Freitag, 13. Dezember 2019

Euro-Szenarien Was tun, wenn der Euro bricht?

Ende der Währungsunion: Was lange als undenkbar galt, ist nun ein mögliches Szenario

3. Teil: Norwegen, Dänemark oder Tschechien - Hauptsache Krone

Wer sich auf eine Euro-Auflösung einstellt, sollte in zwei Phasen vorgehen, empfiehlt UBS-Anlagestratege Andersen. Denn ganz sicher würde die Zeit des Bruchs heftige Marktverwerfungen bringen. "Wer dieses Risikoszenario spielt, sollte zunächst sein Geld so sicher wie möglich anlegen", sagt Andersen. Es könne ratsam sein, zunächst alle Finanzanlagen in der Euro-Zone zu meiden. Trotzdem könnten Anleger ihr Geld durchaus flüssig halten und ganz in der Nähe parken.

"Die skandinavischen Währungen sind attraktiv", meint Andersen. Besonders gelte das für die norwegische Krone, die für eine solide, von Öleinnahmen gestützte Wirtschaft stehe - "und sie ist mit Unterschied zum Schweizer Franken noch nicht zu teuer". Die dänische Krone sei ein Sonderfall, weil bisher an den Euro gebunden. Wenn die Nationalbank diese Wechselkursbindung aufgebe, setze sie großes Potenzial frei, meint Andersen. Dänemark sei "so etwas wie ein Deutschland ohne Euro" - also mit großem Aufwertungsdruck, wenn auch mit Risiken etwa im Immobiliensektor und den Banken.

Auch in den Nicht-Euro-Staaten Osteuropas könnten sich die Anleger umsehen. "Auch Tschechien bietet eine sehr solide Wirtschaft, die eng an die deutsche Exportindustrie gebunden ist und großen Wert auf hartes Geld legt", sagt Andersen. Deshalb könne auch die tschechische Krone eine Alternative für die erste Phase sein.

Nach dem Bruch auch Chancen in den Ex-Euro-Ländern

Sobald die neuen Währungen existieren und die Wechselkurse innerhalb der jetzigen Euro-Zone frei sind, könne man auch hier die Chancen nutzen, rät Andersen. "In Staaten wie Italien, die dank abgewerteter Währung wieder wettbewerbsfähig wären, könnte man auf Aktien der Exportindustrie setzen." Unternehmen, die stark von der Binnennachfrage abhängen, sollte man dort aber meiden. Denn steigende Importpreise würden die Kaufkraft der Italiener schmälern.

In Deutschland wäre es dann genau umgekehrt. "Hier hätten die Exporteure den Schaden, aber der Konsumsektor wäre von einer Last befreit", so Andersen.

Doch es könnte ja auch noch ganz anders kommen. Das entgegengesetzte Extremszenario wäre eine völlige Fiskalunion, in der die Euro-Staaten ihre wirtschaftlichen Unterschiede einebnen und so die Fliehkräfte überwinden. Lesen Sie am Montag in Teil 2 der Serie, wie Anleger sich für diesen Fall wappnen könnten.

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