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25 Prozent Minus im August: Die Dax-Werte im Vergleich

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Wochenausblick Dax droht Rekordminus im August

Für "massiv unterbewertet" halten Anlageexperten den deutschen Aktienmarkt. Doch in der kommenden Woche dürften vor allem Konjunkturmeldungen und Geldpolitik die Kurse noch weiter belasten. Der Deutsche Aktienindex steuert auf die schlechteste monatliche Kursentwicklung in seiner Geschichte zu.

Frankfurt am Main - Keine Zeit für Optimisten: Fast 25 Prozent hat der Dax  allein im August an Wert verloren, und Experten sehen das Tal noch nicht erreicht. "Man stochert im Nebel, und das, was sich schemenhaft erkennen lässt, sieht entweder nach Abschwung oder nach Rezession aus", begründet Aktienstratege Carsten Klude den tief sitzenden Pessimismus der Anleger. Voraussetzung für eine Trendwende seien Belege dafür, dass die hoch verschuldeten europäischen Staaten es schaffen, ihre Ausgaben drastisch zu senken und gleichzeitig ihre Wirtschaft anzukurbeln. Und es brauche konjunkturelle Hoffnung für die weltgrößte Volkswirtschaft USA.

Noch ist davon nichts zu greifen, und Investoren warten gespannt, welche Signale die Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone (Dienstag), der ZEW-Index (Dienstag) und der Ifo-Index (Mittwoch) in den kommenden Tagen liefern werden. Für die Konjunktur der USA dürfte der Auftragseingang für langlebige Güter (Mittwoch) die aussagekräftigste Statistik werden. "Sollte der eine oder andere Konjunkturindikator positiv überraschen, dann kann der Markt sicherlich kurz einmal durchatmen. Eine nachhaltige Erholung brauchte aber einen echten konjunkturellen Lichtblick oder einen klugen Einfall der Politiker, von dem letztlich aber auch niemand weiß, wie der aussehen sollte", sagt Klude.

Investoren stießen auch am Freitag ihre Aktien weiter ab. Der Dax schloss am Freitag 2,2 Prozent im Minus bei 5480 Zählern. Er hat damit auf Wochensicht 8,6 Prozent verloren. Der Monat August könnte für den 1988 eingeführten Leitindex zum schwärzesten seiner Geschichte werden.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Dax besser geschlagen als zum Beispiel der europäische Stoxx 50  oder der britische FTSE 100 . Jetzt legt das deutsche Börsenbarometer dafür eine steilere Talfahrt hin. Seit Ende Juli hat der Dax mehr als 26 Prozent an Wert verloren, der Stoxx 50 rund 21 Prozent, der britische FTSE rund 15 Prozent.

Der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, empfindet den deutschen Aktienmarkt inzwischen als massiv unterbewertet. Kurzfristig kann er sich trotzdem einen Rutsch unter 5000 Punkte vorstellen. "Im Verlauf der kommenden Monate über das Jahresende hinaus sollte eine Normalisierung in der psychologischen Befindlichkeit greifen, die einen Anstieg in Richtung 7.000 Punkte favorisiert", sagt Hellmeyer.

Ein Höhepunkt der neuen Woche wird das jährliche Treffen von internationalen Zentralbankern in Jackson Hole, einem kleinen Ort in den Rocky Mountains. Die Elite der Geldpolitik berät dort ab Freitag über die globale Konjunktur und die Lage an den Märkten. Die Erwartungen von Analysten und Investoren sind hoch; sie spekulieren darauf, dass der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, ein drittes Anleihenkaufprogramm zur Stützung der lahmenden Wirtschaft (QE3) verkünden wird.

Einige Analysten bezweifeln allerdings, dass dieses Programm der ersehnte Befreiungsschlag sein kann. Schon das Vorgängermodell QE2 habe nicht die gewünschte Wirkung gebracht. "Zwar ist die Wirksamkeit mangels eines Alternativszenarios ohne Kaufprogramm schwierig zu beurteilen. Es drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass die Nachteile die Vorteile überstiegen", sagt Analyst Patrick Franke von der Helaba. "Der eindeutigste Stimuluseffekt kam wohl noch über den schwächeren Dollar , der sowohl die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industrie verbessert wie auch die Auslandsgewinne von US-Unternehmen höher ausfallen lässt."

ak/rtr
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