Börse Dax legt kräftig zu - Telekom bremst

Hoffnungslauf zum Ende des Horrormonats: Rund 20 Prozent hat der Dax im August verloren - doch am letzten Handelstag des Monats strebt der Index wieder klar nach oben. Zeitweise legte der Index am Mittwoch 4 Prozent zu, bevor Kursverluste der Telekom-Aktie die Erholung bremsten.
Börse in Frankfurt: Nach dem Horrormonat August wächst wieder die Hoffnung auf Erholung

Börse in Frankfurt: Nach dem Horrormonat August wächst wieder die Hoffnung auf Erholung

Foto: Michael Probst/ AP

Frankfurt am Main - Eine wachsende Risikobereitschaft der Anleger hat dem deutschen Aktienmarkt am Mittwoch kräftigen Aufwind verliehen. Nach überwiegend erfreulichen US-Konjunkturdaten ging der Dax  um 2,50 Prozent höher bei 5784 Punkten aus dem Handel. Zuvor war er zeitweise sogar um 4 Prozent, bevor eine US-Kartellklage die schwergewichtigen Telekom-Aktien auf Talfahrt schickte und auch den Dax etwas nach unten zog.

Seit seinem vor fast zwei Wochen erreichten Tief bei 5380 Zählern hat der Leitindex damit mehr als 8 Prozent zugelegt, den turbulent verlaufenen August beendete er aber immer noch mit einem Minus von gut 19 Prozent.

Anleger setzen auf Hilfe durch die Fed im September

Als Begründung für die steigenden Kurse zogen Börsianer unter anderem das am Vorabend veröffentlichte Protokoll zum jüngsten Zinsentscheid der US-Notenbank (Fed) heran. Daraus war hervorgegangen, dass einigen ranghohen Währungshütern die Festlegung auf eine langfristige Null-Zins-Politik zur Ankurbelung der klammen Wirtschaft nicht weit genug ging.

"Offensichtlich ist eine kleine Mehrheit für aggressive Maßnahmen", sagte Helaba-Aktienstratege Christian Schmidt. "Deshalb steigen jetzt die Erwartungen an das Treffen im September. Man glaubt, dass die Fed der Heilsbringer sein wird."

USA: Auftragseingang der Industrie steigt stärker als erwartet

An der Wall Street legten sowohl Dow Jones (Kurswerte anzeigen) als auch Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) im frühen Handel jeweils rund 1 Prozent zu, reduzierten ihre Gewinne zuletzt jedoch auf jeweils 0,7 Prozent.

Grund für die Fortsetzung der Kursrally in New York: Die Auftragseingänge der US-Industrie sind im Juli stärker als erwartet gestiegen. Im Monatsvergleich sei das Ordervolumen um 2,4 Prozent geklettert, teilte das US-Handelsministerium am Mittwoch in Washington mit. Volkswirte hatten einen Zuwachs um 2,0 Prozent erwartet.

Privatwirtschaft schafft etwas weniger Jobs als erwartet

In den USA ist außerdem die Beschäftigung im Privatsektor im August etwas schwächer gestiegen als erwartet. Im Monatsvergleich sei die Zahl der Beschäftigten um 91.000 geklettert, teilte der Arbeitsmarkt-Dienstleister Automatic Data Processing (ADP) am Mittwoch in Washington mit. Volkswirte hatten mit einem etwas stärkeren Zuwachs um 100.000 Beschäftigte gerechnet.

Die offiziellen Arbeitsmarktdaten für August wird das US-Arbeitsministerium an diesem Freitag veröffentlichen. Die APD-Daten gelten als Indikator hierfür.

Allianz führt den Dax an - Empfehlung von Goldman Sachs stützt

Größter Gewinner im Dax  waren die Aktien der Allianz (Kurswerte anzeigen) mit einem Plus von rund 4 Prozent auf 70,76 Euro. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Titel zum Kauf empfohlen. Die Sorgen um das Lebensversicherungsgeschäft seien übertrieben, die Aktien zu stark verkauft worden, hieß es zur Begründung.

Auch die Papiere der Lufthansa (Kurswerte anzeigen) bauten ihre Gewinne aus. Sie stiegen zeitweise um 4,6 Prozent auf 11,67 Euro und waren damit so teuer wie seit zwei Wochen nicht mehr. "Das sind Anschlusskäufe, nachdem die Aktien bereits am Dienstag wegen der Aussagen von Konzernchef Christoph Franz nach oben gegangen sind", sagte ein Händler. Franz hatte die Gewinnprognose für dieses Jahr bestätigt und will die Abspaltung defizitärer Geschäfte prüfen.

