Börse US-Daten geben Dax einen Schub

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich eingetrübt. Dank robuster Auftragseingänge in den USA hat der Dax dennoch zugelegt. Autotitel haussieren. Angesichts geringer Umsätze bleiben Händler jedoch skeptisch.
Börse in Frankfurt: Endlich geht es wieder etwas nach oben

Börse in Frankfurt: Endlich geht es wieder etwas nach oben

Foto: dapd

New York / Frankfurt am Main - Der überraschend starke Einbruch des Geschäftsklimas in Deutschland im August hat am Mittwoch die Anleger am europäischen Aktienmarkt kalt gelassen. "Der Markt ist erleichtert, dass die Zahlen nicht noch schlechter ausgefallen sind", sagte ein Börsianer.

Zudem machten Konjunkturdaten aus den USA Hoffnung, dass die Lage der weltgrößten Volkswirtschaft doch nicht so düster ist wie befürchtet. Der Goldpreis reagierte mit einem deutlichen Kursrückgang.

Der Dax  kletterte bis Handelsschluss um 2,7 Prozent auf 5681 Punkte. Auch die meisten europäischen Indizes legten ein bis zwei Prozent zu. Der Stoxx50 stieg um ein Prozent, der EuroStoxx50 um 1,8 Prozent.

Der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland war im August auf 108,7 von zuvor 112,9 Punkten gefallen. Analysten hatten im Schnitt mit 111,0 Zählern gerechnet, allerdings waren am Markt kurz vor Veröffentlichung der Daten niedrigere Schätzungen kursiert.

Auftragseingänge in den USA besser als erwartet

Unterstützung für die Aktien kam auch aus den USA. Die US-Auftragseingänge für langlebige Güter waren im Juli um vier statt der erwarteten zwei Prozent gestiegen. Zwar zerstreue dies noch nicht die Rezessionsängste, doch sei es immerhin mal ein positives Signal, erklärte ein Börsianer.

Die US-Börsen reagierten zunächst mit weiteren Kursgewinnen auf die positiven Konjunkturdaten. Bis 18 Uhr gab der Dow Jones  seine Gewinne jedoch wieder ab und notierte knapp unter Vortagesschluss.

Mit Sorge betrachteten viele Händler außerdem die dahinschmelzenden Tagesumsätze. So war während des Ausverkaufs das Handelsvolumen auf über fünf Milliarden Euro angeschwollen. Nunmehr liegt es nur noch bei 3,6 Milliarden. "Das zeigt, dass kaum jemand dabei ist. Ich traue dem Frieden nicht", erklärte ein Händler.

Autotitel mit deutlichen Kursgewinnen

Weit oben auf der Einkaufsliste der Anleger standen diejenigen Werte, die während der Talfahrt der letzten Wochen besonders stark unter die Räder gekommen waren - meist die Aktien stark von der Konjunktur abhängiger Unternehmen. So stiegen Daimler, Volkswagen und BMW  um 4 bis gut 5 Prozent.

Deutsche Bank wegen US-Rechtsstreit gebremst

Auch Deutsche Börse holten mit einem Plus von 5,6 Prozent etwas auf. ThyssenKrupp zählten mit einem Aufschlag von 3,6 Prozent ebenfalls zu den größten Gewinnern. Die Papiere der Deutschen Bank hinkten mit einem mageren Plus von 1,3 Prozent dem Dax hinterher. Börsianern zufolge leidet die Aktie des Kreditinstituts weiter unter einer milliardenschweren Zivilklage der USA wegen umstrittener Praktiken der Immobilientochter MortgageIT.

FMC auf Jahressicht immer noch im Plus

Wenig en vogue waren die Aktien der als Konjunktur unabhängig geltenden Gesundheitskonzerne Fresenius und Fresenius Medical Care: FMC büßten zwei Prozent ein, die Titel des Mutterkonzerns legten moderate 0,4 Prozent zu. Beide Titel zählen mit einem Plus von je rund 10 Prozent auf Jahressicht zu den wenigen Dax-Gewinnern.

