EuroStoxx-Umbau Neue Regeln retten Deutsche Börse

Die Deutsche Börse hat ihre Mitgliedschaft im europäischen Bluechip-Index EuroStoxx bewahrt - dank neuer Regeln des Indexbetreibers Stoxx, der zum Konzern gehört. Volkswagen schaffte den Aufstieg. Aus dem Stoxx 50 müssen gleich vier Aktien weichen, darunter drei Bankenwerte.
Bluechip-Status gerettet: Börsenchef Reto Francioni

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Foto: dapd

Zürich - Die Vorzugsaktien des Autobauers Volkswagen  werden im September in den Auswahlindex der Euro-Zone aufgenommen und ersetzen dort die Papiere des französischen Industriekonzerns Alstom . Ebenfalls aufgenommen würden zum Montag, 19. September, die Aktien des spanischen Textilunternehmens Inditex (Kurswerte anzeigen), während zugleich die Bank Crédit Agricole  ihren Platz im EuroStoxx 50  räumen müsse, teilte der Index-Betreiber Stoxx am Mittwochabend in Zürich mit. Frankreich bleibt mit 17 statt bisher 19 Aktien am stärksten vertreten, die Zahl der deutschen Index-Mitglieder steigt von 13 auf 14, Spanien mit nun sechs Werten zieht mit Italien gleich.

Die Papiere der Deutschen Börse  werden im EuroStoxx 50 bleiben. Ihr Verbleib war zeitweise nicht sicher gewesen. Nachdem Stoxx, ein Tochterunternehmen der Deutschen Börse, jedoch sein Regelwerk noch rechtzeitig änderte und nun allgemein aktuellere Daten zum Streubesitz (Freefloat) für seine Entscheidungen heranzieht, konnte der Platz im EuroStoxx gesichert werden.

Noch vor wenigen Tagen hatten Index-Experten prognostiziert, dass die Deutsche Börse herausfallen werde. Der Stand dieser Daten zur Qualifikation für EuroStoxx war bislang vom vorangegangenen Quartal. Am vergangenen Dienstagabend dann änderte die Deutsche-Börse-Tochter Stoxx die entsprechenden Regeln und nun werden aktuellere Freefloat-Daten genutzt, nämlich jeweils vom 20. Februar, Mai, August und November. "Von der Regeländerung profitiert jetzt die Deutsche Börse, da nun der aktuelle Streubesitz-Faktor einfließt", sagte Index-Experte Berndt Fernow von der LBBW.

Unicredit ist künftig doppelt im Stoxx 50 vertreten

Hintergrund ist, dass die Aktionäre der Deutschen Börse im Zuge des Fusionsprozesses mit der NYSE Euronext  ihre Aktien zum Umtausch angeboten hatten, aber es erst Wochen später, in einem zweiten Schritt, schließlich mehr als 95 Prozent der Aktien waren. Nach den bisher üblichen Berechnungen von Stoxx wäre dieser zweite Schritt noch nicht eingeflossen und damit der Freefloat-Faktor der Deutschen Börse von 100 Prozent auf 82,43 Prozent gesunken. Nun bleibt er dagegen bei 100 Prozent.

Im Stoxx Europe 50 , der auch Aktien aus Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien oder der Schweiz enthält, wird es zum 19. September sogar zu einem Austausch von vier Aktien kommen. Während Nokia  und die Banken Unicredit , Intesa SanPaolo  sowie Société Générale  ihre Plätze räumen müssen, werden die des britischen Lebensmittelkonzerns Unilever  - die niederländische Unilever-Aktie  ist bereits im Stoxx 50 enthalten - sowie die von LVMH , National Grid , und Air Liquide  aufgenommen.

Diese Änderungen sind vor allem für passive Fonds (ETFs) sehr wichtig. Solche Index-abbildenden Fonds müssen ihre Portfolios den veränderten Index-Zusammensetzungen anpassen. Das hat auf die Aktien im EuroStoxx 50 deutlich größeren Einfluss als auf die im Stoxx Europe 50, weil die Mitglieder im Stoxx Europe 50 liquider sind als im EuroStoxx 50 und weil der Anteil passiver Fonds rund zehnmal geringer ist als im Benchmark-Index der Euro-Zone.

ak/dpa-afx
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