Börse US-Jobdaten schicken Dax in die Tiefe

Elf Monate in Folge ist die Beschäftigtenzahl in den USA wieder gewachsen - doch im August ist das Wachstum zum Stillstand gekommen. Rezessionsängste kommen auf. Der Dow Jones taucht ab, der Dax stürzt um mehr als 3 Prozent. Der Goldpreis nähert sich wieder der Marke von 1900 Dollar je Unze.
Frankfurter Bankenviertel: Die Serie negativer Nachrichten reißt nicht ab

Frankfurter Bankenviertel: Die Serie negativer Nachrichten reißt nicht ab

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt am Main - Der Leitindex Dax (Kurswerte anzeigen) baute am Nachmittag sein Minus zeitweise auf 4 Prozent aus und fiel auf 5500 Punkte zurück. Bis zum Handelsschluss auf Xetra konnte der deutsche Leitindex seine Verluste zumindest auf 3,3 Prozent reduzieren und ging bei 5538 Punkten ins Wochenende.

Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Deutsche Bank  und die Commerzbank , die jeweils um mehr als 6 Prozent einbrachen.

An der Wall Street verlor der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) in der ersten Handelsstunde rund 200 Punkte, der Nasdaq Composite  rutschte um 1,6 Prozent ab. Bis zum Handelsschluss in Deutschland reduzierte der Dow jedoch sein Minus auf 1,4 Prozent (160 Zähler).

Unterdessen legte der Goldpreis wieder deutlich zu. Am Nachmittag notierte der Preis zeitweise wieder bei 1880 US-Dollar je Unze, also nur knapp unter dem kürzlich erreichten Rekordhoch von 1900 US-Dollar. Der Preis wurde in London am Nachmittag mit 1875,25 Dollar gefixt.

USA: Nullwachstum bei Jobs

Grund für den erneuten Rückschlag an den Aktienmärkten sind enttäuschende Jobdaten aus den USA: In den USA hat sich die Beschäftigung im August überraschend nicht verändert. Im Monatsvergleich habe die Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft stagniert, teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Volkswirte hatten mit einem Zuwachs um 68.000 Stellen gerechnet.

Im Vormonat war die Beschäftigtenzahl den Angaben zufolge noch um 85.000 gestiegen. Erstmals seit 12 Monaten ist das Wachstum der Beschäftigtenzahl zum Stillstand gekommen. An der Börse wächst nun erneut die Angst vor einem Rückfall der USA in die Rezession.

Analysten: Jobdaten sind durch einen Streik verzerrt

Dabei sollten die US-Daten der Landesbank Hessen-Thüringen zufolge nicht überbewertet werden. Ohne eine streikbedingte Verzerrung habe sich die schwache Erholung am US-Arbeitsmarkt fortgesetzt.

Helfen könnte laut Börsianern jetzt nur die möglicherweise zunehmende Hoffnung auf eine Reaktion der US-Notenbank mit einer weiteren geldpolitischen Lockerungsrunde. Die Erwartungen an das Fed-Treffen im September, das zwei Tage dauern soll, sind hoch.

Bankentitel sehr schwach - Sorgen um Hellas, Klagen in den USA

Banktitel rutschten ans Dax-Ende. Schwächster Wert im Leitindex waren die Aktien der Deutschen Bank  mit einem Verlust von rund 6 Prozent. Händler verwiesen auf wieder verstärkte Sorgen um Griechenland, die auch schwer auf dem Kurs der Commerzbank  lasteten.

Hinzu kommt ein Zeitungsbericht, demzufolge die US-Regierung einige Großbanken wegen unlauterer Hypothekengeschäfte auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagen will.

Schwacher Absatz in den USA: Autotitel geraten unter Druck

Die deutschen Autowerte rücken mit US-Absatzzahlenin den Blick. Am Vorabend hatten unter anderem BMW , Daimler , Volkswagen und Porsche ihre Autoverkäufe im August in den USA beziffert. Allesamt meldeten im Vergleich zum Vormonat Zuwächse.

Commerzbank-Analyst Daniel Schwarz sah die Erwartungen insgesamt erfüllt und wertete die Ergebnisse im Einzelnen positiv für Volkswagen  , neutral für Daimler und leicht negativ für BMW  .

Metro und Fresenius Medical Care gegen den Trend behauptet

Einziger Dax-Wert mit einem deutlichen Plus war indes das Papier von Metro  mit einem Aufschlag von 1,5 Prozent. Bernstein-Analyst Christopher Hogbin stufte den Einzelhändler nach dem Kursrutsch hoch und blieb bei seinem Kursziel von 42,00 Euro. Auch die Titel von Fresenius Medical Care  konnten sich gegen den Trend in der Gewinnzone halten.

US-Gericht nimmt SAP Milliardenproblem ab

Die Aktien von SAP (Kurswerte anzeigen) hielten sich dagegen mit minus 2 Prozent besser als der Markt. Der Software-Konzern ist ein 1,3 Milliarden Dollar schweres Problem los: Eine Richterin im kalifornischen Oakland hat den Schadenersatz kassiert, welche die Walldorfer wegen Datendiebstahls an ihren US-Erzrivalen Oracle zahlen sollten.

Der Betrag sei "extrem übertrieben", stellte Richterin Phyllis Hamilton fest. Entweder Oracle akzeptiert nach Angaben von US-Medien nun eine Zahlung von 272 Millionen Dollar (191 Millionen Euro) oder SAP erhält ein komplett neues Verfahren. Ein Börsianer rechnet nach dieser positiven Nachricht mit einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung.

US-Regierung senkt Wachstumsprognosen

Die US-Regierung senkte außerdem ihre Wachstumsprognosen sowohl für dieses als auch für kommendes Jahr am Donnerstagabend deutlich und rechnet mit einer anhaltend hohen Arbeitslosigkeit. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr nur um 1,7 und im kommenden um 2,7 Prozent wachsen, teilte das Präsidialamt am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington mit.

Bislang wurde mit 2,6 und 3,6 Prozent kalkuliert. Die Arbeitslosenquote wird der Prognose zufolge in diesem Jahr bei 9,1 Prozent liegen und 2012 nur minimal auf 9,0 Prozent zurückgehen.

Euro gibt gegenüber Dollar nach

Am deutschen Rentenmarkt brach die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,86 (Vortag: 1,95) Prozent ein. Der Rentenindex Rex stieg um 0,61 Prozent auf 129,33 Punkte. Der Bund Future gewann 0,88 Prozent auf 136,49 Punkte.

Der Eurokurs fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4255 (1,4285) US-Dollar fest. Der Dollar kostete 0,7015 (0,7000) Euro.

ak/rtr/dpa-afx

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