Sky und ProSieben im MDax gefragt - RTL mit Rekordgewinn

Im Nebenwerte-Index MDax  gehörten ProSiebenSat.1 und Sky Deutschland mit Aufschlägen von 7,8 beziehungsweise 11,2 Prozent zu den Favoriten. Konkurrent RTL hatte für das erste Halbjahr einen Rekordgewinn bekanntgegeben und sich "vorsichtig optimistisch" zu den Aussichten für das Gesamtjahr geäußert. Die Aktien des TV-Konzerns zogen um 5,8 Prozent an.

Fuchs Petrolub legten um über 4 Prozent zu. Die Titel des Schmierstoffherstellers sollen in den Stoxx Europe600 aufsteigen.

TecDax: Aixtron geben nach

Die Aktien von Aixtron  haben sich der anhaltenden Erholung des TecDax  am Mittwoch nicht anschließen können. Eine negative Studie von Morgan Stanley drückte die Papiere des auf Leuchtdioden spezialisierten Anlagenbauers am späten Vormittag um 0,39 Prozent ins Minus auf 15,210 Euro. Sie waren damit schwächster Wert des Auswahlindex für Technologiewerte, der sich gleichzeitig um weitere 1,49 Prozent auf 712,66 Punkte verbesserte.

Analyst Francois Meunier startete die Bewertung der Aixtron-Anteile mit einer "Underweight"-Empfehlung und einem Kursziel von 12,50 Euro, das weiteres Rückschlagspotenzial von derzeit knapp 18 Prozent signalisiert. Der Experte rechnet zwar damit, dass der LED-Markt 2013 richtig durchstartet. Aktuell zeigten Beobachtungen in Asien jedoch ein Überangebot im MOCVD-Bereich. Daher sei kurzfristig mit Enttäuschung sowohl bei Umsätzen als auch den Margen zu rechnen. Für die Markterwartungen sieht er ein Korrekturpotenzial von 40 Prozent nach unten.

Euro-Kurs steigt trotz Stimmungseintrübung

Der Euro  hat am Mittwoch trotz der deutlichen Stimmungseintrübung in der deutschen Wirtschaft zugelegt. Gegen Mittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,4450 US-Dollar und damit fast einen halben Cent mehr als am Morgen. Ein Dollar war zuletzt 0,6920 Dollar wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagmittag auf 1,4462 (Montag: 1,4413) Dollar festgesetzt.

Dass der Euro trotz eines starken Rückgangs des Ifo-Index Auftrieb erhielt, erklärten Händler mit Erleichterung am Markt. Offensichtlich waren nach den Börsenturbulenzen und dem Einbruch des ZEW-Index am Dienstag noch wesentlich schlechtere Zahlen erwartet worden. Auch der deutsche Aktienmarkt reagierte positiv auf die Daten.

Ölpreis fällt leicht

Anleger am Rohölmarkt haben sich am Mittwoch wegen der weiter unübersichtlichen Lage in Libyen und der Sorge um die Entwicklung der Weltkonjunktur zurückgehalten. Der Preis für die Nordseesorte Brent  notierte leicht schwächer bei 109,04 Dollar pro Fass. US-Leichtöl verbilligte sich um 0,3 Prozent auf 85,20 Dollar je Barrel.

In Libyen rief Muammar Gaddafi seine Anhänger dazu auf, Tripolis von den Rebellen "zu säubern" . Wann die libyschen Öllieferungen in großem Umfang wieder aufgenommen werden können, ist weiter unklar. Auch die Hoffnung auf neue Geldspritzen durch die US-Notenbank Federal Reserve konnte die Investoren nicht zu Käufen bewegen. Mit Spannung warteten sie darauf, ob Fed-Chef Ben Bernanke bei seiner Rede in Jackson Hole am Freitag Hinweise auf eine erneute Lockerung der Geldpolitik geben wird.

wed/dpa-afx/dpa/rtr
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