Börsenausblick Hurrikan und andere Probleme

Die neue Börsenwoche dürfte turbulent werden. Wann der Handel in New York am Montag starten kann, ist wegen möglicher Folgen des Wirbelsturms "Irene" unsicher. Die Themen bleiben indes die alten - die Angst vor einer weltweiten Rezession und die ungelöste Schuldenkrise der Eurozone.
Sturm über New York: Ob und wann die Technologiebörse Nasdaq oder die Nyse am Montag öffnen werden, war am Sonntagabend (MEZ) noch unklar

Sturm über New York: Ob und wann die Technologiebörse Nasdaq oder die Nyse am Montag öffnen werden, war am Sonntagabend (MEZ) noch unklar

Foto: REUTERS

Frankfurt am Main - Experten sind sich einig: Die Talfahrt am deutschen Aktienmarkt geht weiter. Kurze technische Korrekturen seien zwar möglich, aber nachhaltig werden sie nicht sein. "Weder aus fundamentaler Sicht noch unter charttechnischen Aspekten deutet sich ein Ende der Talfahrt an", stellt die Landesbank Berlin fest. Deren Strategen rechnen vielmehr damit, dass der Dax auf neue Jahrestiefs fallen wird.

In der alten Woche hat sich der Leitindex vergleichsweise gut geschlagen. Nach vier Wochen steiler Talfahrt verzeichnete der Dax  diesmal auf Wochensicht ein kleines Plus. Diese Bilanz sollte aber nicht täuschen: Am Freitag schloss der Index 0,8 Prozent niedriger bei 5537 Zählern.

Immer mehr Börsianer befürchten, dass sich das Szenario von 2008 wiederholen könnte, als Aktien auf einen monatelangen Sinkflug gingen und erst Anfang 2009 die Trendwende einsetzte. "Es gibt durchaus Parallelen", sagt Volkswirt Matthias Thiel von MM Warburg. "Auch 2008 haben wir eine sukzessive Eintrübung der konjunkturellen Indikatoren gesehen und Unternehmen waren noch sehr lange sehr optimistisch. Ein zusätzlicher Trigger war damals die Pleite von Lehman. Heute haben wir die Schuldenkrise."

Alarmsignal: Banken leihen sich untereinander kaum noch Geld

Die gestiegene Nervosität spiegele sich anschaulich im Interbankenhandel wider, so Thiel. Zuletzt haben sich die Banken mit Krediten an andere Institute wieder sehr viel stärker zurückgehalten. "Der Markt ist noch nicht ausgetrocknet wie damals, aber die Prämien steigen. Banken werden zunehmend misstrauisch, wie viel als Sicherheit hinterlegte Staatsanleihen tatsächlich wert sind." Trotz Hilfspaketen und einer Stützungsaktion der EZB für italienische und spanische Staatsanleihen ist nach wie vor unklar, ob es die schuldengeplagten Euroländer in absehbarer Zukunft schaffen, wieder auf die Beine zu kommen.

Hurrikan "Irene" - Handelsbeginn in New York unklar

An der Wall Street dürfte es gleich zu Beginn der neuen Woche turbulent zugehen. Trotz des Wirbelsturmes werden die Aktienbörsen in New York wahrscheinlich am Montag geöffnet. Eine endgültige Entscheidung darüber stand am Sonntag aber noch aus. Wie aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen verlautete, wollen unter anderen Vertreter der Börsenaufsicht SEC, der Betreiber NYSE Euronext und der Nasdaq OMX um 19 Uhr (MESZ) über Stromausfälle und das Verkehrssystem sprechen. Zwar wurde "Irene" von den Behörden am Sonntag zum Tropensturm herabgestuft, doch waren Millionen Menschen ohne Strom. In New York City wurden alle U-Bahnen und Busse gestoppt. Einige Straßen an der Südspitze Manhattans standen unter Wasser.

ISM-Index und Arbeitsmarktbericht stehen im Fokus

Nach "Irene" legt sich der Fokus wieder auf die schwächelnde Konjunktur und den Arbeitsmarkt. Mit dem ISM-Index und dem Arbeitsmarktbericht für August stehen in der neuen Woche die am meisten beachteten monatlichen Indikatoren an. "Die Investoren dürften sie genau darauf abklopfen, ob die US-Wirtschaft in eine Rezession abrutscht", sagt Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank.

Daneben steht das vom Conference Board erfasste Verbrauchervertrauen auf der Agenda. Zudem wird das Protokoll zur Sitzung des Offenmarktausschusses am 9. August Aufschluss über die Diskussionen innerhalb der Fed geben. An diesem Tag hatte sich die US-Notenbank auf langfristig niedrige Zinsen festgelegt.

Im Euroraum dürfte nach Meinung der Experten der Economic Sentiment Indicator, der das Vertrauen der Unternehmen in die Industrie und den Dienstleistungssektor erfasst, den wirtschaftlichen Abschwung belegen.

rotz der absehbar negativen Signale - nach Meinung von Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp ist eine ähnlich schlimme Entwicklung am Aktienmarkt wie 2008 nicht zu befürchten. "Gegen dieses Szenario sprechen insbesondere die extrem expansive Geldpolitik der US-Notenbank Fed, starke Unternehmensbilanzen und moderate Lohnzuwächse."

rei/reuters