Börse Rezessionsangst drückt Dax auf Zweijahrestief

Ausverkauf an der Börse: Der Dax baut seine Verluste auf mehr als 5 Prozent aus, die Deutsche Bank verliert knapp 9 Prozent. Gold ist in Euro so teuer wie nie zuvor. Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen sind niedrig wie nie.
Und wieder abwärts: Der Dax ging am Montag in den freien Fall über

Und wieder abwärts: Der Dax ging am Montag in den freien Fall über

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt am Main - Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise hat am Montag für einen erneuten Kursrutsch an den Aktienmärkten gesorgt. "Die Lawine ist ins Rollen gekommen", sagte ein Börsianer. "Resignation und Perspektivlosigkeit prägen die Stimmung." Die Finanzwerte litten unter einer Vertrauenskrise, fügte ein weiterer hinzu.

Der Dax  rutschte am Montag um bis zu 5,9 Prozent auf 5212 Punkte und notierte damit so niedrig wie seit gut zwei Jahren nicht mehr. Zum Handelsschluss auf Xetra war es noch ein Minus von 5,3 Prozent bei 5246 Punkte.

Auch die meisten europäischen Indizes büßten 3 bis 4Prozent ein. Der EuroStoxx50 verlor unter Führung der Finanzwerte - allen voran der Societe Generale und der Deutschen Bank - 5 Prozent auf 2106 Punkte. Auch der Euro gab Boden preis und verlor einen US-Cent auf Kurse um 1,41 Dollar.

Auf der Suche nach "sicheren Anlagehäfen" nahmen Investoren Kurs auf Bundesanleihen und Gold . Der Goldpreis kletterte wieder über die Marke von 1900 US-Dollar je Unze.

Schwacher US-Jobmarkt - Warten auf Rede von Barack Obama

Auslöser der neuerlichen Talfahrt ist der am Freitag veröffentlichte Bericht vom schwachen US-Arbeitsmarkt, der die Sorgen der Anleger vor einem Rückfall der weltgrößten Volkswirtschaft in die Rezession verstärkt hatte. "Einmal mehr hat eine negative Entwicklung in den Vereinigten Staaten in Europa - und besonders in Deutschland - eine stärkere Reaktion ausgelöst als in den USA selbst", erklärten die Analysten von Close Brothers Seydler Bank mit Blick auf die Freitagsverluste der Wall Street von etwas mehr als 2 Prozent.

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Am Montag blieben die US-Börsen wegen des Labor-Day-Feiertages geschlossen. Entgegen den Erwartungen waren in den USA im August keine Stellen neu geschaffen worden. Nun richtet sich das Hauptaugenmerk der Anleger auf eine für Donnerstagabend (Ortszeit) angekündigte Rede von US-Präsident Barack Obama, in der er Vorschläge für die Ankurbelung des Arbeitsmarktes machen will.

Sparbemühungen in Euroland: Keine Hoffnung in Athen

In Europa wüchsen zugleich wegen der Unterbrechung der Gespräche Griechenlands mit den Geldgebern EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Zweifel an den Sanierungsbemühungen des hoch verschuldeten Landes, erklärte Aktienhändlerin Anita Paluch von ETX Capital.

Die Rezessionsangst spiegelte sich auch an den Rohstoff-Märkten wider, wo die Öl- und Industriemetall sich deutlich verbilligten, während sich die Krisen-Währung Gold verteuerte. Für Investoren aus der Euro-Zone war das Edelmetall mit bis zu 1348,28 Euro so teuer wie noch nie.

Bund Future auf Rekordhoch - Rendite der Bundesanleihen bei 1,8 Prozent

Der Bund-Future markierte mit 138,17 Punkten eine neue Bestmarke. Die Rendite der zehnjährigen Bundanleihen rutschte auf ein Rekordtief von 1,878 Prozent.

"Die Umsätze sind angesichts des Feiertages in den USA nicht riesig, aber schon überraschend hoch", sagte ein Händler. Der Kursrutsch sei vor allem durch das Minus bei den Banken zu erklären. "Es gibt dort eine Vertrauenskrise."

Kurssturz bei Bankenwerten - Deutsche Bank verliert knapp 9 Prozent

Zu den größten Verlierern unter den Bankenwerten zählten Societe Generale , Deutsche Bank  und CS Group - auch der designierte künftige EZB-Chef Mario Draghi konnte den Titeln keinen Halt geben. Er hatte erklärt, viele Institute hätten erfolgreich ihre Kapitaldecke gestärkt. Damit widersprach er dem Internationalen Währungsfonds (IWF), dessen Experten nach Informationen von Reuters davon ausgehen, dass die Banken wegen der Schuldenkrise bis zu 200 Milliarden Euro frisches Kapital brauchen.

Die Banken stehen nach neuen Milliarden-Klagen in den USA zusätzlich unter Druck. So hatte die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) am Freitag 17 Banken wegen umstrittener Hypothekengeschäfte während der Finanzkrise angeklagt. Dazu zählen die Credit Suisse und die Deutsche Bank, die je über neun Prozent einbrachen. Die Titel der Deutschen Bank notierten so niedrig wie seit Frühjahr 2009 nicht mehr, die der Credit Suisse erreichten das niedrigste Niveau seit Oktober 2002.

In London führten die Aktien der Royal Bank of Scotland mit einem Abschlag von fast elf Prozent die Verliererliste im "Footsie" an, in Paris Societe Generale mit einem Minus von bis zu fast zehn Prozent.

Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax im Schnitt bei 7,6

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der im Dax  gelisteten Unternehmen ist inzwischen so niedrig wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Auf zwölf Monate gesehen liegt es nach Daten von Thomson Reuters Datastream bei 7,68 - so günstig war die Bewertung zuletzt im Oktober 2008.

Der Dax hat seit Anfang August mehr als 25 Prozent an Wert verloren. In anderen europäischen Indizes sind Unternehmen noch besser bewertet: beim britischen Leitindex FTSE liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 8,58, beim französischen CAC40 bei 7,77. Im STOXX Europe 600 liegt die Kennzahl bei 8,67.

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Ölpreise schwach

Die Ölpreise haben zu Wochenbeginn weiter nachgegeben. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Oktober-Lieferung 111,50 Dollar. Das waren 83 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) sank um 79 Cent auf 85,66 Dollar.

Zum Wochenausklang hatten die Ölpreise stark um rund drei Dollar nachgegeben. Ausschlaggebend war ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht aus den USA. Auch jüngste Konjunkturdaten aus China deuten auf eine spürbar langsamere Gangart der Wirtschaft hin. So hat sich die Stimmung im chinesischen Dienstleistungssektor im August deutlich eingetrübt und liegt nur noch knapp über der wichtigen Expansionsschwelle von 50 Punkten, wie HSBC und Markit am Montag mitteilten. Die USA und China sind die weltweit größten Energieverbraucher.

mg / la/ reuters/dpa-afx
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