonds wären ein großer Schritt nach vorn", sagte Klaus Wiener, Chef-Volkswirt bei Generali Investments. Denn die höher verschuldeten Staaten könnten sich dann wieder am Kapitalmarkt refinanzieren. Allerdings wären die Euro-Bonds an strenge Auflagen zur Haushaltsdisziplin geknüpft. "Denn anders kann es nicht funktionieren."

Auch Österreich konnte die Stimmung nicht nachhaltig trüben. Der Finanzausschuss des österreichischen Nationalrats hat am Mittwoch der von den Koalitionsparteien eingebrachten massiven Aufstockung der österreichischen Haftungen auf 21,6 Milliarden Euro für den Euro-Rettungsschirm (EFSF) nicht zugestimmt.

Gespräch von Merkel und Sarkozy am Abend

Kanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou wollen am Abend über das weitere Vorgehen in der Schuldenkrise beraten. Darüber hinaus betonte Sarkozy, sein Land werde alles tun, um eine Pleite Griechenlands zu verhindern.

Unabhängig davon wollen die sogenannten BRICS-Staaten - Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika - bei einem Treffen in der kommenden Woche über einen Kauf von europäischen Bonds reden. Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao machte Investitionen allerdings von ernsthaften Sparanstrengungen abhängig.

Auch die russische Regierung pochte auf eine klare Lösung in der Schuldenkrise, bevor Hilfen in Erwägung gezogen würden.

Moody´s stuft französische Banken ab

Die Herabstufung der Bonität von Credit Agricole und Societe Generale durch die Rating-Agentur Moody's rückte erneut die Finanzwerte ins Rampenlicht. Die Aktien von Societe Generale und BNP Paribas verbuchten in der Spitze Verluste von über neun Prozent. Credit Agricole gaben um bis zu sechs Prozent nach. Moody's hatte bekräftigt, eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Bank zu prüfen. Zudem kündigte BNP an, die Bilanz bis Ende 2012 um rund zehn Prozent kürzen zu wollen.

Im Fahrwasser der Erholung des Gesamtmarktes machten die drei französischen Banken ihre Verluste teilweise wieder wett. Der europäische Branchenindex drehte ebenso ins Plus wie die Deutsche Bank und die Commerzbank . Die Aktien der beiden deutschen Institute notierten am Nachmittag 0,3 beziehungsweise 0,8 Prozent fester.

Autotitel gefragt: BMW und Daimler legen deutlich zu

Die Aktien von BMW (Kurswerte anzeigen)stiegen ebenfalls um rund 5 Prozent. Dass der Münchener Autobauer laut der "Financial Times Deutschland" BMW- und Mini-Modelle in einem Werk herstellen will, um Absatzschwankungen abzufedern, nannte ein Händler eine gute Nachricht. Zudem äußerte sich die WestLB positiv zur Aktie: Das Management habe am Vorabend optimistische Töne angestimmt, schrieb Analyst Adam Hull und beließ das Papier auf "Add" mit einem Kursziel von 58,00 Euro. Ebenso wie BMW legte auch Daimler (Kurswerte anzeigen)zuletzt deutlich zu.

Dass Morphosys in der Kooperation zur Entwicklung von Krebsmedikamenten mit Bayer einen weiteren Fortschritt erzielt hat, gab der Aktie des Biotechnologie-Unternehmens leichten Auftrieb.

Deutsche Börse sehr fest - Fusion mit NYSE rückt näher

Favorit im Dax waren hingegen die Anteilsscheine der Deutschen Börse mit plus 4,11 Prozent auf 41,70 Euro, nachdem sie bereits am Dienstag um knapp fünf Prozent zugelegt hatten. Analysten sind zunehmend optimistisch, dass der Zusammenschluss mit der NYSE Euronext zur weltgrößten Börse ohne allzu beeinträchtigende Auflagen genehmigt werden wird. Zudem gehört die Börse zu den größten Profiteuren der Marktturbulenzen.

US-Börsen im frühen Handel mit Gewinnen

Die Wall Street ist am Mittwoch den positiven Vorgaben aus Europa gefolgt. Die europäischen Aktienmärkte wurden von erneuten Spekulationen über die Einführung von Euro-Bonds als Antwort auf die Schuldenkrise gestützt.

Der Dow Jones  legte in den ersten Minuten um 0,2 Prozent auf 11.131 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,4 Prozent auf 1177 Zähler.

Technologiewerte waren in den USA erneut gefragt: Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) gewann 0,7 Prozent auf 2550 Punkte.

US-Einzelhandelsumsätze stagnieren

Stagnierende Umsätze der US-Einzelhändler hatten keine Auswirkungen auf die US-Börsen, obwohl die Sorge um die Wirtschaft die Kauflaune der Amerikaner dämpfte. Die Daten gelten als wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung in den USA, da deren Wirtschaftsleistung zu mehr als zwei Dritteln vom privaten Konsum abhängt.

Die Papiere von Dell stiegen um 1,8 Prozent. Das Board genehmigte den Rückkauf von Aktien im Wert von fünf Milliarden Dollar. Erst vor einem Monat hatte der Computerhersteller seine Prognose für 2012 wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage gesenkt.

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la/dpa-afx
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