Montag, 18. November 2019

Börse Rücktritt von Stark lässt Dax stürzen

Abwärts: Der Dax gerät zum Wochenschluss erneut schwer unter Druck

Der Rücktritt des EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark hat die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Dax und Euro tauchen ab, während die "sicheren Anlagehäfen" Bundesanleihen und Gold zulegen. Commerzbank und Deutsche Bank brechen ein.

Frankfurt am Main - Der Dax Börsen-Chart zeigen rutschte in Reaktion auf den Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Stark um bis zu 3,8 Prozent ab und baute bis Xetra-Schluss seine Verluste auf 4 Prozent aus. Der Index ging bei 5189 Punkten aus dem Handel. Das ist der niedrigste Stand seit mehr als zwei Jahren.

Im Gegenzug schossen die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx , die die Nervosität der Anleger messen, in der Spitze um 9 beziehungsweise 15 Prozent in die Höhe.

Auch der Euro Börsen-Chart zeigen ging in die Knie: Er fiel auf ein Sechseinhalb-Monats-Tief von 1,3697 Dollar und lag damit rund zwei US-Cent unter dem New Yorker Vortagesschluss. Der Bund-Future kletterte im Gegenzug auf ein Kontrakt-Hoch von 137,73 Punkten.

Gold machte einen Großteil seiner Anfangsverluste wett und kostete am Nachmittag 1853,15 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der Run auf die Bundesanleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Bonds auf ein Rekordtief von 1,757 Prozent.

Zweifel an Rettung Griechenlands wachsen

Die EZB-Personalie schürte auch Zweifel an einer nachhaltigen Rettung Griechenlands. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Anleihen per Credit Default Swap (CDS) verteuerte sich dem Datenanbieter Markit zufolge um 380.000 auf 3,1 Millionen Euro.

"Herr Stark hat eine sehr hohe Reputation und gilt als absoluter Experte", betonte Markus Huber, Aktienhändler bei ETX Capital. "Das könnte zumindest kurzfristig das Vertrauen einiger Investoren in die Fähigkeit der EZB, die Finanzkrise zu lösen und dem konjunkturellen Abschwung entgegenzuwirken, untergraben." Ähnlich urteilte Analyst Matthias Gloystein von der Bremer Landesbank: "Im Moment wird das am Markt so interpretiert, dass der Rücktritt die EZB schwächt."

Die Europäische Zentralbank (EZB) bestätigte am Nachmittag eine Reuters-Meldung zum bevorstehenden Rücktritt Starks. Grund für die Entscheidung seien persönliche Gründe. Finanzkreisen zufolge soll Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen Stark nachfolgen.

Finanzwerte deutlich im Minus - Commerzbank bricht ein

Bei den Unternehmen verbuchten die Finanzwerte, die besonders sensibel auf alle Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren, die größten Kursverluste. Sie wurden zusätzlich von einer Studie von Goldman Sachs belastet. Die Analysten senkten die Kursziele mehrerer Institute wie der Societe Generale und betonten, sollte es bei griechischen Anleihen zu einem "Haircut", also einer Umschuldung kommen, seien Kapitalerhöhungen notwendig.

Angesichts der drastischen Kursverluste der vergangenen Monate wäre dies für die aktuellen Aktionäre finanziell sehr ungünstig. Vor diesem Hintergrund rutschte der europäische Bankenindex um 3,7 Prozent ab.

Acht der zehn größten Verlierer im EuroStoxx50 kamen aus der Finanzbranche. Schlusslicht bildete hier die Societe Generale mit einem Minus von 9,3 Prozent auf 17,77 Euro. Deutsche Bank verloren mehr als sieben Prozent und Commerzbank Börsen-Chart zeigen mehr als 8 Prozent an Wert.

Bayer stemmt sich gegen den Trend

Nach einer überraschenden Zulassungsempfehlung eines Ausschusses der US-Gesundheitsbehörde FDA für den Gerinnungshemmer Xarelto stemmten sich die Aktien des Pharmakonzerns Bayer Börsen-Chart zeigen gegen den schwachen Trend. "Das kommt wirklich überraschend, nachdem es vor wenigen Tagen kritische Stimmen seitens der FDA gegeben hat und weitere Daten verlangt wurden", meinte ein Händler. UBS-Analyst Andrew Whitney hält eine US-Zulassung daher für wahrscheinlich, betonte aber, dass eine Verzögerung bei der Markteinführung immer noch möglich sei.

VW und Porsche schieben Fusion auf

Im Blickfeld standen ferner die Titel der Autobauer Volkswagen Börsen-Chart zeigen und Porsche Börsen-Chart zeigen. Anders als geplant werden die beiden Konzerne in diesem Jahr nicht mehr fusionieren. Hintergrund sind noch immer bestehende juristische Hürden.

Der Ölpreis hat am Freitag nachgegeben. Ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen lag gegen Mittag 20 Cent im Minus bei 114,37 Dollar, ein Fass US-Leichtöl WTI kostete mit 87,87 Dollar 1,18 Dollar weniger als am Vortag. Belastend wirke die Enttäuschung über das Konjunkturpaket von US-Präsident Barack Obama, hieß es. Eine Reihe von Ausfällen bei Ölfeldern in der Nordsee verhinderte Händlern zufolge ein deutlicheres Abrutschen der Ölpreise.

mg/dpa-afx

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