Deutsche Bank Aktie stürzt auf tiefsten Stand seit März 2009

Die Aktie der Deutschen Bank fällt am Montag auf den tiefsten Stand seit März 2009. Angesichts der schwachen Kapitalmärkte erwägt Vorstandschef Josef Ackermann offenbar ein Sparprogramm.
Kurseinbruch in Frankfurt: Die Aktie der Deutschen Bank verliert am Montag sehr viel stärker als der Markt, und Vorstandschef Josef Ackermann muss gegensteuern

Kurseinbruch in Frankfurt: Die Aktie der Deutschen Bank verliert am Montag sehr viel stärker als der Markt, und Vorstandschef Josef Ackermann muss gegensteuern

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Die Aktien der Deutschen Bank  sind am Montag vor allem wegen rechtlicher Probleme in den USA und drohendem Ungemach aus Großbritannien weiter abgerutscht. Die Anteile an dem deutschen Branchenprimus brachen am Nachmittag am Dax-Ende um 8,92 Prozent auf 23,70 Euro ein.

Zuvor waren sie zwischenzeitlich schon bis auf 23,43 Euro gefallen und hatten so ihren tiefsten Stand seit März 2009 erreicht. Der Dax  stand zugleich 5,49 Prozent tiefer bei 5.234,40 Punkten.

Wie erwartet muss sich der deutsche Branchenprimus für missglückte Hypotheken-Geschäfte in den USA zu Zeiten der Finanzkrise verantworten. Die US-Aufsichtsbehörde FHFA hat das Frankfurter Institut auf milliardenschweren Schadensersatz verklagt. Zudem berichtete die "Financial Times", dass britische Behörden eine Transaktion in Großbritannien untersuchen. Ein Händler sagte: "Die Klage in den USA war erwartet worden, nun ist sie aber Fakt und der Umfang von mehr als 14 Milliarden US-Dollar belastet."

Hinzu komme nun noch Großbritannien und die insgesamt hohe Zurückhaltung und Vorsicht hinsichtlich europäischer Bankenwerte. Ein weiterer Börsianer fügte hinzu, dass die Chancen auf eine Erholung angesichts der Schuldenprobleme, der strukturellen Reformen im Bankensektor und der nun hinzu kommenden Klagewelle nur gering seien.

Analyst will Klage nicht überbewerten

"Nach großen Krisen werden Banken immer wieder mit Klagen konfrontiert", sagte Analyst Dirk Becker von Kepler Capital Markets. Diese sollten aber nicht überbewertet werden, denn sie zögen sich meist sehr lange hin und verliefen auch oft im Sande. Zumindest sei der tatsächliche Schaden sehr sehr viel geringer als die ursprünglich nominell genannten Beträge.

Die sehr schwache Entwicklung der Deutsche-Bank-Aktie dürfte auf die sehr schlechte Stimmung für Banken allgemein und die am Markt gespielte Rezessionsangst zurückzuführen sein. Dabei hat sich die Bewertung aus Sicht von Becker zuletzt von den Fundamentaldaten abgelöst: "Die Deutsche Bank wird in diesem Jahr ein Rekordergebnis erzielen und die Aktie ist so billig wie zuletzt im März 2009".

Zehn-Milliarden-Euro-Gewinnziel dürfte verfehlt werden

Warnende Töne kamen von der UBS  , deren Analysten das Kursziel für die Aktien am Morgen von 52,00 auf 38,00 Euro senkten, die Einstufung aber auf "Buy" beließen. Er habe die Gewinnschätzungen wegen der zuletzt schwachen Entwicklung der Finanzmärkte und der jüngst reduzierten Konjunkturprognosen zurückgenommen, schrieb Analyst Philipp Zieschang. Die Bank dürfte ihr avisiertes Vorsteuergewinnziel von zehn Milliarden Euro im Jahr 2011 nun aus seiner Sicht um 17 Prozent verfehlen.

Im Vergleich zu den Wettbewerbern habe der Finanzkonzern in den vergangenen Quartalen allerdings die deutlichsten Fortschritte gemacht. Deshalb, sowie wegen möglicher weiterer Kostensenkungen bleibe es beim Kaufvotum. Allerdings werde die Kursentwicklung in erster Linie vom Fortgang der Schuldenkrise in der Eurozone bestimmt.

Ackermann will Entwicklung zunächst abwarten

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht der Klagewelle in den Vereinigten Staaten und Großbritannien indes gelassen entgegen. "Die sollen uns beweisen, dass da Betrug im Spiel ist. Ich bin sicher, das ist nicht ganz einfach", sagte er bei der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch". Ackermann rechnet nicht damit, dass sich die derzeit im Raum stehenden Milliardensummen nur annähernd so im eigenen Zahlenwerk wiederfinden werden.

Mit dem Blick auf die weitere Strategie wolle er zunächst die Entwicklung im September abwarten. Sparmaßnahmen sind aus seiner Sicht bei weiter schwachen Märkten denkbar. Ackermann kündigte an, dass er bei seinem angekündigten Abschied von der Spitze des Bank-Managements im Mai ein Haus ohne "große Altlasten" übergeben will.

Deutsche Bank: Ackermann sieht Parallelen zur Finanzkrise 2008

rei/dpa-afx
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