Börse Dax stürzt unter 5200 Punkte

Der Dax setzt seinen Kursrutsch fort und schließt unter der Marke von 5200 Zählern. An der Wall Street gibt der Dow Jones kräftig nach. Aktien von Bayer stürzen wegen kritischer Fragen der US-Gesundheitsbehörde FDA zum Präparat Xarelto ab.
Börse in Frankfurt: Hohe Verunsicherung am Markt

Börse in Frankfurt: Hohe Verunsicherung am Markt

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die Verkaufswelle rollt weiter. Der Dax (Kurswerte anzeigen) gab bis zum Handelsschluss auf Xetra um 1 Prozent auf 5193 Zähler nach, nachdem er zeitweise schon auf 5150 Punkte abgerutscht war. Am Montag hatte der deutsche Leitindex bereits knapp 6 Prozent abgegeben.

An der Wall Street gerieten die Indizes wie erwartet nach dem gestrigen Feiertag stark unter Druck. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) gab bis 17.30 Uhr MESZ 2,1 Prozent nach, während der Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) um 1,9 Prozent abrutschte.

Zusätzlich zu den Rezessionsängsten verunsicherte eine Umsatz- und Gewinnwarnung des Computerherstellers Dell (Kurswerte anzeigen) die Anleger. Wie bereits in Europa standen Bankentitel weit oben in den Verkaufslisten der Anleger, wie zum Beispiel Papiere der Bank of America (Kurswerte anzeigen) und JPMorgan. Auch besonders konjunktursensitive Papiere wie Alcoa (Kurswerte anzeigen) und Caterpillar standen unter Druck.

Bayer stürzt ab - Sorgen um Präparat Xarelto

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von Bayer : Am Markt wurde befürchtet, dass sich nach kritischen Fragen der US-Gesundheitsbehörde FDA zum Bayer-Präparat Xarelto der Marktstart des Mittels verzögern könnte. Ein Händler sagte, er halte den Kurssturz jedoch für übertrieben.

Der zeitweilige Absturz von Bayer  um 13,4 Prozent ist der größte Kurseinbruch für die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns seit Oktober 2008. Mit 35,36 Euro notierten die Titel so niedrig wie seit Juli 2009 nicht mehr. Laut Händlern wurde damit eine Marktkapitalisierung von vier Milliarden Euro weggewischt. Bis Xetra-Schluss konnte die Aktie einen Teil ihrer Verluste wieder aufholen.

Schweizer Nationalbank setzt Untergrenze von 1,20 Franken zum Euro fest

Nachdem eine Intervention der Schweizer Notenbank SNB am Morgen zunächst noch für moderate Kursgewinne im Dax gesorgt hatte, war der deutsche Leitindex am Nachmittag erneut ins Minus gedreht. Der Euro war am Vormittag innerhalb weniger Minuten von etwa 1,12 CHF auf 1,20 CHF emporgeschnellt. Diesen Wechselkurs von 1,20 Franken zum Euro will die Schweizer Notenbank künftig verteidigen und eine weitere Aufwertung des Franken nicht mehr zulassen.

Finanztitel erneut schwach - Fresenius und FMC als Fluchtpunkt

Nach den heftigen Kursreaktionen vom Vortag standen erneut die Aktien aus dem Bankensektor im Blickfeld. Die am Montag wegen einer drohenden Klagewelle um fast 9 Prozent eingebrochenen Titel der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) brachen einen Erholungsversuch ab. Titel der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) setzten ihren Abwärtstrend ebenfalls fort und verloren zuletzt knapp 3 Prozent auf 1,75 Euro.

Fotostrecke

Die 30 Dax-Werte im Vergleich: Wer einbricht und wer standhält

Foto: dapd

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Fresenius Medical Care  (FMC) sowie vom Mutterkonzern Fresenius. Beide Titel sind auch die einzigen Titel im Dax, die seit Jahresbeginn ein Plus vorweisen können. Dagegen haben zehn der 30 Dax-Titel seit Jahresbeginn jeweils mehr als ein Drittel ihrer Marktkapitalisierung verloren (siehe Überblick).

In den aktuellen Zeiten der Unsicherheit würden defensive Werte wie die Anteile an dem Dialysespezialisten favorisiert und entsprechend habe sich das Papier zuletzt bereits relativ gut gehalten. Diese relative Stärke setzte sich nun fort.

Anleger sorgen sich zudem um die Stabilität Italiens und Spaniens. In beiden Ländern verstärken sich die Proteste gegen die Sparvorhaben. Vor allem Italien enttäusche mit seinen halbherzigen Reformbemühungen die Anleger, hieß es am Markt. Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen schossen erneut in die Höhe.

Fotostrecke

Renditen am Anleihemarkt: Berlusconi wird für Italien immer teurer

Foto: REUTERS

Xing ersetzt Roth & Rau im TecDax

Im TecDax gehörten Aktien von Phoenix Solar (Kurswerte anzeigen) zu den größten Verlierern. Gemäß den am Vorabend von der Deutschen Börse bekanntgegebenen Indexänderungen muss das Photovoltaikunternehmen ab dem 19. September überraschend seinen Platz für den Softwarespezialisten PSI (Kurswerte anzeigen) räumen. Wie erwartet wird Roth & Rau zudem durch das berufliche Onlinenetzwerk Xing (Kurswerte anzeigen) ersetzt.

Auch im MDax wurden Änderungen bekanntgegeben. Die Aktien von Deutz (Kurswerte anzeigen), Kuka (Kurswerte anzeigen) und GSW Immobilien steigen auf und ersetzen dort die Titel von Praktiker (Kurswerte anzeigen), Demag Cranes (Kurswerte anzeigen) und IVG Immobilien (Kurswerte anzeigen).

Gagfah -Titel  schnellten zeitweise an der MDax-Spitze um 7,12 Prozent auf 4,121 Euro hoch. Die Immobiliengesellschaft hat am Montagabend den Start eines neuen, maximal 75 Millionen Euro umfassenden Aktienrückkaufprogramms angekündigt. Weitere Rückkaufangebote in der Zukunft hält Gagfah möglich.

Ölpreise stabilisieren sich

Die Ölpreise haben sich am Dienstag nach starken Verlusten an den Vortagen stabilisiert. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) 110,20 Dollar. Das waren 12 Cent mehr als am Vortag. Ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) zur Oktober-Lieferung kostete zuletzt 83,56 Dollar. Das waren 2,89 Dollar weniger als am Freitag. Wegen eines US-Feiertags zu Wochenbeginn wurde am Montag kein Schlusskurs festgestellt.

Die Preisveränderung ist damit überzeichnet und gibt nicht die aktuelle Veränderung zum Montag wider. Im Vergleich zum elektronischen Handel am Vortag stabilisierte sich der US-Ölpreis.

rei//mg/dpa-afx