Ausblick Neue Zitterwoche für die Börse

Auch die kommende Woche dürfte für die Börsianer unruhig werden. Zahlreiche Konjunkturdaten aus den USA könnten für Bewegung sorgen. Hinzu kommen die anhaltenden Sorgen die Euro-Schuldenkrise - der nächste Termin für eine neue Kredittranche an Griechenland rückt näher.
Was macht die US-Konjunktur? An der Börse gibt es zurzeit viele fragende Gesichter

Was macht die US-Konjunktur? An der Börse gibt es zurzeit viele fragende Gesichter

Foto: Richard Drew/ AP

Frankfurt am Main - Wer derzeit eine Aktienmarktprognose abgibt, kann nur eins mit Sicherheit sagen: Die Börse bleibt volatil. Die Staatsschuldenkrise der Euro-Zone und die klamme Konjunktur der USA werden auch in den kommenden Tagen an den Nerven der Investoren zerren. Aus Sorge der Anleger, dass beides kurzfristig nicht in den Griff zu kriegen ist, hat der Dax  seit August rund ein Drittel an Wert verloren - allein in der abgelaufenen Woche waren es 6,3 Prozent.

Zum Wochenschluss schürte die überraschende Rücktrittsankündigung des EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark Zweifel daran, dass die Euro-Länder ihrer Schuldenkrise Herr werden, und versetzte dem Dax einen weiteren Schlag. Der Leitindex schloss am Freitag 4 Prozent schwächer bei 5190 Zählern und damit auf dem Niveau von Mitte August 2009. Gemessen am fundamentalen Wert der Unternehmen sei das zu niedrig, sagen einige Experten und machen daran ihre Hoffnung auf eine Erholung fest.

"So tief wie die Aktienkurse inzwischen notieren, ist eine Menge Pessimismus eingepreist", erläutert Analyst Mario Gruppe von der NordLB. "Ich sehe eine gute Chance, dass die US-Konjunkturdaten in der nächsten Woche doch wieder etwas Optimismus verbreiten werden. Und sollten neue Hiobsbotschaften aus der Euro-Zone ausbleiben, dann scheint eine Erholung am Aktienmarkt möglich." Ähnlich sehen das die Analysten der Landesbank Berlin. Allerdings sollten nur Anleger mit ausreichender Puste das günstig erscheinende Kursniveau nutzen. Eine nachhaltige Stabilisierung des Marktes sei erst mittelfristig zu erwarten.

Schrammen die USA an der Rezession vorbei?

Angesichts der Spekulationen um einen Rückfall der USA in die Rezession werden die dortigen Konjunkturdaten mit Argusaugen verfolgt. Vor allem die Einzelhandelsumsätze am Mittwoch stehen im Fokus, da der private Konsum für rund zwei Drittel des US-Bruttoinlandsproduktes verantwortlich ist. Analysten rechnen damit, dass die Umsätze im Vergleich zum Vormonat leicht gestiegen sind. Sie sagen ein Plus von 0,2 (Juli: 0,5) Prozent voraus.

Im Wochenverlauf stehen der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von New York und der Philadelphia Fed Index auf dem Terminplan. Im August waren die beiden Frühindikatoren eingebrochen und hatten dadurch die Rezessionsängste angefacht. Für September sind Analysten nun wieder optimistischer und prognostizieren eine Erholung für beide Indizes. Den Abschluss des Datenreigens bildet der von der Universität von Michigan ermittelte Index des US-Verbrauchervertrauens.

Hierzulande wird die Frage, wann die nächste Kredittranche an Griechenland ausgezahlt wird, die Nerven der Investoren wieder einmal auf die Probe stellen. Wie fragil die Lage nach wie vor ist, zeigt sich am Freitag, als die Nachricht vom Rücktritt des EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark die Kurse einknicken ließ.

Derzeit arbeiten Vertreter von Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und EZB an ihrem Griechenland-Bericht, und es zeichnet sich eine ähnliche Hängepartie wie im Frühjahr ab. Zuletzt hatten die Geldgeber die Gespräche in Athen unterbrochen und mehr Fortschritte in Athen gefordert. "Wir gehen davon aus, dass die Euro-Länder und der IWF die nächste Tranche zwar später als geplant auszahlen werden, aber noch früh genug, um eine Pleite Griechenlands zu vermeiden", sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil.

Auf Unternehmensseite stehen die Autobauer im Rampenlicht. Grund ist die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. Parallel dazu wollen Volkswagen  über die Auslieferungen (Dienstag) sowie der Branchenverband ACEA über die europäischen Neuzulassungen (Freitag) informieren. Zu den wenigen Unternehmen, die die Präsentation von Geschäftszahlen angekündigt haben, gehören die Modefirma Gerry Weber  und die Deutsche Beteiligungs AG (jeweils Mittwoch). Am Freitag ist großer Verfall an den Terminmärkten; es verfallen Futures auf die deutschen Indizes sowie Optionen auf Indizes und Einzelwerte.

von Hakan Ersen und Kirsti Knolle, rtr
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