Mittwoch, 19. Februar 2020

Kursrutsch Hewlett-Packard verliert ein Drittel seines Börsenwertes

Branchen-Urgestein: HP plant eine radikale Strategiewende

Der deutsche Hewlett-Packard-Chef Léo Apotheker hat mit seinen Umbauplänen für den weltgrößten PC-Hersteller einen dramatischen Kurssturz ausgelöst. Nach den gestrigen Verlusten radierten die Anleger im frühen New Yorker Handel nochmals mehr als ein Fünftel des Firmenwerts aus.

Palo Alto - Hewlett-Packard Chef Léo Apotheker will sich vom PC-Geschäft trennen und steckt stattdessen Milliarden in den Kauf eines britischen Softwarespezialisten. Zugleich kapituliert Hewlett-Packard (HP) im Wettbewerb bei Smartphones und Tablet-Computern: Geräte mit dem eigenen mobilen Betriebssystem webOS werden nicht mehr produziert.

Die Aktie stürzte sofort nach Marktöffnung ins Bodenlose. In der ersten halben Stunde verlor sie 22,20 Prozent auf 22,96 Dollar, bis sich der Fall abbremste. Schon am Donnerstag hatte die Hewlett-Packard-Aktie mit heftigen Verlusten von mehr als 15 Prozent auf die Nachricht vom bevorstehenden Umbau reagiert. Ein Grund für den Kurseinbruch war, dass HP mit den Umbau-Ankündigungen auch abermals die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr kappen musste. Dabei wollte Apotheker mit seinen Plänen zur Gewinnmaximierung gerade die unzufriedenen Anleger beglücken. Sie forderten schon lange, dass HP die margenschwache PC-Produktion auf den Prüfstand stellt.

Alle Optionen geprüft für PC-Geschäft

Für das PC-Geschäft werden nun alle Optionen inklusive einer völligen oder teilweisen Abspaltung oder eines Verkaufs geprüft, wie Hewlett-Packard am Donnerstag mitteilte. Es geht dabei um den größten Geschäftsbereich von HP. Im vergangenen Quartal fuhr die Sparte mit 9,6 Milliarden Dollar fast ein Drittel der Konzernumsätze ein. Allerdings ist das Geschäft deutlich ertragsschwächer als andere Bereiche. HP will sich 12 bis 18 Monate Zeit lassen für die Prüfung aller Optionen. "Es kann in verschiedene Richtungen gehen", sagte Deutschland-Geschäftsführer Volker Smid der dpa.

Apotheker untermauert die neue Strategie mit dem Kauf der Softwarefirma Autonomy für mehr als zehn Milliarden Dollar. Sie spezialisiert sich auf Programme, mit denen große Unternehmen ihre Datenbestände besser im Griff behalten können. HP will 25,50 Pfund pro Aktie in bar zahlen, am Donnerstag lag der Kurs bei 14,25 Pfund. Mit dem kräftigen Aufpreis wird Autonomy Hewlett-Packard rund 6,2 Milliarden Pfund kosten.

Abgesehen davon, dass die PC-Produktion an sich eine schlechtere Rendite abwirft als Software oder Dienstleistungen, hat HP zudem Probleme im Geschäft mit Privatkunden. Vor allem Apple macht dem weltgrößten PC-Bauer zu schaffen: Der Tabletcomputer iPad lockt Kunden von Notebooks weg. Das HP-Tablet TouchPad konnte sich nicht als Rivale etablieren - und wird jetzt nach weniger als zwei Monaten auf dem Markt auch keine weitere Chance mehr bekommen.

cr/dpa-afx

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