Geldanlage Immer im August

Der Börsenmonat August ist historisch betrachtet ereignisreicher als viele Anleger vermuten. Oft tendierten die Kurse danach für längere Zeit klar in eine Richtung. Das könnte diesmal auch so sein. Langfristig orientierte Investoren sollten sich jetzt positionieren.
Zum Wegschauen: Diesen Börsenmonat August wird der Dax mit einem dicken Minus beenden

Zum Wegschauen: Diesen Börsenmonat August wird der Dax mit einem dicken Minus beenden

Foto: dapd

Börsenmäßig ist der August oft ein sehr ereignisreicher Monat, ganz besonders in diesem Jahr. Pünktlich am 1. des Monats gerieten die Aktienkurse ins Rutschen und fanden erst ab dem 9. wieder einen Boden. Berühmt und berüchtigt als Monat mit großen Kursveränderungen ist hauptsächlich der Oktober. Aber der August?

Im Sommer 1982, also vor 29 Jahren war die Investmentwelt recht finster. Zur Inflationsbekämpfung waren die kurzfristigen Zinsen in den USA bis auf 21 Prozent geklettert, die langfristigen Zinsen lagen bei 15 Prozent. In Deutschland notierten die kurzfristigen Zinsen ebenfalls bei etwa 15 Prozent, langfristige Anleihen betrugen 11 Prozent.

Unternehmensfinanzierung war damit kaum noch möglich, weder kurzfristig noch langfristig. Die Aktienbörse hatte um die Zeit eine zwölfjährige Phase der Seitwärtsbewegung hinter sich. Der Dow-Jones-Index  stand bei 800 Punkten; der Dax, der damals noch ganz anders hieß, notierte bei 500 Punkten. Auf Grund der langen und sehr zermürbenden Börsenphase waren die Kurse der meisten Werte ausgewaschen. An vielen Stellen lagen die Kursgewinnverhältnisse mit sechs bis acht ähnlich hoch wie die Dividendenrenditen mit 6 bis 8 Prozent.

Dann geschah am 11. August 1982 das Unerwartete: Auf Grund der Andeutung von Zinssenkungen in Amerika begann der Dow Jones zu steigen. Der Anstieg dauerte mit zwei kurzen Unterbrechungen 1987 und 1990 insgesamt 18 Jahre bis ins Jahr 2000 hinein. Der Dax  verhielt sich ähnlich. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Märkte wiederum elf Jahre lang per Saldo seitwärts bewegt.

Am 3. August 1990 marschierten die Truppen von Saddam Hussein in Kuwait ein, was den internationalen Aktienmärkten einen kräftigen Rückgang bis in den Oktober hinein bescherte. Angesichts der absehbaren Befreiung von Kuwait durch alliierte Truppen stiegen die Märkte ab Januar 1991 wieder kräftig.

Im August 1998 wiederum erreichte die Russland- und Hedgefonds-Krise ihren Höhepunkt. Am Freitag, dem 28. August sanken die Aktienmärkte weltweit auf Grund der Befürchtung eines Zusammenbruchs des Finanzsystems durch die Schieflage des Hedgefonds Long Term Capital Management. Eine Rettungsaktion über das folgende Wochenende brachte dann eine Stabilisierung der Kurse und ab Oktober 1998 einen weiteren Anstieg.

Seltene Kaufgelegenheit bei erstklassigen Qualitätswerten

Der August 2008 war der letzte einigermaßen friedliche Monat, bevor Mitte September 2008 die schwelende Finanzkrise mit dem Bankrott von Lehman Brothers ihren traurigen Höhepunkt erreichte und dann zum starken Rückgang aller Kurse führte.

Der August 2010 markierte das Ende einer etwa 15-prozentigen Korrektur der Aktienmärkte seit dem Mai 2010 auf Grund der Griechenlandkrise.

Mancher Anleger, der diese Wendepunkte miterlebt hat, wird sich fragen, in welchem August wir denn jetzt sind. Ist es parallel wie im Jahr 2008, als der August die letzte Gelegenheit , alle Aktien zu verkaufen? Oder sind wir in einer Parallele zum August 1998 und zum August 2010, als drohende Finanzkrisen durch entschlossenes Handeln der Regierungen und Zentralbanken jedenfalls vorübergehend bekämpft wurden?

Aus heutiger Sicht spricht nach unserer Meinung mehr dafür, dass wir uns in einer Parallele zu den August-Tagen von 1998 und 2010 befinden. In beiden Jahren hat es ungefähr zwei Monate gedauert, bis die Kursrückgänge nach kräftigen Schwankungen in eine dauerhafte Erholung übergegangen sind. Anleger sind nach unserer Meinung gut beraten, auch diesmal im September noch kräftige Schwankungen zu erwarten.

In den Tagen der Tiefpunkte zum Monatsanfang betrug bei den großen Versicherungswerten Allianz  und Münchner Rück  das Kursgewinnverhältnis für den erwarteten Gewinn des Jahres 2012 etwa sechs, während die Dividendenrendite bei 6 Prozent lag. Diese Konstellation ist sehr selten und ist nach unserer Meinung für den langfristigen Investor eine Kaufgelegenheit für diese erstklassigen Qualitätswerte.

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