Verkauf von T-Mobile blockiert - Telekom stark unter Druck

Die Deutsche Telekom droht, auf ihrer amerikanischen Mobilfunktochter T-Mobile USA sitzen zu bleiben. Die US-Wettbewerbshüter haben am Mittwoch Nein zu dem 39 Milliarden Dollar (27 Mrd Euro) schweren Verkauf an den Telekommunikationsriesen AT&T gesagt. "Wir wollen das Geschäft blockieren, um den Wettbewerb zu sichern", sagte James Cole vom Justizministerium in Washington.

Telekom-Aktien sackten in einem sehr festen Gesamtmarkt am Nachmittag um 6,8 Prozent auf 8,88 Euro ab. Die Titel waren damit schwächster Wert im Dax.

Experten warnen: Dax bleibt charttechnisch angeschlagen

Obwohl es am europäische Aktienmarkt nach einem versöhnlichen Ausklang eines verheerenden Börsenmonats aussah, warnten Experten vor neuen Verlusten. "Rein technisch gesehen befindet sich der Dax weiter in einem übergeordneten Abwärtstrend. Das wird so lange so bleiben, bis die Marke von 6100 Punkten nachhaltig genommen ist", sagte Helaba-Experte Schmidt.

Die Angst vor einem Rückfall in eine globale Rezession und die Schuldenkrisen in Europa und den USA haben dazu geführt, dass der August für viele Handelsplätze rund um den Globus zu einem der schlimmsten Börsenmonate seit Jahren wird. So wird der MSCI World Stock Index mit einem Minus von gut 8 Prozent wohl die höchsten monatlichen Verluste seit Mai 2010 Jahres einfahren.

Ein August lief als Handelsmonat zuletzt im Jahr 1998 so verheerend. Besonders groß war der Vertrauensverlust wieder einmal bei den Finanzinstituten. Europäische Bankaktien sind dabei, ihren höchsten Monatsverlust seit Oktober 2008 einzufahren. Der Dax hat im August gut 20 Prozent an Börsenwert verloren. In der Spitze war er bis auf 5345 Punkte gefallen.

Asien: Nikkei verliert knapp 9 Prozent auf Monatssicht

Gewinnmitnahmen und enttäuschende Konjunkturdaten hatten den Aktienmarkt in Tokio am Mittwoch gebremst. Japans Industrieproduktion war im Juni geringer als erwartet gestiegen. Der Nikkei-225-Index (Kurswerte anzeigen) schloss deshalb nur minimale 0,01 Prozent im Plus bei 8955,20 Punkten. Insgesamt stand im August damit ein Minus von 8,9 Prozent zu Buche. Dies war der größte prozentuale Abschlag seit Mai 2010.

Die Wall Street hatte sich nach einem wechselhaften Verlauf am Dienstag noch ins Plus gekämpft. Der Dow-Jones-Index (Kurswerte anzeigen) und der S&P 500 (Kurswerte anzeigen) gewannen jeweils 0,2 Prozent. Der Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) legte 0,6 Prozent zu.

Euro hält sich über 1,44 US-Dollar

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hielt sich über der Marke von 1,44 US-Dollar. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,4448 Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagmittag auf 1,4402 (Montag: 1,4487) Dollar festgesetzt.

Die Ölpreise gaben leicht nach. Am Morgen kostete ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Oktober-Lieferung 113,90 US-Dollar. Das waren 12 Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) sank um 31 Cent auf 88,59 Dollar. Damit haben die Preise einen kleinen Teil ihrer deutlichen Vortagsgewinne wieder abgegeben.

Neue Lagerdaten aus den USA haben zuletzt den Ölmarkt belastet. So hatte das private American Petroleum Institute (API) am Dienstagabend den stärksten Aufbau der Rohölbestände seit März gemeldet. Experten werteten die Zahlen als Indiz für eine schwächere Ölnachfrage. Die USA sind der weltweit größte Ölverbraucher.

Die deutschen Staatsanleihen gingen mit Verlusten in den Handel. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sank am Morgen um 0,14 Prozent auf 135,14 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 2,11 Prozent.

ak/dpa-afx/rtr
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